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Rügen Glower „LandLust“ mit Federvieh und behaarter Brust
Vorpommern Rügen Glower „LandLust“ mit Federvieh und behaarter Brust
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09:47 12.09.2018
Der Galerist und Künstler Günter Christiansen mit den opulenten Tierfiguren seines Künstlerkollegen Siripong Rueangsri vor dem Glower Kunstraum Wasserwerk Quelle: Maik Trettin
Glowe

Die Straße ist mal wieder rappelvoll. Auto reiht sich an Auto an diesem Spätsommertag in Glowe. Während sich der Verkehr von und nach Wittow zäh durch den kleinen Ort wälzt, herrscht gleich neben dem Fahrbahnrand ländliche Idylle: Hühner und anderes Federvieh machen es sich vor der Galerie „Kunstraum Wasserwerk“ gemütlich. Die üppig geformten Tontiere picken nach Körnern, dösen in der Sonne oder sehen einfach dem Treiben auf der Straße und dem Bürgersteig zu. Die überlebensgroßen Figuren hat Siripong Rueangsri geschaffen. Sie sind sein Beitrag zur Ausstellung „LandLust“, die die Glower Künstler und Galeristen Ina Handelmann und Günter Christiansen zusammengestellt haben.Beide lieben das Landleben. Sie sind jeweils in ländlichen Umgebungen beziehungsweise Kleinstädten aufgewachsen und fühlen sich nicht zuletzt auch aus diesem Grund auf Rügen wohl. In ihrer Glower Galerie, dem „Kunstraum Wasserwerk“ haben sie diese Vorliebe jetzt zum Thema gemacht.

Marmeladenköchin, Keramikerin und Papierkünstlerin

Dabei geht es bei „LandLust“ nicht um das, was das gleichnamige „Zentralorgan der Landfrauenverbände“ seinen Lesern als Inbegriff des Landlebens verkauft. Zwar ist Ina Handelmann nach Aussagen ihres künstlerischen und Lebenspartners auch eine begnadete und leidenschaftliche Marmeladenköchin und Kuchenbäckerin. Aber eben noch viel mehr. Papierarbeiten, Keramiken, Porzellan, Drucke – Motive aus der Natur und dem Landleben finden sich immer wieder in ihren Werken. Die Inspiration dafür liegt praktisch vor ihrer Haustür. Regelmäßig sind Handelmann und Christiansen auf Rügen unterwegs – einfach so, um die Natur und Landschaft zu genießen. Sie lieben die herrlichen Ausblicke von den Hügeln der Insel, die Abwechslung zwischen Wald, Wiese, Feld und Wasser. Und sie schätzen die ruhigen Orte, die man auch mitten in der Saison noch auf Rügen findet.Ruhe und Harmonie – das strahlen auch die meisten Arbeiten der verschiedenen Künstler aus, die das Galeristenpaar für die neue Schau zusammengestellt hat. Das Stillleben von Antje Wichtrey zum Beispiel, die darin Früchte wie Melonen und Granatäpfel mit Acrylfarben auf die Leinwand bannt. Mit Landschaftsbildern ist Armin Mueller-Stahl vertreten. Ein wahrer Blickfang sind die Arbeiten von Jutta Votteler. Die Drucke der Berlinerin wirken bei aller Farbenfreude nicht knallig bunt, sondern natürlich. Vielleicht, sagt Ina Handelmann, liege das an der besonderen Technik der Künstlerin. Statt eine Vielzahl von Platten übereinanderzulegen, beschränkt sich Votteler in den in Glowe gezeigten Arbeiten auf drei. Die Farbigkeit erzielt sie durch unterschiedliche Ätztiefen in den Platten, die immer wieder auf das Papier gepresst werden. Letzteres wird dabei feucht gehalten, damit die Farben sich miteinander verbinden und neue Farben ergeben. „Das ist unglaublich aufwändig“, zollt Ina Handelmann der Künstlerkollegin Respekt. Arbeiten wie der „Junge mit Hund“ oder die „Träumende Eule“ wirken wie wertvolle Illustrationen zu Kindergeschichten oder Märchen. „Die Ornamente geben ihnen fast etwas Orientalisches“, sagt Günter Christiansen.

Hözer vom Brückenbau mit Steinen kombiniert

Er hat nicht nur die Arbeiten anderer Künstler mit ausgewählt, sondern selbst auch eine ganze Reihe seiner Werke passend zum Thema beigesteuert. Man könnte seine Skulpturen beim flüchtigen Betrachten schlicht als dekorativ und handwerklich gelungen bezeichnen. Doch spätestens nach dem Lesen der Titel muss der Betrachter wenigstens ein zweites Mal hinsehen. Dann ist es eben nicht nur eine üppige Frau, die entspannt auf einem hölzernen Einbaum sitzt, sondern eine, die versucht (oder es geschafft hat?), das „Gleichgewicht“ zu halten. „Alter Mann, was nun?“ steht unter einer weiteren Skulptur, bei der der Glower Künstler Hölzer vom damaligen Brückenbau an der Autobahn A 20 mit Steinen kombiniert.Dass Kunst für ihn nicht zwangsläufig eine todernste Sache sein muss, macht Christiansen auch in dieser Schau wieder deutlich: Reste von Metallbindern hat er so auf einem Holzstück angeordnet, dass daraus „Die behaarte Brust“ wird. Auch das kann LandLust sein.

Maik Trettin

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