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Rügen „Guck, da kommt die Böse“
Vorpommern Rügen „Guck, da kommt die Böse“
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17:07 10.08.2018
Eine so fiese Rolle, wie die der Dorothea von Achenbach bei den Störtebeker Festspielen, spielte Nicola Ruf noch nie, versichert sie. Quelle: Jens-Uwe Berndt
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Ralswiek

Sie ist stockfies, verschlagen, skrupellos und ambivalent: Dorothea von Achenbach, die gefährliche Gegenspielerin von Klaus Störtebeker in der aktuellen Inszenierung „Ruf der Freiheit“ gehört zu jenen Bösewichtern in der Geschichte der Festspiele, die es wirklich in sich haben.Verkörpert wird Dorothea von Achenbach von Nicola Ruf, die unter anderem wegen ihrer Theatererfahrung und ihrer Reitkünste auf die Besetzungsliste der neuen Aufführung gerutscht war. „Als ich im April das Drehbuch las, dachte ich ,Oh jeh, an dieser Rolle ist nicht ein gutes Haar zu lassen’“, sagt Ruf. „Aber das ist toll. Ich finde es auch sehr gut, dass der Charakter zu Ende erzählt wird.“ Gemeint sei damit, dass sie die Chance erhalte, im letzten Teil des Stücks neben all der Bosheit noch eine andere Facette der Dorothea zeigen zu können – nämlich Verletzlichkeit.„Ich kannte durch die Infos im Text die Geschichte von Dorothea, weshalb sie für mich ja keine böse Person war“, sagt Nicola Ruf. „Die Bösen sind oft die, die am meisten geschädigt sind, zum Beispiel aus ihrer Kindheit. Eigentlich sind es oft arme Figuren, und ich musste für mich herausfinden, woher ihre Stärke kommt und warum sie ihre Ränkespiel durchzieht und für nichts und niemanden Empathie zeigt, außer für ihren Bruder Rüdiger.“

Eine Art Volkstheater

Natürlich habe sie am Theater schon negativen Figuren ein Gesicht verliehen, vom Kaliber einer Dorothea war bisher aber keine. „Sie ist ein Archetyp des Bösen“, sagt die Schauspielerin, auf die nach den Aufführungen durchaus schon mit den Fingern gezeigt wurde. „Wir machen hier eine Art von Volkstheater, da müssen Charaktere scherenschnittartig sein. Zu viele Nuancen kann und will man vermutlich auch gar nicht sehen.“ Vor dem Stück erlebe sie, wie gern sich Fans der Festspiele mit ihr fotografieren ließen. „Auch die Kinder tun das immer wieder“, erzählt Ruf. „Wenn ich aber in der Pause durchs Publikum gehe, schlägt die Stimmung bereits um . Da heißt es schon , Guck, da kommt sie, die Böse’.“Beim Endapplaus, wenn die Darsteller noch einmal über die Bühne gehen, um sich zu verneigen, gibt es für Ruf regelmäßig Buh-Rufe. „Das muss man sich dann selbst als Kompliment geben“, sagt sie. „Es wird in dem Moment nicht unterschieden zwischen dem Schauspieler und der Rolle. So wird zum Beispiel applaudiert, wenn mein Bruder stirbt: Das ist der Böse, und da ist es gut, wenn der erstochen wird.“Nicola Ruf hat die Erfahrung gemacht, dass sie sich als Schauspielerin in die „bösen Rollen besser reinschmeißen, diese stärker ausloten“ kann als positive Charaktere. „Das Gute ist manchmal ein bisschen langweilig.“Dorothea zu Achenbach wirft bei den Zielen, die sie verfolgt, ihre Weiblichkeit in die Waagschale. Sie hat ein Verhältnis mit Stralsunds Bürgermeister Bertram Wulflam (Dietmar Lahaine), gibt sich mit Störtebekers Vater Armin von Alkun (Norbert Braun) ganz offensichtlich nicht nur dem Glücksspiel hin und versucht schließlich den Titelhelden (Alexander Koll) zu gewinnen. Darstellerin Nicola Ruf pflegt privat einen weniger wilden Umgang mit der Männerwelt. „Ich bin seit 20 Jahren mit ein und demselben Mann liiert“, sagt sie lachend. Und in ihrer Beziehung sei sie eine Frau, die auf der einen Seite „total Mama sein und super haushalten kann“, auf der anderen Seite sei sie aber auch in der Lage, von dieser Rolle Abstand nehmen zu können. „Mein Partner und ich, wir sind beides Freischaffende Schauspieler“, sagt die in Potsdam lebende 40-Jährige. „Da braucht es eine Basis. Wenn ich weg bin, weiß ich, dass er zu Hause alles zusammenhält, ist er weg, kann er sich darauf verlassen, dass ich das rocke.“

Debatte über Geschlechterrollen

Nicola Ruf ist bewusst, dass Dorothea zu Achenbach eine Diskussion über die Geschlechterrollen herausfordert. „Dabei geht es immer um Macht“, findet sie. „Das ist im Umgang miteinander immer noch zu spüren. Wir haben es bisher einfach nicht geschafft, ausschließlich von Mensch zu Mensch miteinander zu reden.“ Dorothea ist für Ruf ganz klar eine emanzipierte Frau. „Das finde ich toll“, sagt sie weiter. „Dorothea kuscht nicht oder wickelt ausschließlich die Männer um den Finger. Ich glaube, dass sie ganz bewusst nicht heiraten will. Das Problem ist nur: Solange sie nicht heiratet, kann sie keinen Besitz erwerben.“ Dass Dorothea befiehlt und die Leute um sie herum ohne Widerrede gehorchen, mache sie zu einer Ausnahmefigur in der Zeit, in der Störtebeker lebte.Zu den Festspielen kam sie „wie die Jungfrau zu dem Kinde“, sagt Ruf. Sie sei von einem Indien-Trip mit ihrer Mutter nach Hause zurückgekehrt, als ihre Agentur sie wissen ließ, dass man sich bei den Störtebeker Festspielen auf der Insel Rügen für sie interessiere: „So bin ich zum Vorreiten hierhergefahren und wurde genommen. Man fragt dann aber nicht, wofür man vorgesehen ist, weshalb ich praktisch erst langsam mitbekam, welche Rolle mir zuerkannt worden war.“ Viel Zeit habe man als Schauspieler bis zur Premiere dann nicht. In sechs Wochen sei immens viel auf die Reihe zu bekommen. Da gebe es den Charakter, der auszuarbeiten ist, müssen das Stück gelernt, die Proben absolviert werden. Das Reiten sei zu vervollkommnen und man müsse sich körperlich fit halten. Alte Stücke habe sie sich auf DVD nicht angeschaut. „Das finde ich auch nicht so hilfreich“, sagt Nicola Ruf. „Da sind die Gespräche mit den älteren Kollegen viel wichtiger.“Eine Zukunft bei den Störtebeker Festspielen kann sie sich durchaus vorstellen. Nicht zuletzt, weil – wie sie immer wieder betont – der Spaß am Spiel maßgeblich sei. „Aber über Zukunftspläne wird hier nur mit den Chefs geredet“, lächelt sie.

Berndt Jens-Uwe

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