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Rügen Gute Aussicht für ein Schwimmbad
Vorpommern Rügen Gute Aussicht für ein Schwimmbad
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00:00 11.12.2017
So könnte der Komplex an der Ruschwitzstraße in Rotensee aussehen. GRAFIK: STADTVERWALTUNG
Bergen

„Überall, wo wir waren, wurde uns Mut gemacht und versichert, dass wir keine Fehlinvestition vorhaben“, sagt Bergens Bauamtsleiter Rainer Starke in Bezug auf den möglichen Bau eines Schwimmbades in Bergen (die OZ berichtete).

Starke und seine Mitarbeiter haben in den zurückliegenden Monaten einige Strecken zurückgelegt, um den Stadtvertretern eine Analyse vorzulegen, die zum jetzigen Zeitpunkt so detailliert und aussagekräftig wie möglich ausfallen sollte. Denn nichts Geringeres hatten die Bergener Volksvertreter im Frühjahr dieses Jahres per Beschluss von der Stadtverwaltung verlangt, geht es doch um ein Projekt, das nach ersten Überlegungen um die 8,2 Millionen Euro Baukosten verschlingen könnte. „Fördertöpfe gibt es dafür aber einige“, sagte Rainer Starke bereits auf der Stadtvertretersitzung am vergangenen Mittwoch und nannte unter anderem Städtebaufördermittel und Mittel auf dem energetischen Bereich.

Um zu sehen, wie bestehende Schwimmbäder funktionieren, hatten sich einige Verwaltungsmitarbeiter nach Rostock, Schwerin, Anklam, Schönefeld und Hohenstein-Ernstthal begeben. Ergebnis: Alle Schwimmbäder brummen. Der Andrang ist laut Starke so enorm, dass einige Hallen schon um 6 Uhr öffnen. Die Betreibermodelle sind vielfältig: privat oder von einem Verein, städtischer Eigenbetrieb oder von der örtlichen Wohnungsgesellschaft betrieben. „Für Bergen käme nur ein Eigenbetrieb oder ein privater Investor in Frage“, sagt Rainer Starke gegenüber der OZ. „Wichtig ist es jedenfalls, dass die Beschäftigten nicht im Stellenplan der Stadt auftauchen.“ Mit zehn bis zwölf Angestellten seien die Aufgaben eines Bades mit der von Bergen geplanten Größe zu bewältigen. Aber: Ein Zuschussgeschäft bleibt solch ein Schwimmbad offenbar immer, denn in keinem der ausgewählten Orte trug sich die sportlich-kulturelle Einrichtung selbst. „Nach jetzigen Berechnungen, die das Betreibermodell komplett unberücksichtigt lässt, kämen jährliche Aufwendungen von rund 750000 Euro auf uns zu“, sagt Starke. Das beinhalte sowohl die Personalkosten als auch Strom, Wasser, Gas, Chemikalien, Wartung und Instandhaltung. „Bei den Einnahmen rechnen wir mit einer Summe von circa 600000 Euro, was zur Folge hätte, dass bei der Stadt ein Zuschuss von 150000 Euro hängenbliebe. Wir haben anfangs mit einer ganz anderen, weitaus höheren Zahl gerechnet.“ Das Zahlenspiel berücksichtige darüber hinaus ausschließlich jene potenziellen Nutzer, die auf Rügen zu Hause sind: private Personen, Schulen, die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft, das Gesundheitswesen und die Sportvereine. Touristen seien als unsichere Größe nicht mit in der Rechnung. „Vor allem die Schulen würden einen Vorteil erlangen“, sagt Rainer Starke. „Schwimmprüfungen sind nämlich bisher nur in Stralsund möglich.“ Und die bestanden im zuletzt betrachteten Berechnungszeitraum von 144 Grundschülern nur 26. Für Kinder von einer Insel ein erschreckendes Ergebnis, findet Starke. „Daran ist zu sehen, dass es zum Beispiel nicht ausreicht, die Ostsee vor der Haustür zu haben, um richtig schwimmen zu lernen.“

Der Standort für das Schwimmbad wird ebenfalls schon diskutiert: Campusgebiet, Rotensee an der Ruschwitzstraße neben den Sternhäusern. Hier könnte ein ganzer Komplex entstehen. Für die Gebäude der Kindertagesstätte und Jugendhilfe sei bereits ein Betreiber im Gespräch. Daneben käme dann das Bad. Ein Fitness-Center und ein Restaurant könnten nur als private Betriebe geführt werden.

Wenngleich Monika Quade (SPD) auf der jüngsten Stadtvertretersitzung die Ansicht vertrat, eine Bürgerbefragung zum Schwimmbad – wie von Bürgermeisterin Anja Ratzke favorisiert (die OZ berichtete) – wäre sinnlos, da in ihrem Bekanntenkreis eh alle dafür seien, will die Stadt an dieser Idee festhalten.

„Ich möchte den Beschlussvorschlag zur Einwohnerbefragung auf die Tagesordnung der Februarsitzung bringen“, sagt Anja Ratzke. „Dann könnten wir die Bergener zu den Landratswahlen im Mai über ihr mögliches Schwimmbad abstimmen lassen.“

Fakten

144 Schüler gibt es in der Schwimmklasse der Grundschulen der Stadt, nur 50 Schüler waren auf Grund ihrer Schwimmleistungen für die Prüfung vorgesehen.

Sechs Bahnen soll das Schwimmbad haben. Vorgesehen ist auch eine Sauna.

8,2 Millionen Euro sind vorerst für den Bau eines solchen Schwimmbades veranschlagt. Die Betreibungskosten liegen voraussichtlich bei rund 750000 Euro, ungefähr 600000 Euro könnten die Einnahmen betragen.

Jens-Uwe Berndt

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