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Granskevitz Hafer auf dem Vormarsch

Sommergetreide löst zunehmend Raps ab / Granskevitzer züchten mehltauresistente Sorte

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Saatzüchterin Sabine Ballstädt wiegt Haferkörner ab, deren Resistenz gegen Pilzbefall in einem Projekt untersucht wird.

Quelle: Foto: Maik Trettin

Granskevitz. Raps, Weizen, Gerste, Raps, Weizen, Gerste – Dr. Steffen Beuch könnte das, was die meisten Rügener Bauern über die Jahre auf ihren Feldern anbauen, endlos auf- und leicht vorhersagen. Besonders viel Abwechslung ist in der Fruchtfolge oft nicht zu erkennen. Doch daran scheint sich gerade etwas zu ändern: „Der Haferanbau bei uns in der Region nimmt zu“, sagt der Saatzuchtleiter bei Nordsaat in Granskevitz. Landwirtschaftliche Betriebe der Insel und auf dem nahen Festland bauen immer häufiger auch Hafer statt Raps an. Sehr zur Freude der Granskevitzer, die seit Jahrzehnten dieses Getreide züchten. Erst vor wenigen Wochen bekamen sie in Deutschland die Zulassung für eine neue Gelbhafersorte namens „Delfin“.

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Sommergetreide löst zunehmend Raps ab / Granskevitzer züchten mehltauresistente Sorte

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Von der erhoffen sich die Granskevitzer Saatzüchter einiges. „Delfin“ gilt als gesund, standfest und ertragreich bei guter Kornqualität. So ähnlich lesen sich sicherlich auch andere Sortenbeschreibungen. Doch die Neuzüchtung von der Insel ist in einem Punkt etwas ganz Besonderes: Sie ist ziemlich wehrhaft gegen Pilzbefall und nahezu resistent gegen Mehltau. Aus Sicht vieler Landwirte sind das entscheidende Eigenschaften. So „pflegeleicht“ Hafer auf dem Acker im Vergleich zu anderen Getreiden sein mag – bei der Lagerung stellt er spezielle Anforderungen. „Das Korn ist fetter und feuchter als etwa das des Weizens“, sagt Steffen Beuch. Es müsse deshalb meist zeitig und stärker getrocknet werden. Sonst drohen Pilzbefall und damit einhergehend die Bildung von Pilzgiften.

Ein wichtiger Vorteil im Vergleich zu anderen Sorten ist die Widerstandsfähigkeit speziell gegenüber Mehltau. Gegen diese Pilzkrankheit hilft in der konventionellen Landwirtschaft bislang nur der Einsatz von Fungiziden. Doch gerade der wird zunehmend kritischer gesehen. Ginge es allein nach den Verbrauchern, kämen deutlich weniger Dünge- und Pflanzenschutzmittel auf die Felder. „Kurz gesagt:

Die Leute wollen weniger Chemie auf dem Acker.“ Und offenbar auch der Gesetzgeber, ergänzt Beuch. Er verweist auf die geänderte Düngemittelverordnung, wonach die Obergrenzen für das Ausbringen von Stickstoffdünger je Hektar deutlich nach unten korrigiert wurden.

Das könnte dem Haferanbau künftig zuträglich sein, spekuliert der Granskevitzer Saatzuchtleiter. Er denkt dabei unter anderem an die neue Sorte „Delfin“. Mit deren Entwicklung haben die Rügener Züchter schon zu DDR-Zeiten begonnen. „Die Resistenz gegen Mehltau kommt aus den Wildhaferarten“, erklärt Steffen Beuch. Diese wichtige Eigenschaft aus einer Wildpflanze in eine Kultursorte einzuzüchten, habe Jahrzehnte gedauert. Die Mühen der Granskevitzer haben sich gelohnt: Die Nordsaat-Züchter sind derzeit weltweit die einzigen, die diese Mehltauresistenz in Hafersorten anbieten können. Angesichts zukünftig möglicher Restriktionen beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln könnte ihr ein großer Markterfolg beschieden sein.

Was den Hafer im Anbau noch als Alternative zu anderen Getreiden empfiehlt, ist seine Genügsamkeit in Sachen Nährstoff. Zwar gilt er bei Züchtern und Landwirten ob seines Wasserbedarfs als „Säufer“.

„Aber Hafer benötigt nur etwa halb soviel Stickstoff wie zum Beispiel Winterweizen“, rechnet Steffen Beuch vor. Angesichts der weiteren Limitierung beim Einsatz von Stickstoffdünger dürfte die Pflanze künftig zunehmend auch dort angebaut werden, wo bislang die stickstoffhungrigen Winterkulturen dominieren. „Die Bauern suchen nach Alternativen.“ Dabei landen sie in letzter Zeit immer häufiger beim Hafer.

Von einer Trendwende mag Steffen Beuch derzeit noch nicht sprechen. Europaweit geht die Haferanbaufläche nach wie vor zurück. Wurde Hafer 2007 noch auf 3,1 Millionen Hektar in der EU ausgesät, waren es im vergangenen Jahr nur noch 2,6 Millionen Hektar. Das Problem: Einer der traditionellen Hauptabnehmer sucht sich andere Futterquellen. „Pferde werden heutzutage zunehmend mit Pellets gefüttert“, sagt Beuch. Dass diese Tiere „der Hafer sticht“, hat sich in das Bewusstsein vieler Halter eingebrannt, die lieber Mais und Gerste verfüttern. Und obwohl die Zahl der in Deutschland gehaltenen Pferde steigt und mittlerweile nach Schätzungen bei rund 1,1 Millionen liegt, wird Hafer immer seltener als Futtermittel eingesetzt. Für die Freizeit-Tiere ist der Hafer oft viel zu gehaltvoll. „Die wenigsten Pferde werden ja heutzutage noch viel bewegt und zur Arbeit eingesetzt“, weiß auch Beuch. Welchen Einfluss der Hafer wirklich auf die Vierbeiner hat, ist dagegen weitgehend unerforscht – noch. In einem Forschungsprojekt untersuchen die Granskevitzer gemeinsam mit Fachleuten vom Institut für Tierernährung in Halle die Wirkung dieses Getreides auf die Pferdegesundheit. „Wir gehen davon aus, dass nicht jeder Hafer ,sticht’“, sagt der Nordsaat-Zuchtleiter. Um mehr darüber herauszufinden, werden die Tiere mit unterschiedlichen, reinen Hafersorten ernährt und Daten zur Tiergesundheit erhoben.

Ein weiteres Forschungsprojekt befasst sich mit der Widerstandsfähigkeit gegen Pilze. Das läuft mit Unterstützung des Quedlinburger Bundesforschungsintituts für Kulturpflanzen und der Granskevitzer Zuchtstation an der Universität in Göttingen. Die gesundheitsfördernde Wirkung des Hafers und der darin enthaltenen so genannten Avenanthramide soll demnächst am Fraunhofer-Institut im nordrhein-westfälischen Schmallenberg untersucht werden.

Unabhängig vom Ergebnis gilt dieses Getreide spätestens seit Mai letzten Jahres, als der Hafer von der Deutschen Zöliakiegesellschaft offiziell als glutenfrei eingestuft wurde, als gut verträgliches Lebensmittel. „Das wird immer wichtiger“, weiß Steffen Beuch von den Abnehmern aus der Lebensmittelindustrie. Dort ist die Nachfrage nach Hafer enorm gestiegen und kann kaum noch befriedigt werden.

Während Deutschland Weizen exportiert, muss es Hafer mittlerweile aus dem Ausland einführen. „Der Bedarf wird nur zu 80 Prozent aus den Erträgen im Inland gedeckt“, so Beuch. Da sei noch viel Luft nach oben für den Haferanbau „vor der Haustür“, hofft der Saatzuchtleiter.

Maik Trettin

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