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Rügen Handy ist nicht wichtiger als Freunde
Vorpommern Rügen Handy ist nicht wichtiger als Freunde
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09:15 12.05.2018
Esra, Tim und Murat (vorn) freuen sich gemeinsam mit Schulsozialarbeiterin Kirstin Steffen über das Preisgeld von 750 Euro. Das Geld wird nun in die Schülerzeitung investiert. Quelle: Uwe Driest
Bergen

„Auf das Thema des Films kamen wir, als uns irgendwann auffiel, dass wir selber ziemlich viel mit unseren Handys im Internet surften“, sagen Tim Steinhorst und Murat Bayran (beide 12). Für ihr Video-Projekt „Gefangen in der digitalen Welt“ erhielten die Schüler der Regionalen Schule am Grünen Berg in Bergen nun den Medienkompetenzpreis 2018 des Landes. Die mit 750 Euro dotierte Auszeichnung nahmen Tim und Murat gemeinsam mit den weiteren Mitgliedern der Redaktion ihrer Schülerzeitung „Copy Left“ und Schulsozialarbeiterin Kirstin Steffen in Rostock entgegen.

Die beiden Technik-Freaks kümmerten sich vor allem um Kamera und Schnitt, spielten aber auch selber mit. Pauline wurde als Sprecherin für den knapp elf minütgen Clip gewonnen und Esra gab die Mutter von Tim alias Kevin. Der Film-Kevin ist elf Jahre alt und liebt es, zockenderweise am Computer zu sitzen. Dabei vergisst er immer öfter Zeit, Raum und die eigene Körperhygiene. Die Dokumentation beschäftigt sich mit den Fragen „Wie entsteht Computerspielsucht eigentlich?“, „Was sind die Anzeichen einer Spielsucht?“ und „Was kann ich dagegen tun?“, lobte die Jury. In diesem Jahr lagen insgesamt 28 Bewerbungen vor. „Ihr Projekt jedoch stach sehr positiv als eines von vier Projekten aus den eingereichten Bewerbungen hervor“, so die Fachleute der Medienanstalt MV.

Schülerzeitung erscheint vorerst nur online

Mit Unterstützung von Sabine Münch vom Medientrecker MV sowie Ronald Prinz vom Bergener MIZ hatten die Nachwuchs-Redakteure das medienpädagogische Projekt in Angriff genommen, Story-Board erstellt und Rollen festgelegt. Nach fünf Tagen war der Streifen im Kasten. „Vom Preisgeld können wir uns jetzt ein Konto anlegen und eine eigene Internetseite leisten, damit wir unabhängig von der Schule bleiben“, sagt Kirstin Steffen. „Entgegen der ursprünglichen Planung entschlossen wir uns, die Zeitung nicht zu drucken, sondern sie lediglich online zu stellen.“ Zu groß erschienen Probleme und Kosten für eine Druckausgabe und auch die Vielfalt der in einer richtigen Zeitung anfallenden Aufgaben haben die Jugendlichen anfangs unterschätzt.

Das junge Redaktionsteam fand sich erst im laufenden Schuljahr zusammen, aber die erste Ausgabe soll schon bald fertig sein. „Nur ein Lehrer-Interview fehlt noch“, weiß Murat. Die Ausgabe enthält neben Steckbriefen der Redaktion auch eine Rezension zur Netflix-Serie „Tote Mädchen lügen nicht“ sowie Berichte vom Kinder- und Jugendparlament oder aus der Yoga-AG. Auch Koch-Rezepte aus aller Welt sollen sich darin finden.

Der Film zeigt bereits erste Wirkung bei den Autoren selber. „Ich glaube, dass sich der Blickwinkel bei den Jungs verändert hat“, meint Kirstin Steffen. Sie hätten nun erkannt, dass das Handy nicht wichtiger ist, als Freunde zu haben. Das bestätigen Tim und Murat und beteuern, ihr Verhalten nach dem Dreh umgestellt zu haben. „Ich bin jetzt vor allem bei United Radio aktiv“, sagt Tim. Der Videoclip „Gefangen in der digitalen Welt“ ist unter der Ardresse https://mmv-mediathek.de/play/23219-gefangen-in-der-digitalen-welt.html zu sehen.

Schülerzeitung und Medientrecker

Mit der Bereitstellung von zwei mit Audio- und Videotechnik voll gepackten Kleinbussen hat die Medienanstalt ein Angebot geschaffen, das die medienpädagogischen Lücken in den ländlichen Räumen schließen soll. Medienpädagogen rollen seit 2002 mit den beiden „Medientrecker“ durch Mecklenburg-Vorpommern und produzieren vor allem Lokalsendungen, die dann über die Offenen Kanäle gesendet werden.

Die Medienwerkstatt am Institut für neue Medien Rostock ist eine regionale Kultureinrichtung für Medienbildung. Sie wendet sich mit ihrem Programm vor allem an Kinder und Jugendliche. Ihre Angebote umfassen neben den audiovisuellen Medien auch die multimedialen Online-Medien. Zielgruppen für das kostenlose Angebot sind Kindergärten, Jugendzentren, Feuerwehren, Vereine, Künstler, Studenten, Senioren.

Die Projekte werden nicht nur technisch begleitet. Aus der Praxis heraus entwickelt sich das Nachdenken über Sinn und Nutzen der Medien. Einen Kongress für Schülerzeitungen richtet der Jugendmedienverband MV im September in Rostock aus. Weitere Infos gibt es unter www.jmmv.de/sz-kongress/

Driest Uwe

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