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Rügen Harro Schack: Stadtgeschichte in Alltagsbildern
Vorpommern Rügen Harro Schack: Stadtgeschichte in Alltagsbildern
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07:30 20.03.2019
Fotograf Harro Schack (li) und Frank Biederstaedt, Leiter der Sassnitzer Stadtbibliothek, vor den Bildern der neuen Ausstellung, die seit einigen Tagen im Lesesaal gezeigt wird. Quelle: Maik Trettin
Sassnitz

Auf leisen Sohlen geht Harro Schack durch den Lesesaal der Sassnitzer Stadtbibliothek. Er will die, die hier in ihre Lektüre vertieft sind, nicht stören. Im Mittelpunkt zu stehen, auf sich aufmerksam zu machen - das widerstrebt dem 78-Jährigen. Und so erfährt auch niemand der gerade anwesenden Besucher, dass er die Fotos gemacht hat, die seit Montag in einer kleinen Ausstellung von einem kleinen Stück Sassnitzer Stadtgeschichte erzählen. Für Harro Schack ist das nicht wichtig. Er beobachtet lieber eine Weile, bevor er zur Kamera greift. Auf diese Art und Weise sind in den vergangenen Jahrzehnten tausende Aufnahmen entstanden, die in einer klaren und gleichzeitig tiefen Bildsprache Geschichten erzählen, Geschichten vom Leben der „einfachen Menschen“.

Die Kuh vor dem Hochhaus

Die müssen dabei gar nicht auf den Fotos zu sehen sein. Schacks Bilder kommen auch mal ohne Gestalten und Gesichter aus. Die Erinnerung und das Auge des Betrachters projizieren sie oft ganz automatisch in viele seiner Stadtlandschaften. Wer vor der Aufnahme des leeren Bauernmarkts steht, ruft aus dem hintersten Winkel des Kopfes unweigerlich das Bild des belebten und beliebten Platzes im Herzen der Stadt ab. Eine andere Arbeit entstand während des K-Wagen-Rennens, das bis Mitte der 70er Jahre in Sassnitz stattfand. Beim Kurs „Rund um das Hochhaus“ jubeln die Zuschauer im damaligen Wilhelm-Pieck-Ring (heute Gerhart-Hauptmann-Ring) den Fahrern in ihren kleinen Kisten zu. Eine ganze Epoche der Stadtgeschichte hat Harro Schack in einer Aufnahme zusammengefasst: Eine Kuh weidet einsam auf einer hügeligen Wiese, die abrupt in das Wohngebiet am Gerhart-Hauptmann-Ring mit seinem Hochhaus übergeht. „Für mich das interessanteste Bild der Ausstellung“, sagt der Leiter der Stadtbibliothek, Frank Biederstaedt, der die Schau zusammengestellt hat. „Es verdeutlicht auf einen Blick die rasante Entwicklung von der landwirtschaftlich geprägten Gemeinde zur Industriestadt.“

Archäologe Herfert weckte Schacks Heimatliebe

Biederstaedt, der auch das Stadtarchiv leitet, hat aus über 1000 Fotos 30 für die Ausstellung ausgesucht. Harro Schack hatte der Einrichtung 2013 einen Teil seiner Sammlung als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt. „Wir wollen sie aber nicht nur verwahren, sondern auch zeigen und der Öffentlichkeit zugänglich machen“, sagt Biederstaedt. Zu sehen sind Straßenzüge, Häuser und vor allem Alltagsszenen aus den 60er und 70er Jahren. Ob dienstlich oder in der Freizeit – ohne Fotoapparat war Schack so gut wie nie unterwegs. „Das ist noch heute so“, sagt er lachend und zeigt auf die Kameratasche neben seinem Stuhl. Nachdem er in seinen erlernten Beruf als Gärtner aus gesundheitlichen Gründen an den Nagel hängen musste, stand für den jungen Binzer schnell fest, dass er sich der Fotografie widmen würde. Nach einer entsprechenden Lehre arbeitete er in Stralsund und lernte Peter Herfert kennen. Der Archäologe arbeitete zu der Zeit am dortigen Kulturhistorischen Museum. „Er hat meine Heimatliebe geweckt“, sagt Harro Schack, der seitdem so ziemlich alles sammelte, was einen Bezug zur Insel und ihrer Geschichte hatte. Dass viele seiner Arbeiten Sassnitzer Zeitgeschichte dokumentieren, ist auch seiner Heimatliebe geschuldet: Die Hafenstadt wurde ab den 60er Jahren sein Zuhause. Hier arbeitete Schack viele Jahre als Leiter der Fotoproduktion mit ihrer damaligen Verkaufsstelle in der heutigen Hauptstraße, als Betriebsfotograf beim Hafen Mukran und nicht zuletzt als Volkskorrespondent der OSTSEE-ZEITUNG.

Die Arbeit im Atelier war nicht sein Favorit. „Ich war am liebsten draußen bei den Menschen auf der LPG, im Betrieb oder in der Forst.“ Die Menschen bei ihrer Arbeit, in ihrem Alltag darzustellen, das hat ihn am meisten gereizt. Gestellte Bilder waren und sind ihm ein Graus. Und wenn es noch so staubte im Kreidewerk: „Der Staub muss doch auf dem Bild zu sehen sein! Das ist doch die Realität!“

Mittlerweile lebt Harro Schack in Sagard. Auch dort ist er nahezu täglich mit seiner Kamera unterwegs. Die Foto-Technik habe sich über die Jahrzehnte stark verändert, sagt er und schmunzelt: „Heute ist der Computer meine Dunkelkammer.“ Was dort entsteht, können seine Nachbarn in der „Hausflur-Galerie“ verfolgen. Veraltete Mitteilungen im dortigen Schaukasten ersetzt er regelmäßig durch seine neuen Fotos.

Ehrennadel für Fotografie

Harro Schackwurde 1941 in Binz geboren und absolvierte dort auch eine Lehre zum Gärtner. Gleich im Anschluss nahm er im Binzer Fotostudio von Walter Schröder eine Ausbildung zum Fotografen auf und wurde Mitglied im Binzer Fotoclub. Ab 1967 leitete er 20 Jahre lang die Fotoproduktion in Sassnitz. Das Atelier befand sich an der heutigen Hauptstraße/Ecke Seestraße. Im Anschluss war er unter anderem Betriebsfotograf im Fährhafen Mukran und erstellte für Insula Rugia eine fotografische Dokumentation der Denkmale. Für seine Arbeiten bekam er die Ehrennadel für Fotografie in Gold, Silber und Bronze.

Maik Trettin

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