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Rügen Hier wurden schon zur Kaiserzeit Briefe gestempelt
Vorpommern Rügen Hier wurden schon zur Kaiserzeit Briefe gestempelt
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00:01 02.06.2017
Birgit Garbuzinski aus dem Sassnitzer Stadtarchiv vor dem ehemaligen Postamt mit einem Bild von Wilhelm Kruse, dem letzten Rügener Postillion, der in Sassnitz bis 1902 tätig war. Quelle: Foto: Maik Trettin
Sassnitz

Wer zur „Paketannahme“ geht, sucht hinter der Tür vergebens nach dem Schalter. Hier sitzt schon lange kein Postbeamter mehr. Statt der Briefe und Pakete warten Bücher auf die Besucher der jetzt hier ansässigen Stadtbibliothek. Die teilt sich das Gebäude seit zehn Jahren mit dem Bauamt, der Kämmerei und dem Stadtarchiv. „Post“ oder „Postamt“ wird dieser Verwaltungssitz nach wie vor umgangssprachlich genannt. Kein Wunder, erfüllte er doch diesen Zweck über 100 Jahre lang – und wurde vor 120 Jahren eigens für diesen Zweck gebaut.

Das Sassnitzer Postamt wurde vor 120 Jahren eröffnet / Inzwischen ist es Sitz der Verwaltung, der Stadtbibliothek und des Archivs

„Das Postwesen entwickelte sich zu der damaligen Zeit rasant“, sagt Frank Biederstaedt, Leiter des Stadtarchivs und der Stadtbibliothek. Jahrelang kümmerte sich ein Postbote von Sagard aus um die Zustellung von Briefen, Karten und Paketen für die Bewohner von Sassnitz, Crampas und Lancken. Mit der Entwicklung des Fremdenverkehrs reichte das nicht mehr aus. Für die Saison 1867, die damals noch Badezeit hieß, richtete die Post im Hause des Ortsschulzen Rogge am Alten Markt eine so genannte Postexpedition ein. Heute würde so etwas Poststelle oder -agentur heißen. Aus der wurde später ganz offiziell ein Postamt, das sogar eine Zweigstelle bekam – natürlich im benachbarten Crampas. Die wurde 1897 aufgelöst, wenige Wochen vor der Eröffnung des neuen, großen Postamtes.

Mit dessen Bau hatte man den Maurermeister Galitz beauftragt. Den Grund dafür kennen die Stadtarchivare Frank Biederstaedt und Birgit Garbuzinski aus den überlieferten Unterlagen ganz genau: „Am 1.

Mai 1897 wurde die Postdampferverbindung zwischen Sassnitz und Trelleborg eröffnet.“ Nur einen Monat später, also am 1. Juni 1897, empfing das Kaiserliche Postamt seine ersten Kunden.

Im Sassnitzer Gebäude gab es neben den Dienstwohnungen im Obergeschoss insgesamt zehn Diensträume mit einer Gesamtfläche von 276 Quadratmetern, einen großen Posthof und einen Garten. Dennoch reichte der Platz schon bald nicht mehr aus. Die Seepostverbindung nach Schweden entwickelte sich offenbar noch besser als gedacht, begründet das Frank Biederstaedt und verweist auf Nachforschungen der Sassnitzer Hobbygemeinschaft Philatelie. Deren Mitglieder Hans-Dietmar Hoffmüller und Helmut Nitkowski haben herausgefunden, dass 1902 täglich im Durchschnitt mehr als 500 Postsendungen im Auslandsteil des Postamtes Sassnitz bearbeitet und befördert wurden. „Nach Schweden gingen 143467 Karten und Briefe sowie fast 13000 Pakete“, so Hoffmüller. Aus dem skandinavischen Königreich kamen rund 13000 Wertpakete und 1800 gewöhnliche Postsendungen über die Ostsee nach Sassnitz.

Mit dem Beginn des Eisenbahnfährverkehrs war die Situation für das Postamt eine ganz andere. Die Waggons mit den Sendungen konnten direkt auf die Schiffe beziehungsweise herunter rollen. Aus diesem Grunde entschied man sich seinerzeit zum Bau eines zweiten Gebäudes im Hafen. Im späteren Hafenbahnhof wurde bis 1947 die Brief- und Paketpost von und nach Skandinavien bearbeitet.

Stand das Postgebäude dann leer? Frank Biederstaedt winkt ab. „Die Entwicklung im Postwesen ging ja weiter.“ Neue Aufgaben und moderne Technik kamen dazu. Für die Telegraphie und die Fernsprechvermittlung wurde immer mehr Platz benötigt, Autos wurden zum Transport der Postsendungen angeschafft und der Umfang des Auslandspostverkehr wuchs durch die rege Tätigkeit von vier einheimischen Speditionen. „Die Fläche zwischen Posthaus und Stall überbaute man um 1937 und schuf so Platz. Einen Teil dieser dabei entstandenen Räume nutzen wir noch heute für das Archiv und Teile der Stadtbibliothek.“

Die Sassnitzer Post an der heutigen Hauptstraße hatte jahrelang viele Filialen. Zweigpostämter gab es vor dem Zweiten Weltkrieg in Dwasieden und Lancken, nach dem Krieg wurden Poststellen in einem Wohnhaus in der damaligen Leninstraße und 1978 im Haus der Dienste eingerichtet. Mit der Eröffnung letzterer stellte die Poststelle in Lancken ihren Dienst ein. Das Schicksal ereilte im Oktober 1999 das altehrwürdige Hauptpostamt und sämtliche Sassnitzer Filialen. Übrig geblieben ist nur die Postagentur in der Rügen-Galerie.

An die Geschichte der Post will die Hafenstadt auch im Jahr ihres 60. Stadtgeburtstags erinnern. „Anlässlich der vielen Jubiläen, die wir in Sassnitz 2017 begehen, blieb wenig Zeit zur Vorbereitung spezieller Veranstaltungen zur Postgeschichte“, sagt Frank Biederstaedt. Vergessen wird dieser Teil der Historie von Sassnitz und Crampas dennoch nicht. Mit Unterstützung des Stadtarchivs hat die Hobbygemeinschaft Philatelie der Stadt Sassnitz eine Präsentation erarbeitet, die nach Pfingsten öffentlich gezeigt werden soll – natürlich im ehemaligen Postamt. In dessen Schaufenstern bekommen die Passanten ab nächster Woche auf mehreren Schautafeln Einblicke in die Sassnitzer Postgeschichte.

Viele Poststellen

Am 1. Juni des Jahres 1897 öffneten sich die Türen des gerade fertiggestellten Postamts an der Exzellenz-Kirchhoff-Straße in Sassnitz, der heutigen Hauptstraße.

Die Postgeschichte der späteren Hafenstadt begann vor knapp 150 Jahren, als am Markt eine so genannte Postexpedition für die Saison eingerichtet wurde.

Nach dem 2. Weltkrieg gab es mehrere Poststellen in Sassnitz: Postamt 2 in der heutigen Stralsunder Straße 28 (1952 bis 1994), Postamt 3 im Haus der Dienste (1980 bis 1999) und das Postamt 4 bei der Volksmarine im Hafen (1950 bis 1994)

Maik Trettin

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