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Hilf mir, es selbst zu tun

Hilf mir, es selbst zu tun

Bergen Der kleine Jonny legt konzentriert kleine Kärtchen mit den Zahlen von eins bis zehn aus. Er sortiert sie in ihrer Reihenfolge, dann legt er die jeweilige Anzahl kleiner Holzchips dazu.

Bergen Der kleine Jonny legt konzentriert kleine Kärtchen mit den Zahlen von eins bis zehn aus. Er sortiert sie in ihrer Reihenfolge, dann legt er die jeweilige Anzahl kleiner Holzchips dazu. Als er bei der Zehn angekommen ist, runzelt er verwirrt die Stirn: Es fehlt ein Chip. Jonny blickt hilfesuchend zur Erzieherin. Doch Montessori-Fachkraft Ramona Lerch sagt nur: „Dann zähl am besten noch mal nach.“ Das tut Jonny — und stutzt bei der Acht.

Zwei mal zählt er durch, dann hat er den Fehler: Hier liegen neun Chips. Strahlend räumt er den neunten Chip zur Zehn. Jetzt stimmt es. Petra Jastrow lächelt. Die Leiterin der Kita freut sich: „Genau das ist der Ansatz von Maria Montessori: Hilf mir, es selbst zu tun. Das ist manchmal gar nicht so leicht auszuhalten, man möchte ja gern helfen.“ Aber hier, im Kindergarten Kunterbunt in Bergen , ziehen Erzieher und Eltern an einem Strang. „Natürlich muss man den Eltern manchmal erklären, warum die Hose jetzt linksrum angezogen worden ist — und das Kind trotzdem stolz sein kann. Es hat es nämlich ganz allein geschafft.“

Nicht nur in den Montessori-Gruppen des Kindergartens gilt dieser Grundsatz. Doch hier sind auch die speziellen Montessori-Arbeitsmaterialien vorhanden, die die Kinder anleiten sollen, die Welt selbst zu entdecken und so wie Jonny mathematische Zusammenhänge spielend zu verstehen. Doch vor allem geht es um die Bewältigung des Alltags: Die Kinder dürfen Äpfel schneiden, Kerzen anzünden, sie decken selbst den Tisch. Damit ist heute die zweijährige Jenny dran. Vorsichtig balanciert sie die Suppenschüssel vom Essenswagen zum Tisch, ganz ohne zu kleckern. Erzieherin Beate Wolt hilft nur verbal. „Wir haben sieben Kollegen, die ein spezielles Montessori-Diplom haben, zwei weitere sind gerade in der Ausbildung“, erklärt Kitaleiterin Jastrow.

Doch nicht nur Montessori ist Schwerpunkt der Einrichtung, die 183 Kinder in elf Gruppen betreut. Fünf davon sind Integrationsgruppen, in denen Kinder mit Benachteiligung und gesunde Kinder gemeinsam aufwachsen. „Besonders ist auch unsere Kreativwelt. Hier bieten die Kollegen den Kindern künstlerische Aktionen an, vom Basteln über Theaterspielen und Kinderyoga ist alles dabei“, erläutert Jastrow.

„Manche Eltern legen großen Wert darauf, genau in diese Gruppe zu kommen. Beliebt ist auch die Naturwelt, hier haben die Kinder jede Woche bei Wind und Wetter einen Waldtag.“ Dafür wird vorgekocht und gebacken, das Essen nehmen die Kinder mit und erwärmen es sich auf einem Gaskocher. In der Naturfrösche-Gruppe riecht es schon nach dem Buttermilchbrot, das gerade im Ofen ist. Teo hat es mit gerührt und freut sich schon darauf, es morgen im Wald zu essen. „Das ist immer so lecker“, sagt er.

Mit seinen fünf Jahren gehört Teo auch zu den Kindern, an die sich das Projekt „Frühe Chancen“ der Bundesregierung richtet. „Soweit ich weiß, sind wir die einzige Kita auf Rügen, die an diesem Sprach-Projekt für Drei- bis Sechsjährige teilnimmt.“ Um allen Kindern die gleichen Chancen zu erschließen, wird hier in Zusammenarbeit mit Fachpädagogen Sprachbildung im Alltag gefördert. Petra Jastrow ist froh über die Unterstützung: „Wir wachsen immer weiter und suchen händeringend gute Erzieher. Wer also Lust hat, sich jeden Tag aufs Neue überraschen zu lassen, ist bei uns genau richtig“, lacht sie.

Familienkrippe bietet ersten Nestraum Der Kindergarten Kunterbunt hat einen Kooperationspartner: Die Familienkrippe Bergen bietet 42 Babys und Kleinkindern einen ersten Nestraum. „Später begleiten wir die Kinder bei der Eingewöhnung in die Kita Kunterbunt“, erklärt Krippenleiterin Elke Ellwitz. Ein Schwerpunkt der Familienkrippe liegt auf der musikalischen und ästhetischen Bildung. Auch die Eltern machen mit: „Bei unseren Eltern-Kind-Angeboten können die Kinder gemeinsam mit den Eltern ausprobieren, wie sich zum Beispiel Farben auf verschiedenen Materialien verhalten, oder wie man sie mit einem Schwamm, einer Walze oder einem Pinsel aufträgt“, sagt Ellwitz, die auch gern mal ungewöhnliche Projekte auf den Weg bringt: „Die Eltern haben die Kinder auch schon mal mit Joghurt angemalt. Das war ein Riesenspaß für alle“, erinnert sie sich. Auch die Musik spielt in der Familienkrippe eine große Rolle, so Ellwitz. „Mit Musik kriege ich die Kinder immer. Darüber schließen wir sie auf und sie machen gern mit.“

Schon vor demFrühstück in die Bewegunsgsräume

Auch in der Integrativen Bewegungskindertagesstätte Auenwirbel in Sagard sausen 160 Kinder herum. In neun Gruppen können sie sich hier richtig austoben. „Wir führen hier ein 'bewegtes Leben'. Die Kinder können schon vor dem Frühstück die Bewegungsräume und Flure mit den jeweiligen Angeboten nutzen“, erklärt Dagmar Knappe. Die Leiterin der Kita macht sich auch sonst für ein gesundes Leben stark: „An unseren Bewegungsnachmittagen mit den Eltern versuchen wir, auch die Ernährung zu berücksichtigen. Neulich haben wir ein gesundes Geburtstagsbuffet für die Kinder vorgeschlagen. Die Eltern haben eine Gurkeneisenbahn gebaut, das war toll“, lacht sie. Die Kita zeigt Kindern und Eltern immer wieder, dass es keine große Organisation oder viel Geld braucht, um lustige Bewegungsspiele zu spielen: „Da reicht ein Schuhkarton oder ein paar Spülschwämme und schon geht es los“, freut sich Dagmar Knappe.

Von Gaia Born

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