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Rügen Hospizbegleiter sollen Ruhe mitbringen
Vorpommern Rügen Hospizbegleiter sollen Ruhe mitbringen
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14:31 07.11.2018
Frauke Heinbach (v. l.) und Anke Rosenau (r.) vom Förderverein für Hospizdienste Rügen besprechen mit Gudrun Friese die nächsten Einsätze. Quelle: Mathias Otto
Bergen

 Einige sind weggezogen, andere hören mit dieser wertvollen Tätigkeit auf. Deshalb sucht der Förderverein für Hospizdienste Rügen als Nachfolger interessierte Rüganer, die sich zum „Ehrenamtlichen Hospizbegleiter“ schulen lassen wollen. „Unsere Aufgabe ist es, dass Angehörige gestärkt aus einer emotional schwierigen Situation gelangen sollen. Sie berichten uns, dass sie froh waren, dass sie einen unserer Leute an ihrer Seite hatten“, sagt Koordinatorin Anke Rosenau. Für sie ist es wichtig, dass gerade Menschen in der letzten Lebensphase Nähe, Geborgenheit und die Gewissheit brauchen, nicht allein zu sein.

Großes Netzwerk

Mitglieder vom Förderverein für Hospizdienste Rügen und Ehrenamtliche begleiten schwer erkrankte und sterbende Menschen in ihrem gewohnten Umfeld. Weiterhin unterstützen sie Angehörige und Freunde in der Zeit des Abschieds und verschaffen ihnen Zeit für sich selbst. „Unser Angebot beinhaltet keine Krankenpflege, doch wir vermitteln bei Bedarf kompetente Dienste und Fachberatungen“, sagt Frauke Heinbach vom Verein.

Der Förderverein arbeitet im Netzwerk mit Ärzten, Pflegediensten und Heimen, der Palliativambulanz Stralsund-Rügen, Physiotherapeuten, Seelsorgern und den Kinderhospizdiensten in Mecklenburg-Vorpommern.

Derzeit sind 28 Hospizbegleiter auf Rügen unterwegs. Doch die Insel ist groß, deshalb reicht dies bei Weitem nicht aus. In einem Kurs, der 100 Stunden umfasst und an sieben Wochenenden ab Januar stattfindet, sollen die Interessierten für diese Aufgabe fit gemacht werden. Was kann man geben, wenn ein langes Leben zu Ende geht? Wo kann man unterstützen, wenn schwere Krankheit Alltag wird? Wie fängt man Kinder auf, deren Eltern Fürsorge brauchen? Diese und weitere Fragen sollen in dieser Schulung beantwortet werden. Auch, was man selbst mitbringen muss, um Sterbenden, sei es in den eigenen vier Wänden oder in einer stationären Einrichtung, ihre Würde zu erhalten, ihre Wünsche zu erfüllen und ihren Lebensabend bunt zu gestalten.

Medizinische Kenntnisse sind nicht notwendig

Biografiearbeit, Sprache der Sterbenden, Kommunikation, Selbstfürsorge, Trauer: Koordinatorin Frauke Heinbach wirft die Begriffe in den Raum, auf die es bei der Arbeit ankommt. Auch ein zehnstündiges Praktikum im Hospiz-Bereich des Krankenhauses gehört dazu. „Für die Arbeit als Ehrenamtlicher ist es nicht entscheidend, ob derjenige aus einem Pflegeberuf kommt. Medizinische Kenntnisse sind also nicht notwendig“, sagt Anke Rosenau. Angesprochene sollten aus der Mitte der Gesellschaft kommen, die „zu allererst Zeit und Ruhe im Gepäck haben“. Dabei greift sie auf die Aussage von Cicely Saunders zurück, dass es nicht darum gehe, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben. Die englische Krankenschwester gilt als Begründerin der modernen Hospizbewegung. „Diesem einfachen Satz gilt es nachzuspüren. Es steckt darin ein markant formulierter Auftrag, der es in sich hat – dem Tag mehr Leben geben“, so Frauke Heinbach. Die Koordinatoren des ambulanten Hospizdienstes nehmen die Anmeldungen unter der Rufnummer 03838/39 19 30 oder per E-Mail unter info@hospizdienst-ruegen.de entgegen.

Die Mitglieder und Ehrenamtlichen von Förderverein treten auf der Insel dann in Erscheinung, wenn ihre Hilfe gewünscht ist. „Unsere Aufgabe ist es, den Angehörigen die Endlichkeit ins Bewusstsein zu bringen. Endlichkeit zu erkennen, schließt das Leben nicht aus. Endlichkeit drängt uns geradezu heute bewusst zu leben“, meint Frauke Heinbach.

Gemeinsame Unternehmungen

Wie es ist, als Ehrenamtlicher für den Hospizdienst zu arbeiten, erklärt Gudrun Friese. Sie übt diese Tätigkeit seit fast zehn Jahren aus. „Ich bin früh in Rente gegangen und habe mich danach dem Förderverein angeschlossen. Schnell habe ich gemerkt, dass ich dieser Aufgabe gewachsen bin“, sagt sie. Wie Anke Rosenau und Frauke Heinbach berichten, trägt die ehemalige Zahntechnikerin mit ihrer lockeren Art dazu bei, dass sie Angehörigen die Aufgeregtheit in vielen emotionalen Situation nehmen kann. „Ich wirke entkrampfend“, ergänzt Gudrun Friese.

Es gehe beim mobilen Hospizdienst darum, dem Patienten ein bisschen Zeit zu schenken. „Dazu gehört auch, den Alltag, wie er früher einmal war, wiederzubeleben. Viele Leute sind schon froh, wenn sie nicht alleine sind und sich jemand im Haus befindet. Auch ein gemeinsames Einkaufen kann dazu beitragen, dass sich dieser Mensch in diesem Moment glücklich fühlt“, berichtet Anke Rosenau. Die Koordinatorin berichtet von einem Mann, der nur wenige Tage vor seinem Ableben zu seinen Geburtsort gefahren wurde. Hier habe er beispielsweise große, kräftige Bäume entdeckt, die er als Kind gepflanzt habe. „Er traf zudem Wegbegleiter aus vergangener Zeit und redete mit ihnen. Dieser Ausflug hatte dem Mann sehr viel bedeutet.“

Immer wieder macht der Förderverein für Hospizdienste Rügen auf seine Arbeit aufmerksam. In diesem Jahr hat er beispielsweise seinen achten Bücherbasar veranstaltet. 250 Kartons mit 7000 Büchern, Schallplatten, CDs und DVDs wurden von den Rüganern für den Bücherbasar gespendet. Mit dem Erlös von 3000 Euro war der Förderverein sehr zufrieden. Das Geld wurde in die Hospizarbeit gesteckt. Unter anderem wurde für das stationäre Hospiz im Sana-Krankenhaus Rügen ein neuer Sonnenschirm sowie neues Geschirr angeschafft.

Mathias Otto

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