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Hügel-Friedhof dem Vergessen entrissen

Neuenkirchen Hügel-Friedhof dem Vergessen entrissen

Plakate sollen auf das historische Areal aufmerksam machen / Grabsteine „erzählen“ Familiengeschichten

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Das Plakat von Elisabeth Lassen soll für den historischen Friedhof werben.

Quelle: Jens-Uwe Berndt

Neuenkirchen. Die Kulisse ist malerisch: Ob Romantiker, ob auf der Suche nach wohligem Grusel oder einfach nur aus historischem Interesse – der alte Friedhof in Neuenkirchen hat Einiges zu bieten. Und Plakate, die unter anderem auch in den Tourist-Informationen der Insel aufgehängt werden könnten, sollen ab sofort auf diese „Schatzkammer“ der ganz besonderen Art hinweisen.

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Plakate sollen auf das historische Areal aufmerksam machen / Grabsteine „erzählen“ Familiengeschichten

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Der Steinmetz ließ Kultur- geschichte lebendig werden.“

Pastor Martin Holz

Elisabeth Lassen (62) spielt bei der Wiederentdeckung des ungewöhnlichen Gräberfeldes am Berg vor dem Gotteshaus in Neuenkirchen eine wichtige Rolle. „Der Friedhof war total zugewachsen“, erinnert sich die Hobby-Fotografin, die zur Frauen-Service-Organisation „Inner Wheel“gehört. Zusammen mit den Rotariern, der Gemeinde und der Kirchengemeinde Neuenkirchen sei die Idee entstanden, die Fläche von Gehölzen und Gestrüpp zu befreien. „Es war aufregend, die alten Grabsteine ans Tageslicht zu bringen“, sagt Lassen. „Wir haben dort wahre Schätze entdeckt.“ Es seien nicht nur die unterschiedlichen Formen der Steine gewesen, die beeindruckten. Vor allem die Aufschriften und Symbole gewährten einen tiefen Einblick in den Umgang der Menschen mit dem Tod und dem Glauben an Gott.

Engelsgesichter, ein Schmetterling, das „Auge Gottes“, ein Boot – die Bezüge zu Religion und Wirklichkeit sind allgegenwärtig. Bestattet wurden an der Kirche neben Gutsleuten auch Handwerker und Kaufleute, Bauern, Landarbeiter, Seefahrer und Schutenschiffer, Fischer und Fährleute – sie alle lebten in Neuenkirchen ...

Kürzlich wurden Grabsteine wiedererrichtet, deren Sockel bereits zusammengefallen waren. „Der Bergener Steinmetz Christian Krüger und sein Mitarbeiter Jochen Tänzer ließen sich von der Begeisterung bei der Wiederentdeckung des historischen Friedhofareals anstecken und sponserten die fachgerechte Neuaufstellung von drei umgestürzten Grabsteinen“, erzählt Pastor Martin Holz. „Begonnen hatte die Aktion, als im vergangenen Jahr unter Leitung von Nis und Elisabeth Lassen viele Grabsteine freigelegt wurden. Uralte Familiengeschichten wurden dem Vergessen entrissen.“ In einer Zeit, in der Namen nur noch Schall und Rauch seien, habe der Steinmetz nicht nur seinem jahrhundertealten Handwerk alle Ehre gemacht, sondern Rügener Kulturgeschichte lebendig werden lassen und ein Zeichen für die Friedhofskultur gesetzt.

Pastor Holz verweist in diesem Zusammenhang auf einen Ratgeber von 1907 mit dem Titel „Das Glück auf dem Lande. Ein Wegweiser, wie der kleine Mann auf einen grünen Zweig kommt“ – geschrieben von Heinrich Sonrey und Ernst Löber.

Die Broschüre war damals vom Landratsamt an alle Pastoren verschickt worden und gelangte so auch nach Neuenkirchen. In dem Ratgeber heißt es unter anderem: „Durch den Friedhof wird mancher, der in die Stadt verzog, allein noch an das Dorf gebunden. Tausend Fäden verknüpfen so Stadt und Land. Wenn einer aus der Stadt als Besuch in der alten Heimat einkehrt, der geht auch auf den Friedhof. Seht zu, dass er nicht durch verkommene Gräber abgestoßen werde, sondern sorgt, dass durch die Pflege der Ruhestatt eurer Toten das Heimatgefühl der Lebenden geweckt werde und erstarke.“

Gemäß diesem Credo will Elisabeth Lassen am Ball bleiben. „Es ist wichtig, dass wir die Pflege des Friedhofs weiterbetreiben“, sagt sie. Dazu braucht es Unterstützer und Idealismus. Mit ihren Plakaten, die derzeit noch in einer recht geringen Stückzahl gedruckt wurden, hofft sie, auf den besonderen Friedhof am Hang aufmerksam machen zu können. Vielleicht könnte er sogar zu einem touristischen Anlaufpunkt werden. Für Romantiker, Horror-Fans und Geschichtsbegeisterte ...

Jens-Uwe Berndt

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