Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rügen Humorige Literatur-Schau in Vaschvitz
Vorpommern Rügen Humorige Literatur-Schau in Vaschvitz
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:00 04.12.2018
„Der große Büchermorgen“ in Vaschvitz: Die Gingster Buchhändlerin Petra Dittrich mit Denis Scheck (links) und Rainer Moritz. Quelle: Lena Roosen
Vaschvitz

Weihnachtszeit ist Geschenke-Zeit und wer noch keine Bücherideen für den Gabentisch hatte, wurde in der Kunstscheune Vaschvitz fündig. Ein Geschenk der jetzt erst mit dem Kulturförderpreis Rügen ausgezeichneten Gingster Buchhändlerin Petra Dittrich! Sie lud zu „Der große Büchermorgen“, umrahmt von festlicher Musik, Glühwein und Schnittchen und vor allem von den Helden der Literatur, Denis Scheck und Rainer Moritz, beide prominent als Kritiker und Moderatoren von Buchsendungen. Die beiden Bücher-Versteher gaben ihre ganz persönlichen Buchtipps zum Fest, eine Mischung aus Leichtem, Historischem, Spannendem und Lyrischem.

Das Schönste der zweieinhalb kurzweiligen Stunden: Auf der kleinen Bühne saßen zwei echte Humoristen, die sich die Bälle nur so zuspielten, im witzigen Dialog miteinander und durchaus auch gegeneinander. Denis Scheck, bekannt durch seine TV-Sendung „Druckfrisch“ oblag der Anfang und er stellte erst mal klar, dass Ähnlichkeiten der Bücherstunde mit Heizdecken-Verkaufsveranstaltungen nicht gewollt seien, auch wenn die besprochenen Bücher aus dem Sortiment des Gingster Buchladens natürlich zum Verkauf auslagen. Sehr praktisch für die rund 100 Gäste in der Scheune, denn es ist wahrlich nicht leicht, im Dschungel von etwa 90 000 Neuerscheinungen im Jahr, alleine in Deutschland, das Passende zu finden. „Nicht alle sind empfehlenswert, schon gar nicht die auf den Bestsellerlisten“, witzelte Scheck. Ausnahmen bestätigten natürlich die Regel. Er machte sich stark für den jüngsten Roman des US-Autors Philip Roth, „Mein Leben als Sohn“, die Diagnose einer Vater-Sohn-Beziehung nach dem plötzlichen Tod des Vaters. Der kürzlich erst verstorbene Roth wäre für Scheck der ideale Literatur-Nobelpreisträger 2018 gewesen, wenn diese Auszeichnung in diesem Jahr wegen zahlreicher Skandale nicht ausgefallen wäre. Der NDR-Literat Rainer Moritz hingegen greift zunächst nach sehr Bekanntem, dem Erfinder der immerhin 75 Maigret-Romane, Georges Simenon, der mit „Das blaue Zimmer“ im Kampa-Verlag wieder neu auflebt und in diesem Fall eine komplizierte, typisch französische, psychologisch äußerst delikate Liebesgeschichte präsentiert.

Besonders gelungen war die Veranstaltung auch wegen der immer wieder eingestreuten Anekdoten. Der über Hitchcock beispielsweise, der den Viel- und Schnellschreiber Simenon telefonisch erreichen wollte und zu dessen Sekretär sagte, „Ich warte“, als dieser ihm mitteilte, Simenon habe gerade mit einem neuen Roman begonnen. „Leutnant Burda“ des österreichischen Schriftstellers Ferdinand von Saar wurde empfohlen, eine, obwohl 1887 erschienen, hochaktuelle Novelle über Realitätsverlust und Selbstüberschätzung, die im, heute würde man sagen, Stalking endet. „Launen der Zeit“ der amerikanischen Autorin Anne Tyler, eine wunderbar-tragische, dennoch Mut machende Familien- und Frauengeschichte, „Tyll“, der jüngste Roman von Daniel Kehlmann, der Historisches unglaublich gekonnt in Aktualität übersetzt und Fiktives spielerisch mit Realem vermischt. Schließlich: „Der Spaß an der Sache“ des sprachgewaltigen David Foster Wallace, ein sehr dickes Buch mit vielerlei Essays, unter anderem über eine Kreuzfahrt mit 3500 Amerikanern an Bord. Titel: „Schrecklich amüsant, aber in Zukunft ohne mich“. Last not least empfahlen die beiden Kenner die neuen Romane der bekannten Autoren Hans Josef Orteil, „Die Mittelmeerreise“ und Karen Duve, „Fräulein Nettes kurzer Sommer“.

Wie sagte Scheck so treffend? Gute Literatur sei immer ein Medium für Fragen, nicht für Antworten. Solche Einschätzungen waren es, die die Zuhörer an diesem Vormittag faszinierten und natürlich der Sprachwitz der beiden. Ende gut, alles gut – Rainer Moritz gelang es großartig, mit einem Gedicht aus dem Band „Vom Knödel wollen wir singen“ (Herausgeber Christian Maintz) einen letzten Schwung in die Kunstscheune zu bringen: Halb lallend, halb stöhnend, fast röchelnd, trug er „Der Wein war ein Gedicht“ vor - großes Gelächter, stürmischer Beifall. Schauspielerische Talente sind die beiden Moderatoren beide, deshalb gibt es jetzt schon echte Vorfreude auf 2019, auf das nächste Stelldichein von Denis Scheck und Rainer Moritz bei Petra Dittrich.

Lena Roosen

Eine 80-Jährige aus Samtens übergab Zehntausende an eine angebliche Enkelin, weil die sich eine Eigentumswohnung kaufen wolle. Der Betrug flog erst nach der Übergabe des Geldes auf.

03.12.2018

Trauer auf Rügen: Auch zwei Tage nach dem tödlichen Unfall zwischen Ralswiek und Lietzow sieht man die Spuren neben der Fahrbahn im Gras. Warum es zu diesem Unfall kommen konnte, ist noch unklar.

03.12.2018

Am Wochenende ist auf Rügen ein Mann bei einem Verkehrsunfall gestorben, drei weitere im Alter von 17, 23 und 31 Jahren wurden verletzt. Die Dekra prüft derzeit, wie es zu diesem Unfall kommen konnte. An der Stelle gibt es regelmäßig Unglücke.

03.12.2018