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Rügen Ihr Traum: Trauungen unter Wasser
Vorpommern Rügen Ihr Traum: Trauungen unter Wasser
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05:00 30.08.2018
Tauchgondel-Mitarbeiter (v.l.) Thomas Bent, Burkhard Krüger und Arne Ganschow. Zum Team gehört auch Jochen Hagemann. Quelle: Herold Gerit
Sellin

Ein richtige Trauung unter Wasser, ja, das wäre schon was. Burkhard Krügers Augen leuchten. Doch bisher waren seine Bemühungen, dass die Selliner Tauchgondel Außenstelle des Standesamtes Mönchgut-Granitz wird, ohne Erfolg. Aber immerhin: Vor ein paar Jahren hatte ein Urlauber während einer Tauchfahrt zum Meeresgrund seiner Liebsten einen Antrag gemacht, erzählt der Betriebsleiter. Und damit nicht genug: Brautpaare und ganze Hochzeitsgesellschaften seien schon einige mitgefahren, die direkt von der Eheschließung auf der Seebrücke kamen. Und vor kurzem war ein Fernsehteam hier, das für eine Sendung ein Hochzeitspaar beim Tauchgang filmte.

Genau vor zehn Jahren ging die Tauchgondel am Kopf der 394 Meter langen Seebrücke in Betrieb. Burkhard Krüger ist von Anfang an dabei. Wie oft er selbst abgetaucht ist, hat er nicht mitgezählt, aber imposante Zahlen parat: 250 000 Mal ist der Unterwasserfahrstuhl bereits in der Ostsee verschwunden und hat 480 000 Personen befördert. Dabei wurde eine Strecke von 450 Kilometern zurückgelegt. 11 250 Stunden war die an Jule Vernes „Nautilus“ erinnernde Konstruktion unter Wasser also 468 Tage.

Vier solcher Gondeln gibt es an der deutschen Ostseeküste. Im Juni 2006 ging die weltweit erste Tauchgondel an der Seebrücke in Zinnowitz auf der Insel Usedom an den Start. Es folgten die in Sellin und Grömitz in Schleswig-Holstein. Vor fünf Jahren kam ein weiteres Modell in Zingst dazu.„Wir sind die besten“, sagen Burkhard Krüger und seine Kollegen Thomas Bent und Arne Ganschow im Chor und schmunzeln. Zum Team gehört auch noch Jochen Hagemann. Pro Tauchgang begleiten zwei Mitarbeiter die Gäste. 30 Personen finden an Bord Platz. Eine Tauchfahrt dauert etwa 45 Minuten.

Ob und was es zu sehen gibt, hängt ganz vom Wetter und von der Jahreszeit ab. Nicht so hohe Wellen und Westwind seien optimal. Dann kann man einiges durch die sechs Zentimeter dicken Scheiben der Bullaugen entdecken: kleine Heringsschwärme, tauchende Kormorane, Kegelrobben, Quallen, Seehase, Ostseeschnäpel. Besonders die Flundern, die sich perfekt auf dem Meeresgrund tarnen, seien immer spannend zu beobachten. In diesem Sommer gab es wieder etwas Neues zu sehen: „Es war das erste Mal, dass der Barsch hier war“, sagt Thomas Bent.

Zu irgendwelchen Problemen sei es in der Zeit des Bestehens der Tauchgondel nicht gekommen, kann Betriebsleiter Burkhard Krüger informieren. Die Tauchgondel werde regelmäßig technisch überprüft, es gibt zwei TÜV-Abnahmen im Jahr. Der Innenraum ist auch während des Tauchganges über den Notausstieg dauerhaft direkt mit der Atmosphäre verbunden. In der Folge verändert sich der Druck auch während des Abtauchens nicht. Seekrank könne also kein Fahrgast werden. In einem Notfall würde ein magnetisches Bremssystem automatisch aktiviert, um die Gondel vor einem Absturz zu sichern.

Auf Tauchstation befindet sich das Deck des Besucherraumes viereinhalb Meter unter der Wasseroberfläche und damit etwa einen Meter über dem Meeresboden. Wer Platzangst bekommt, auf den wird beruhigend eingeredet. Oft helfe schon ein Glas Wasser, damit der Magen beschäftigt ist. Nach dem 3-D-Film über die Lebewesen der Ostsee erfahren die Besucher etwas über die Unterwasserwelt. Bis zu 16 Mal am Tag im Sommer bis 21 Uhr werden die Schotten zum Tauchgang geschlossen. Im Winter gehen die Fahrten bis 16 Uhr. Nur bei Sturm aus Nordost und Windstärke fünf bis sechs sowie Eis fährt taucht die Gondel nicht.

Neben Urlaubern werden auch Insulaner an Bord begrüßt. Vor allem die Mädchen und Jungen aus Schulklassen sowie Kindertagesstätten nutzen die Tauchfahrt für so manche eine unterhaltsame Unterrichtsstunde.

Herold Gerit

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