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Ihre Herzen schlagen für alte Höfe

Götemitz Ihre Herzen schlagen für alte Höfe

Drei Generationen der Familie Jeske wohnen und arbeiten seit Jahrzehnten im Dorf

Götemitz. Mehr als zehn Prozent der Häuser von Götemitz bewohnen Mitglieder der Familie Jeske — und das kam so: Die 1927 in Leipzig geborene Barbara Jeske zog mit Anfang 20 nach Sehrow, um in der Landwirtschaft ihres Onkels zu arbeiten. Ihren aus dem hinterpommerschen Greifenberg stammenden Mann lernte sie dort kennen, nachdem der aus russischer Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt war und den Aufenthalt seiner Mutter ermittelt hatte. Drei Jahre später traute sich das Paar dann, vor Pastor Prophet zu treten. 1956 übernahmen die Eheleute in Götemitz den Hof eines Erstsiedlers, wie die Bauern aus dem westlichen Landesteil genannt wurden, die um 1934 die pommersche Landwirtschaft in Schwung bringen sollten. Aus der Verbindung entstanden die drei Söhne Georg, Werner und Harald, die alle noch heute im Dorf leben, das eigentlich eher eine sternförmige Anordnung von Höfen ist.

Werner übernahm nach der Wende einen der drei 1846 erbauten Drei-Seiten-Höfe aus dem Eigentum des Stralsunder Klosters St. Jürgen. Der bedächtige Landwirt und seine aus dem einen Steinwurf entfernt liegenden Sellenthin stammende, lebhafte Frau Bärbel, die zeitweise im Sassnitzer Fischwerk arbeitete, hatten sich Silvester 1981 auf einer Feier in der heutigen Pommernkate kennengelernt.

Gemeinsam mit den Söhnen Daniel (32) und Martin (29), welche die Mutterkühe und Schafe des Hofs betreuen, bauten Jeskes eine Scheune im originalen Fachwerkstil wieder auf und sanierten eine andere.

Das hübsche Anwesen ergibt vor allem dann ein eindrucksvolles Bild, wenn der Pfau des Hofs sein Rad davor schlägt. Er und seine Henne sind die einzigen „Haustiere“ der Familie, einmal abgesehen von dem ausgestopften Otter, der aus dem Fenster der Stube guckt. „Den hat meine damalige Schwägerin überfahren auf der Straße gefunden", erinnert sich Werner Jeske.

Von den 300 Hektar, welche die Familie bewirtschaftet, fungieren noch immer 15 als Tagebau für die neue Bundesstraße, „obwohl die längst fertig ist“, sagt Werner Jeske vorwurfsvoll. „Wann die Deges das Erdreich abholt und das Land wieder urbar macht, weiß ich nicht.“

Werners großer Bruder Georg macht mit langem Bart und Stirnband äußerlich den Eindruck eines Paradiesvogels, ist aber ebenso bodenständig, wie der Rest der Familie. „Ich schaffte dank einer Gebietsreform sogar das Kunststück, von Rothenkirchen nach Götemitz zu ziehen, ohne das Haus zu verlassen“, schmunzelt er. Der Biologe arbeitete drei Jahre in der Pflanzenschutz-Forschung der Akademie der Landwirtschaftswissenschaften in Eberswalde, gründete eine Familie in Greifswald, mit der er aber alsbald den zweiten der Götemitzer Drei-Seiten-Höfe bezog, als er die Stelle bei einem Stralsunder Gemüsegroßhandel angenommen hatte. Er hat zwei Töchter: Debora (38) lehrt Psychologie an der Universität von Edinburgh und Anna, die sich offiziell ihren auf mehreren Reisen um den Globus wohl als Resultat eines Übersetzungsversuchs erworbenen Spitznamen Pineapple (Ananas) als zweiten Vornamen eintragen ließ, studierte Deutsch als Fremdsprache, Anglistik und Russistik, wofür sie eine lange, immer wieder unterbrochene Reise durch Russland bis nach Wladiwostok unternahm.

Heute ist Georg Jeske bei der Kirche angestellt, wo er für die Gebäude und Friedhofsgelände von Altefähr und Rambin sowie die dortigen Beerdigungen zuständig ist. Daneben ist er ein begeisterter Fotograf, der alles knipst, „was mir vor die Linse kommt“ und Vorsitzender des örtlichen Museums-Vereins. Der veranstaltet an jedem letzten Freitag im Monat (erstmals am 28. Mai) seine „Backofengespräche“ mit Referenten zu wechselnden Themen und am letzten Sonnabend im September den Erntedank- und Markttag. „Dann führen wir Handwerkstechniken vor, die sonst nirgendwo auf der Insel zu sehen sind“, sagt Georg Jeske stolz. Die Ausstellungsstücke vom Dreschkasten über den Mähbinder bis zur Kartoffel-Rumme stammen überwiegend vom Vater der schwerbehinderten Angelika Heruth, der sich als einziger der Vereinnahmung durch die örtliche LPG verweigert hatte.

Als Vereinsvorsitzender kennt Georg Jeske natürlich auch die Geschichte von der Entstehung der „Neun Berge“ durch die Unterirdischen, die Ernst Moritz Arndt erklärte. Zwei der Hügelgräber sind noch heute erhalten und vom 33 Meter hoch gelegenen geodätischen Punkt „kann ich von Hiddensee bis zur Zugspitze, also der Spitze vom Zug, der durch Rambin fährt, sehen“, lacht Jeske verschmitzt.

Harald, der jüngste Jeske-Bruder, lebt mit Partnerin Elke Neugebauer in einem der sechs Siedlerhäuser, in das 1934 die inzwischen verstorbene Tante Reinke gezogen war. Das Paar arbeitet am Aufbau des in der Nachbarschaft gelegenen „Lebensgut Frankenthal“. Aber das ist eine andere Geschichte.

Von Uwe Driest

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