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Rügen Im Urlaub Rettungsschwimmer
Vorpommern Rügen Im Urlaub Rettungsschwimmer
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00:01 12.07.2018
Das Boot ins Wasser zu bringen, gehört zu den ersten Aufgaben des Tages für das Team des Turmes vier, hier Tobias Uhing.

Die Urlaubstage für die Rettungsschwimmer beginnen früh. Um neun Uhr haben die Teams ihre Rettungstürme bezogen und die Flaggen gehisst. Auf Turm vier – der Hauptwache am Binzer Strand – legen sich Sören Harpel, Tobias Uhing, Sarah Fitz und Laura Scholz ihre Rettungsmittel zurecht. Gurtretter, Boje und Flossen vor der Tür signalisieren Einsatzbereitschaft. „Im Notfall muss man alles schnell greifen können“, sagt Wachleiter Sören Harpel.

Für die Sicherheit der Gäste verbringen hunderte Ehrenamtler ihre freien Tage an der Küste.

Das Wetter der letzten Tage verspricht aber eher ruhigere Stunden. Während die meisten Touristen ihren Strandausflug in wetterfesten Jacken bestreiten, sind nur die hartgesottenen Badegäste am frühen Morgen im Wasser zu beobachten. „Bei dem Wetter und mit diesem Schwimmstil erkennt man die Überzeugungstäter“, weiß der Wachleiter, der mit geübtem Blick von Turm vier auf das Wasser blickt.

Sechs Türme verteilen sich über die drei Kilometer Strand, die zu Binz gehören – zwei weitere Türme stehen am Strand von Prora. „Hier soll aber ausgebaut werden“, weiß Harpel. Schon im nächsten Jahr sollen in Binz ein weiterer Turm, in Prora gleich drei neue Türme den Strand ein Stück sicherer machen. Zum Glück gehen die meisten Anfragen an die Rettungsschwimmer glimpflich aus. „In den meisten Fällen suchen Eltern ihre Kinder, oder Kinder ihre Eltern. Auch das bekannte Pflasterkleben gehört zu den häufigsten Aufgaben“, so Sören Harpel.

Mit den Temperaturen steigt auch die Anzahl der Badegäste und damit die Gefahren. Erst in der letzten Woche wurde der Einsatz des Motorbootes notwendig. „Kinder im Schlauchboot trieben ab, der Vater versuchte hinterherzuschwimmen“, schildert der Wachleiter. Oftmals werden die Gefahren des offenen Gewässers unterschätzt, weiß Sören Harpel. Gerade bei auflandigem Wind kann die Unterströmung für Kinder und ungeübte Schwimmer eine Herausforderung werden. Die Beflaggung der DLRG-Türme gibt Hinweise. Während schon die gelbe Flagge auf Gefahren wie die der Strömung hinweist, sollte man spätestens bei „Rot“ auf das Badevergnügen verzichten. „Da können wir aber nur drauf hinweisen. Verbieten können wir es nicht“, sagt Harpel. Ähnlich verhält es sich mit den Hinweisen an Hundebesitzer, die ihre Vierbeiner nicht am eigens dafür ausgewiesenen Hunde-Strand spazieren führen.

18 Rettungsschwimmer sind am Binzer Strand täglich im Dienst. Die Ehrenamtler, die hier jeweils zwei Wochen lang im Einsatz sind, werden durch die unmittelbare Nähe dann auch mal zum Ersthelfer auf der Promenade oder in den angrenzenden Hotels. „Unsere Einsätze sind vielschichtig. Von Kreislaufproblemen bis zu Herzbeschwerden – alles was zu Hause passieren kann, kann auch hier eintreten“, erklärt Wachleiter Harpel.

An seiner Seite hat er mit Tobias Uhing einen echten Notarzt. „Ich bin seit meinem 13. Lebensjahr bei der DLRG, was vielleicht auch ein Entscheidungshelfer bei der Berufswahl war“, so der 33-jährige Augsburger. Wie bei Harpel und Uhing finden sich in den Jahren des Freiwilligendienstes Teams zusammen, die sich jährlich für einen gemeinsamen Einsatz absprechen. „Die zwei Wochen sind dann das maximal Leistbare, wenn man im Berufsleben steht“, sagt Tobias Uhing, der wie Harpel dafür Urlaubstage opfert.

Sarah Fitz, Studentin der Sportwissenschaften aus Leipzig, hat ihr Semester früher beendet und Schülerin Laura Scholz machte sich aus dem Westerwald auf den Weg ins Ostseebad. Sie alle sind hier für einen Obulus und eine Verpflegungspauschale im Einsatz. Untergebracht werden die aus ganz Deutschland anreisenden Rettungsschwimmer dann in Ferienwohnungen im IFA-Ferienpark, die sie sich mit den Kollegen teilen. 14 Tage lang neun Stunden auf dem Turm und auch die Stunden nach Feierabend werden miteinander verbracht. „Das arbeitet auch an den Sozialkompetenzen“, sagt der Wachleiter. 40000 Rettungsschwimmer leisten in Deutschland jährlich über drei Millionen Stunden ehrenamtlichen Einsatzes. Wirklich privater Urlaub muss dann warten. Nachdem sie sich am Samstag auf die stundenlange Rückfahrt begeben, beginnt am Montag für Uhing sein regulärer Dienst als Arzt, Harpel sitzt dann wieder im Steuerbüro.

Wenke Büssow-Krämer

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