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Rügen In Würde vom Leben Abschied nehmen
Vorpommern Rügen In Würde vom Leben Abschied nehmen
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00:00 16.06.2017
Selbstverständlich gibt es eine ganz natürliche Barriere bei jedem Menschen.Anke Rosenau, Koordinatorin Hospizdienst

Volker Dittberner zieht die Gardinen zurück, kontrolliert, ob im Bad alles hergerichtet ist und schüttelt das Bettzeug auf. Zufrieden sieht der Pfleger noch einmal in das Hospiz-Zimmer, das in den nächsten Stunden ein neuer Bewohner beziehen wird. In den vergangenen Monaten war Horst P. (Name geändert) abwechselnd im Krankenhaus und zu Hause im Bett. Er leidet an einer relativ seltenen, unheilbaren Krankheit. Horst P. wird in absehbarer Zeit sterben. Das weiß er ebenso wie seine Familie. Die letzten Meter seines Lebenswegs will er im Hospiz zurücklegen, hat er seinen Angehörigen beizeiten zu verstehen gegeben. Die Familie ist sich einig: „Wir wollen das vernünftig zu Ende bringen“, begründet seine Frau Helga (Name geändert) die Entscheidung für die Bergener Einrichtung.

Das Hospiz am Bergener Sana-Krankenhaus wurde vor 15 Jahren eröffnet und ist mittlerweile etabliert.

Die hat Horst P. in einem früheren Stadium seiner Krankheit noch selbst getroffen – obwohl er da schon nicht mehr sprechen konnte. Seine veränderte Sprechweise war der Familie zuerst aufgefallen, vor einem Jahr, als noch niemand wusste, was die Ursache dafür sein könnte. Zunehmend verständigte er sich schriftlich mit ihr, bis auch die Hände nicht mehr gehorchten. Mit einem Spezialgerät, das einem Tablet-Computer gleicht, tippte er die Worte ab sofort Buchstabe für Buchstabe ein. „Da möchte ich mal hin“, schrieb er eines Tages, nachdem beide etwas über das Bergener Hospiz gelesen hatten. Für Helga P. war der Tod ihres Mannes zu der Zeit noch gar kein Thema. Und wenn es einmal zu Ende ginge, wollte sie ihn bis zuletzt zu Hause pflegen. „Ich habe nichts gegen Pflegeheime“, versichert sie.

Aber das wenige Personal dort könne es gar nicht schaffen, sich um alle Leute fortwährend zu kümmern.

Helga P. gibt sich nach außen eher kämpferisch als zerbrechlich. Sie pflegt ihren Mann praktisch rund um die Uhr. Doch auf Dauer ist so etwas nicht zu leisten, weiß sie jetzt. Der Schlaf fehlt. Einen großen, kräftigen Menschen anzuziehen, ist Schwerstarbeit wie die gesamte Pflege. „Was die Menschen in den Pflegeberufen leisten, wird viel zu wenig gewürdigt“, sagt sie. Auch wenn Helga P. stark wirkt: Die Familie sieht, dass die Mutter bis an ihre Grenzen geht. „Ich konnte tagsüber ja nirgendwo hin. Ich konnte meinen Mann doch nicht allein lassen!“

Eines Tages, als Horst P. im Krankenhaus war, stand wie verabredet eine ehrenamtliche Hospizhelferin vor der Tür. Helga P. will sie erst abwimmeln, sagen, dass ihr Mann nicht da sei. „Ich komme nicht deswegen. Ich wollte jetzt mal gucken, wie es Ihnen geht“, erklärte die Dame der überraschten Rentnerin. Die war gerührt und musste sich erst einmal vieles von der Seele reden.

Als in einem Gespräch mit Pflegekräften und Ärzten die Rede auf das Hospiz kommt, ist Helga P. zunächst erschrocken. Auch, wenn sie weiß, dass ihrem Mann nicht viel Zeit bleibt: „Man will das nicht aussprechen und nicht wahrhaben.“ Wer hierher kommt, macht sich auf den letzten Weg. „Und da gibt es selbstverständlich eine ganz natürliche Barriere bei jedem Menschen“, weiß Anke Rosenau, die auf Rügen den ambulanten Hospizdienst koordiniert und engen Kontakt zum stationären Hospiz am Bergener Sana-Krankenhaus unterhält.

Seit 15 Jahren gibt es diese Einrichtung auf der Insel. Sie gehörte zu den ersten dieser Art im Land. Und die Skepsis war nicht nur auf Rügen groß, als das Haus am 17. Juni 2002 eröffnet wurde, weiß

Sigrid Möller. Die Leiterin des Hospizes ist von Anfang an dabei, genauso wie ihre Kollegen Sabine Imke, Heike Lenz und Enrico Freitag. Mittlerweile ist es für die meisten Rüganer selbstverständlich, dass es in Bergen eine Einrichtung gibt, in der Menschen sich würdevoll auf den Tod vorbereiten können. Sechs Plätze gibt es hier, und die Nachfrage ist mittlerweile hoch. Das hat auch Horst P.

erfahren, der mittlerweile im Bergener Hospiz wohnt.

„Es war die richtige Entscheidung“, sagt seine Frau. Sie kannte die Einrichtung aus der Zeit, als sie hier einmal einen sterbenden Menschen besuchte. Es gehe hier ruhig zu und man nehme sich die Zeit, sich um die Menschen zu kümmern, schildert sie ihre Eindrücke. Horst P. hat diesen Schritt ohnehin gewollt, wie er der Familie signalisierte. „Wir wissen, wir können jederzeit rund um die Uhr bei ihm sein – und er weiß das auch.“

Feierstunde heute im Park-Hotel

Am 17. Juni 2002 wurde das Hospiz in Bergen eröffnet. Träger ist das Sana-Krankenhaus, finanziell unterstützt wird die Einrichtung auch durch den Förderverein.

95 Prozent der Kosten für einen Hospizplatz übernehmen die Krankenkassen, fünf Prozent kommen aus Spenden. Geld wird auch beim Bücherbasar gesammelt, den der Förderverein jedes Jahr organisiert. Dadurch kommen nicht nur viele Menschen mit der Einrichtung in Berührung. 2017 sind 3000 Euro für das Hospiz zusammengekommen.

An die Geschichte des Hauses wird heute ab 18 Uhr während einer Feierstunde im Bergener Park-Hotel erinnert. Neben Mitarbeitern, Hausärzten, Ehrenamtlern und Kollegen aus den verschiedenen Bereichen des Krankenhauses sind auch die Bundestagsabgeordnete Kerstin Kassner, Landrat Ralf Drescher, Kreistagspräsidentin Andrea Köster sowie Bergens Bürgermeisterin Anja Ratzke als Gäste geladen.

Maik Trettin

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