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Rügen In der „Kita mit Biss“ macht Zähneputzen Spaß
Vorpommern Rügen In der „Kita mit Biss“ macht Zähneputzen Spaß
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04:45 09.03.2018
Mads und Melina aus der Kita Stadtknirpse haben den Dreh raus: Zähneputzen ist für sie eine Selbstverständlichkeit. Quelle: Fotos: Anne Ziebarth

Die Kinder der Bergener Kita „Stadtknirpse“ sind echte Profis, was die Zahnpflege betrifft. „Nach dem Mittag putzen wir immer die Zähne. Weil sonst Bakterien im Mund bleiben“, erklärt der fünfjährige Sammy routiniert. „Genau“, bestätigt seine Freundin Pia aus der Pumuckelgruppe. „Sonst kommt der Zahnteufel und macht Löcher in die Zähne. Davon bekommt man Zahnschmerzen.“

Für die Kinder der Bergener Kita Stadtknirpse ist Zahnpflege selbstverständlich

Doch der Zahnarzt findet bei den regelmäßigen Kontrollbesuchen in der Kita kaum noch Löcher in den Zähnen der Kinder, dem großen Engagement der Kita Stadtknirpse sei Dank. „Wir haben 2015 bis 2017 am Projekt ,Kita mit Biss’ teilgenommen“, erklärt Kita-Leiterin Monika Boeckemeyer. „Dieses Projekt der Landesarbeitsgemeinschaft zur Förderung der Jugendzahnpflege hat uns dabei unterstützt, Zahnpflege bei den Kindern zu fördern und auf zuckerarme Ernährung zu achten.“

Frühkindliche Karies sei leider immer noch ein Thema, berichtet Sabine Szuwart von der Kreisarbeitsgemeinschaft Jugendzahnpflege. „Deshalb haben wir uns zu diesem intensiven Projekt entschlossen. Wir begleiten die Kitas mit einer Prophylaxehelferin, die mindestens zweimal im Jahr in die Kitas kommt, stellen Materialien wie Zahnpasta und Zahnbürsten“, so Szuwart. „Dazu gibt es weitergehende Informationen für die Eltern und Erzieher zum Thema Zahngesundheit. Aber auch die Kitas müssen bestimmte Verpflichtungen eingehen, beispielsweise einen zuckerfreien Vormittag bieten.“

„Am Anfang waren manche Eltern skeptisch, zum Beispiel was die Akzeptanz von ungesüßtem Tee angeht“, so Monika Boeckemeyer. „Sie denken dann, ihr Kind trinkt den nicht.“ Aber wenn die anderen Kinder zugreifen, sei das überhaupt kein Problem.

Sowieso ist die Gruppendynamik ein Schlüssel zum Erfolg. „Das Zähneputzen gehört bei uns ganz selbstverständlich zum Alltag“, berichtet die stellvertretende Kita-Leiterin Franka Müller. „Nach dem Frühstück um 7.30 Uhr und dem Mittagessen um 11 Uhr putzen alle Kinder gemeinsam die Zähne. Und wenn jemand nicht die vorgesehenen drei Minuten putzt, sind die anderen Kinder sofort empört.“ Die Ausstattung – Zahnbürsten und Zahnpasta – wird dabei vom Landkreis zur Verfügung gestellt. „Alle Kinder haben das gleiche Zahnbürstenmodell und wir benutzen gemeinsam eine große Tube Kinderzahnpasta“, erzählt Franka Müller. „Das hat auch den Vorteil, dass keiner dem andern seine Zahnpasta neidet, ob nun mit Erdbeergeschmack oder toller Verpackung.“

Die fünfjährige Melina und Geburtstagskind Mads huschen ins Bad, wo alle Kinder ihre Zahnputzausrüstung aufbewahren und demonstrieren das Gelernte. Erst reinigen sie die Kauflächen, dann folgen mit kreisenden Bewegungen die Außenseiten und die Innenpartien. „Wenn das Zähneputzen mal nicht mit Zahnpasta geschieht, ist das kein Beinbruch“, bemerkt Monika Boeckemeyer. „Das wichtigste ist, dass sich die Gewohnheit festigt. Von der richtigen Zahnpflege profitieren Kinder ein Leben lang.“

Auch die Eltern der Kinder sind beim Thema gefragt. Hier ist es wichtig, dass gemeinsam geputzt wird und unbedingt auch noch Hilfestellung gegeben wird. „Wir wissen von den Eltern, dass die Kinder am Wochenende das Zähneputzen regelrecht einfordern“, bemerkt Franka Müller. „So soll es sein.“

„Meine Mutter isst sogar weniger Süßigkeiten als früher“, bemerkt Pia mit Stolz. „Sie will ja auch nicht, dass der Zahnteufel kommt.“ Zuckerreduzierte Kost ist neben dem Zähneputzen – am besten nach jeder Mahlzeit – ein wichtiger Baustein im Konzept für mehr Zahngesundheit. „Wir bieten vor allem Gemüsesnacks und Obst zum Knabbern an“, beschreibt Boeckemeyer. „Ab und zu, oder wenn ein Kind Geburtstag hat, kann es aber ruhig auch mal ein Stück Kuchen oder etwas Süßes sein. Wir verteufeln das nicht.“ Wichtig sei es eben nur, sich danach die Zähne zu putzen Und das machen alle Kinder bei den Stadtknirpsen gern. Zumindest erschallt auf die Frage, ob Zähneputzen Spaß macht, ein erstaunlich einstimmiges „Jaaa“ aus allen Kindermündern.

Kita mit Biss

Beim Projekt „Kita mit Biss“ der Landesarbeitsgemeinschaft zur Jugendzahnpflege MV, geht es darum die frühkindliche Karies zu vermeiden. Im Land Mecklenburg Vorpommern haben seit 2014 bereits rund 18 Kitas an dem Projekt teilgenommen.

Die ausgewählten Kitas verpflichten sich, den Vormittag zuckerfrei zu gestalten und nur ungesüßte Getränke anzubieten. Als Snacks werden Obst und Gemüsemahlzeiten gereicht. Sobald Kinder aus der Tasse trinken können, wird auf Nuckelflaschen verzichtet. Auch die Eltern werden bei der Umsetzung der Zahnputzroutine mit den Kindern unterstützt.

Zähneputzen steht in den Kitas möglichst nach jeder Hauptmahlzeit auf dem Programm. Zahnbürsten und fluoridhaltige Zahnpasta werden von der Arbeitsgemeinschaft gestellt. Dabei werden die Zähne nach dem KAI-Prinzip geputzt, was bedeutet dass Kauflächen, Außenflächen und Innenflächen geputzt werden.

Die Bergener Kita „Stadtknirpse“ mit ihren 54 Kindern zählte 2015 zu den ersten Kitas, die an dem Projekt teilgenommen haben und darf sich fortan „Kita mit Biss“ nennen. Hier putzen die Kinder in der Regel morgens zuhause, nach dem Frühstück und Mittagessen im Kindergarten.

Anne Ziebarth

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