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Rügen Insektenhotel, Totholzecke, Vogelscheuche
Vorpommern Rügen Insektenhotel, Totholzecke, Vogelscheuche
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00:00 03.05.2016
Dreschvitz

„Ein Nashorn“, ruft René-Maurice begeistert und hält einen dicken Käfer hoch, den er in dem eben abgeladenen Haufen von Hackschnitzeln fand. Das Krabbeltier sieht ein wenig aus wie ein Maikäfer, trägt aber ein großes Horn am Kopf. „Nashornkäfer sind äußerst nützlich im Komposthaufen, wo sich ihre zehn Zentimeter langen Larven bis zu fünf Jahre lang entwickeln können“, erklärt Jana Müller dem Neunjährigen. Zweimal im Jahr ruft die Schulgärtnerin der Freien Schule in Dreschvitz Kinder, Eltern und Kollegium zur Schulgartenaktion. Die jüngste war eine ganz besondere, denn zwei Vertreterinnen der Initiative „Natur im Garten“ hatten sich angekündigt, um dem Schulgarten die Plakette für den öffentlichen Schaugarten zu verleihen.

„Ich sehe, was die Gartenarbeit mit den Kindern macht“, begründet Jana Müller ihren Enthusiasmus. Durch die Erkenntnisse im kleinen Garten würde Bewusstsein für die großen ökologischen Zusammenhänge geschaffen. Heute haben die Gruppen „Donnerkeile“, „Katzenhaie“ und „Seeadler“, wie die Klassen in Dreschvitz heißen, gut zu tun, und Jana Müller erteilt Anweisungen. Wege sind von Beikraut zu befreien und mit Holzhäckseln zu füllen, damit sie nicht austrocknen und Regenwürmer ihre Arbeit tun können. Beete werden kreisförmig und als Mischkulturen angelegt, „weil beispielsweise Erdbeere, Knoblauch und Zwiebel sich bei Verbrauch und Abgabe von Nährstoffen gut ergänzen“, erklärt die Gartenpädagogin und Lilli ruft dazwischen: „Das Beet für die Kartoffeln habe ich ganz allein vorbereitet.“

„Durch Komposthaufen, Mulchdecken, Regenwassernutzung, umweltfreundliche Materialien und Gründüngung stellen wir in unserem Garten einen gesunden Wachstumskreislauf her“, erklärt Jana Müller. Dafür seien auch Unterkünfte für Nützlinge wichtig. „Wir bekämpfen keine Schädlinge, sondern fördern Nützlinge, indem wir beispielsweise Unterschlupf für Ohrenkneifer schaffen, die Blattläuse fressen“, ergänzt Madlen Hagemann von der Initiative „Natur im Garten“. Vor dem Insektenhotel stoßen einige Jungs ihre Spaten in die Erde. Dort entsteht eine Bienenweidenjahresuhr. In jeweils einem Viertel des kreisförmigen Beets wird später immer etwas blühen. Ins erste Beet kommen Frühblüher wie Christrose, Weide und — das weiß nur Christian — die Zaubernuss, die ursprünglich in Amerika und Asien zuhause war. Beim Umbau des ausgedienten Bauwagens zum Grünen Klassenzimmer hilft Vater Christian Löwe den Kindern Mia und Jan von der Gruppe „Katzenhaie“, den Holzfußboden zu verlegen, während ein anderer Vater die Außenwände streicht.

In der Totholzhecke sollen einmal Vögel nisten und der Steinhaufen bietet Zuflucht für Eidechsen und Blindschleichen, die nicht etwa Schlangen, sondern ebenfalls Echsen sind, wie jeder weiß. „Wir mahnen die Kinder, den Garten möglichst ruhig zu betreten, damit sie die Tiere nicht erschrecken und sie sie auch mal zu Gesicht bekommen“, sagt Jana Müller. „Wir haben bereits jetzt deutlich erkennbar mehr Tiere und auch Arten hier.“ Wenn Wildrose, Schlehe und Sanddorn in der Wildstrauchhecke Früchte tragen, dürfen die Kinder auch einmal naschen. Damit nicht frühe Vögel schneller sind, hat die Kreativgruppe einige Vogelscheuchen gebastelt, die echte Hingucker und wahrscheinlich ein prima Aussichtsplatz für jeden Piepmatz sind.

„Wir haben schon mal 120 Kinder und etliche Eltern mit eigenen Pellkartoffeln und Wildkräuterquark aus unserem Garten satt bekommen“, meint Müller. „Vor zwei Jahren integrierten wir den Schulgartenunterricht im Lehrplan, und von Anfang an haben uns Mitglieder der Initiative ,Natur im Garten‘ unterstützt“, erzählt Jana Müller. Vom Entwurf durch eine Landschaftsarchitektin über das Schulgartenkonzept bis zur Lieferung von Pflanzen und Saatgut. Leider würden sich nicht viele Schulen an ein solches Projekt heranwagen, bedauert sie. „Die kann ich nur ermutigen, sich ebenfalls an die Initiative zu wenden, um Kindern diese Erfahrungen zu ermöglichen.“ Wie um den Gedanken zu unterstreichen kommt am Ende des Arbeitstags die kleine Lotta herbeigeeilt, um dem Fotografen auf der flachen Hand stolz einen Regenwurm zu präsentieren. Dafür gab es dann die begehrte Plakette.

Von Uwe Driest

Natur im Garten ist eine Aktion, die das Bundesland Niederösterreich 1999 ins Leben rief, um eine ökologische Gartenbewirtschaftung privater und öffentlicher Gärten zu unterstützen.

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