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Rügen Insula Rugia: Rügen braucht eigenes archäologisches Museum
Vorpommern Rügen Insula Rugia: Rügen braucht eigenes archäologisches Museum
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08:17 15.05.2018
Nach dem Fund der „Ackerlöper“ begannen bei Schaprode die systematischen Ausgrabungen Quelle: Stefan Sauer
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Bergen

Das Ringen um den Erhalt von Traditionen und um die Entwicklung eines neuen Selbstverständnisses als Rüganer hat auf der Insel eine neue Dimension erreicht. Ausdruck findet dieses Bestreben derzeit im Bemühen von Vereinen und politischen Kräften, den kürzlich bei Schaprode gefundenen Wikingerschatz auf der Insel zu behalten. „Rügen braucht dringend ein Museum, das die außerordentlich reiche Frühgeschichte, die bedeutsame Stellung in der Geschichte des Ostseeraumes und die einzigartige, bis heute lebendige Rolle als Künstlerinsel darstellt“, sagt der Vorsitzende des Vereins „Insula Rugia“, Prof. Dr. Hans Dieter Knapp. „Eine solche Einrichtung würde die regionale Identität und das Bewusstsein für das ungewöhnlich reiche, aber weithin unbekannte Kulturerbe der Insel stärken, das touristische Qualitätsangebot aufwerten und als saisonverlängernde Einrichtung auch Impulse für nachhaltige wirtschaftliche Regionalentwicklung setzen.“ Der Verein plädiert in diesem Zusammenhang für die Schaffung eines Rügen-Museums.

Frühgeschichtliche Bedeutung

Gründe für die Einrichtung solch einer Kulturstätte gebe es viele, meint Hans Dieter Knapp. Unabhängig von der frühgeschichtlichen Bedeutung der Insel, seien auf Rügen seit Ende des 18. Jahrhunderts bedeutende archäologische Sammlungen zusammengetragen worden, die wesentlichen Anlass zur Gründung des „Provincialmuseums für Neuvorpommern und Rügen“ 1859 in Stralsund gegeben hätten. Verblieben sei von den Funden auf der Insel so gut wie nichts – und kaum mehr werde in Museen, wo die Ausgrabungen eingelagert wurden, gezeigt.Knapp lenkt den Fokus auch auf die künstlerische Tradition der Insel. „Megalithgräber auf Rügen haben Künstler wie Caspar David Friedrich oder Carl Gustav Carus zur Schaffung bedeutender Kunstwerke inspiriert und Rügen als archäologisch bedeutendes Gebiet bereits im 19. Jahrhundert überregional bekannt gemacht“, sagt der Professor. „Auf Rügen, Hiddensee und Vilm wurden über 1000 Maler aus allen Kunsthochschulen Deutschlands identifiziert, die im Verlauf von über zwei Jahrhunderten auf Rügen zur Schaffung bedeutender Kunstwerke inspiriert wurden. Dies sollte neben der Frühgeschichte ein Schwerpunkt des Rügen-Museums sein.“Knapp vertritt schließlich die Ansicht, ein vom Land gefördertes Rügen-Museum würde nicht zuletzt dazu beitragen, „die Unterschiede zwischen den mecklenburgischen und vorpommerschen Landesteilen in der Verteilung von Landeseinrichtungen und Landesförderung etwas auszugleichen“.

Schwieriges Unterfangen

Michael Parchow, Leiter der Interessengemeinschaft „De Ackerlöper“, zu der sieben eherenamtliche Bodendenkmalpfleger gehören, hält den Aufbau einer eigenes archäologischen Museums auf Rügen für schwierig. „Da unterstütze ich eher die Idee, das Stadtmuseum in Bergen zu erweitern und den Schatz dort zu zeigen.“ Zu den „Ackerlöpern“ gehört seit einem halben Jahr auch der 13-jährige Luca Malaschnitschenko, der auf einem Acker bei Schaprode mit seinem Metalldetektor auf Münzen aus der Wikingerzeit gestoßen war. „Wir waren mit acht Personen auf der Fläche zugange“, sagt Parchow. Und er verweist darauf, dass parallel zu Luca auch der 41-jährige René Schön Signale empfangen habe und somit auch diesem Mitglied der Gruppe die Ehre als Entdecker des Schatzes gebühre.„Jetzt allerdings um die Präsentation des Fundes zu buhlen und eine sofortige Präsentation zu fordern, halte ich für übertrieben“, sagt Parchow weiter. „Die archäologische Aufarbeitung des Schatzes wird gut zwei bis drei Jahre dauern.“ Dies sei ein normaler Vorgang. Zahlreiche Experten, auch aus Dänemark, würden sich mit dieser Aufgabe beschäftigen.

Sondersitzung geplant

Auch Bergener Stadtvertreter machen sich über die Zukunft des Silberschatzes Gedanken. So arbeitet das Bürgerbündnis Bergen (BBB) derzeit an einem Antrag für die nächste Stadtvertretersitzung, die als außerordentliche Versammlung schon am 23. Mai stattfinden soll. „Dabei geht es um den Verbleib des Fundes im Zusammenhang mit dem dringend notwendigen Konzept für ein Stadtmuseum“, sagt Fraktionsvorsitzende Carmen Kannengießer. „Wir müssen uns dafür einsetzen, dass dieses historische Zeugnis in das Mittelzentrum Bergen kommt.“ Es habe in der Vergangenheit vor allem um Bergen herum immer wieder bedeutende Funde gegeben, die grundsätzlich nicht auf Rügen geblieben seien. Das sei nicht mehr hinzunehmen. Möglichkeiten, solche Exponate entsprechend zu präsentieren, gebe es eine Menge. „Wenn ich da nur auf Dänemark schaue, wo es eine Vielzahl von staatlich unterstützten Wikingermuseen gibt, die von den Bürgern kostenlos besucht werden können“, sagt Kannengießer. „Oder Schleswig-Holstein: Da gibt es archäologische Funde, die in kleinen Museen gezeigt werden und nicht nach Hamburg oder Kiel transportiert wurden. Realisiert wird das durch Museumsverbände.

Berndt Jens-Uwe

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