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Rügen „Intensiver Fäkalgeruch“
Vorpommern Rügen „Intensiver Fäkalgeruch“
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00:05 29.09.2017
Bei Wartungsarbeiten an der Haube eines Behälters geriet Schwefel in die Biomasse. Quelle: Foto: Uwe Driest
Bergen

Zu mehreren Einsätzen von Polizei, Feuerwehr, dem Fachdienst Gesundheit des Landkreises sowie dem Staatlichen Amt für Umweltschutz (StALU) kam es in den zurückliegenden Tagen im Bergener Gewerbegebiet von Tilzow. Anlieger hatten über wochenlange Geruchsbelästigung geklagt, deren Ursache sie in der Biogasanlage am Tilzower Weg vermuteten. „Wir brauchten lange, um das zu lokalisieren“, sagt Ronald Keil, Leiter der Bergener Betriebsstätte der Verkehrsbetriebe Vorpommern-Rügen (VVR). Der tagelange intensive Fäkalgeruch sei „schon harter Tobak“ gewesen, unter dem vor allem Mitarbeiter der Werkstatt und die Einsatzleiter gelitten hätten. Zwei Mitarbeiter hätten sich sogar krank gemeldet.

Wir erstatteten Anzeige wegen der Belästigung.Ronald Keil, Leiter der VVR Bergen

Die bereits am vergangenen Donnerstag von Anliegern herbeigerufene Feuerwehr habe Schwefelwasserstoff in unschädlicher Konzentration gemessen, habe es zunächst geheißen. Die Betreiber der Biogasanlage seien „äußerst kooperativ“ gewesen und hätten den Schaden selber angezeigt, sagt Landkreis-Sprecher Olaf Manzke. Auch das Gesundheitsamt habe „keine Schadensprognose für Mensch oder Tier in der Atemluft“ feststellen können.

„Trotzdem haben wir vor allem Mitte vergangener Woche kaum noch Luft gekriegt“, erzählt Elke Theen, die gemeinsam mit ihrem Mann Kay den Caravan-Stellplatz betreibt und im Gewerbegebiet wohnt. Sie sei mit Schwindel-Gefühl und Augen-Reizungen zum Arzt gegangen. „Nachts war es am Schlimmsten“, sagt sie. Mehrere Übernachtungsgäste seien abgereist. Sören Baumeister leitet die Werkstatt des DRK, in der 200 Menschen arbeiten. Er hatte sich im Internet über die Wirkungen und mögliche Gesundheitsrisiken von Schwefelwasserstoff erkundigt und fand das „nicht so ganz ohne“. Auch habe er eine Information der Betreiber vermisst: „Drei Wochen tappten wir im Dunkeln“.

Susanne Köhler von der C4 Energie AG, welche die Anlage in Tilzow betreibt, kann die Aufregung nicht recht verstehen. Ursache seien turnusmäßige Wartungsarbeiten gewesen, während derer die Haube eines Behälters angehoben wurde. Dabei sei zuvor ausgefilterter Schwefel, der sich in einem Fangnetz unter der Haube befunden habe, abgebröckelt und in den Behälter gefallen. „Das führte dann zu der Geruchsbelästigung“, so Köhler. „Wir füttern aktuell weniger Substrat bei und mischen Enzyme bei, die den Abbauprozess beschleunigen.“ In ersten Erklärungen seitens der Betreiber hatte es indes geheißen, es wäre „überschüssige Last verbrannt“ worden. „Warum es nach Abschluss der Wartungsarbeiten weiter zu Geruchsbelästigungen gekommen ist, können wir uns derzeit nicht erklären“, räumt daher Matthias Wolters vom StALU ein. Um sicher zu gehen, würde seine Behörde in den kommenden Monaten wöchentliche Messungen vornehmen. Dabei möchten es die Verkehrsbetriebe nicht belassen und beauftragten einen Rechtsanwalt.

Biomasse

Die C4 Energie AG produziert Strom und Wärme aus erneuerbaren Energien. Dafür betreibt sie Energieanlagen für Biogas und Biomasse zwischen 400 kW und 2,5 MW.

Für die Substratversorgung an den bundesweit neun Standorten bewirtschaften insgesamt 255 Landwirte auf 5030 Hektar nachwachsende Rohstoffe wie Mais, Weizen und Roggen sowie Gras.

Außerdem werden Gülle, Rinder- und Putenmist geliefert.

Am Rügener Standort am Tilzower Weg nimmt ein benachbarter Betrieb die Wärme ab und beheizt damit 2200 Wohnungen in Bergen-Süd.

Uwe Driest

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