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Rügen Interview: Lippi mag’s live
Vorpommern Rügen Interview: Lippi mag’s live
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12:54 10.07.2018
Als Balladensänger tritt Wolfgang Lippert bei den Störtebeker-Festspiele auf der Naturbühne auf der Insel Rügen auf. Quelle: Stefan Sauer
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Ralswiek

Was ist eigentlich ihre Mission – ist es eher das Journalistische, das Schauspielerische, Gesang? Sie haben ja alles Mögliche gemacht.

Wolfgang Lippert: Menschen zu unterhalten ist eigentlich das Schönste für mich. Das hat mir immer Spaß gemacht, in der Schule schon. Ich war nicht unbedingt der Klassenclown, aber so eine Art Kommunikator. Ich mochte es immer, wenn Menschen miteinander kommunizieren, auch gern mal kess, aber nie zynisch. Das macht mir auch heute noch Spaß.

Sie haben ja mal Musik studiert . . .

Ja, das stimmt. Aber angefangen hat es 1983 mit der Kindersendung „Hey du“ und meinem Lied „Erna kommt“. Mit Schlager hatte ich eigentlich überhaupt nix am Hut. Wir wollten Kunst machen. Ich wollte so singen wie Al Jarreau, Stevie Wonder oder George Benson. Ich hatte nie das Gefühl, dass ich für die Bühne geboren bin. Mein erster Berufswunsch war Polizist. Aber ich komme aus einem musikalischen Haushalt. Mein Vater hatte ein Tanzorchester, war Kapellmeister. Meine Mutter hat mehrere Instrumente gespielt. Sie ist heute 98 und spielt immer noch Akkordeon.

Welche Instrumente spielen Sie?Ich habe Gesang und Klavier studiert. Ich bin aber als Pianist eher unbrauchbar.

Ist ihr Lebensmittelpunkt Ralswiek?

Wir haben zwei Wohnsitze. Einen in Bad Sarow bei Fürstenwalde. Und in unserem Haus auf Rügen in der Nähe von Bergen, wo wir mit einer Katze und einem Hund, einer französische Bulldogge leben. Ein handlicher Koffer, der heißt Emil.

Rügen ist für sie also Heimat?

Ja. ich komme immer relativ spät in der Saison hier an, weil ich immer noch sehr viel zu tun habe. Aber da ich nur singe, darf ich später in die Proben einsteigen.

Seid wann sind sie bei Störti?

Seit 2001. Ein Jahr habe ich ausgesetzt. Da hat Hans Harz gesungen – der mit den weißen Tauben. In der Saison bin ich ja sowieso hier bis September und dann gehts meist auf die Bahn. Ich bin ein Autobahnjunkie, weil sich die meisten Dinge doch eher im Süden abspielen beim MDR, in München oder Köln im Westen. Ich fahre im Jahr so 70 000 Kilometer.

Warum sind Sie Störtebeker so lange treu geblieben? Ist das nicht irgendwann auch eintönig?

Könnte man annehmen. Alle Jobs haben ja einen Wiederholungseffekt. Für mich ist das aber eine schöne Zeit, weil sie auch mein Leben ein Stück weit ordnet. Weil ich während der Saison bei idealen Arbeitsbedingungen stets um acht an einem bestimmten Ort sein muss. Da ist die Familie Hick, die etwas geschaffen hat, was nicht nur erfolgreich für die Zuschauer ist, sondern auch für uns Künstler, weil sie uns hervorragende Bedingungen liefern. Außerdem ist es faszinierend, vor so vielen Menschen live zu singen und zu spielen.

Wie sind Sie zu Störtebeker gekommen?Peter hat mich angerufen und fragte: Hättest du Lust mitzumachen? Ich dachte: Was soll ich denn bei Störtebeker? Ich habe damals fast nur Fernsehen gemacht. Meine ersten Gedanken waren, dass da Familien rumsitzen, auf Bockwürsten rumkauen und du spielst dir die Seele aus dem Leib und die hören nicht mal zu. So war meine Freilichtvorstellung. Da habe ich ihm einfach mal eine relativ freche Gage genannt, weil ich dachte, dann hat sich das gleich erledigt. Und da hat Peter in seiner ruhigen Art gesagt: ,Komm erst mal her und guck es dir an.’ Und dann kam ich hier an einem Samstag vorbei. Und dann saßen hier ein paar tausend Leute rum und die Bild-Zeitung schrieb: Wird Lippi jetzt Pirat?

Wie sind Sie ins Stück geraten?Da wurde diese Rolle des Abelin entwickelt, den es wirklich gegeben haben soll. Wir beziehen uns ja immer so ein bisschen auf die Historie. Der hatte als Besitz ein Huhn, so ist das übermittelt, und trieb sich immer auf den Marktplätzen rum.

Dann müssen Sie ja während der Saison jeden Abend hier sein und können nichts anderes machen.Ja, außer sonntags. Aber wir haben schon die dollsten Sachen gedreht. Bei Fernsehleuten ist es ja so, dass sie denken, um sie drehe sich alles. Dann steige ich öfter mal in einen Flieger in Gütin und fliege zu Frank Elstner oder zur Show „Volle Kanne“ nach Düsseldorf oder mit dem Falkner und dem Adler in den Park nach Rust oder so. Ich schiebe immer mal Sachen dazwischen. Und dann bin ich immer die wandelnde Werbetafel für Störti.

Also ist aus dem Gastspiel so etwas wie Familie geworden.Ja, weil wir auch im Winter hier sind. Und in dieser Familie geht es ausschließlich um Störtebeker.

Wie finden Sie den neuen Störtebeker?Er gefällt mir. Menschlich und optisch. Ist halt eher ’ne Kante und ist nicht so gestylt. Menschlich großartig und urig. Ein toller Mensch mit einer guten Bühnenpräsenz. Und er hat in diesem Jahr den Vorteil, dass er in der ersten Staffel noch Klaus von Alkun ist. Er wird ja erst im nächsten Jahr zum Piraten und kann die Rolle noch entwickeln, sich selbst finden.

Haben Sie sich auch mal andere Open Airs angeschaut? Ja, klar. Ich würde das aber gar nicht werten. Wir sind mit den Zuschauerzahlen gut drauf. Und wir helfen uns alle und tauschen uns aus. Wir hatten ja vor Jahren einen furchtbaren Brand, wo uns alle geholfen haben aus Schwerin, Bad Segeberg oder Anklam. Da war sehr viel Solidarität.

Wie sehen Sie die kleineren Open Airs im Land?Grevesmühlen hat den Nachteil, dass sie nicht so viele Zuschauer und deswegen ein kleineres Budget haben. Die haben es ungleich schwerer als wir.

Gibt es in der Fan-Gemeinde, welche, die immer wieder kommen?Ja, wir haben Besucher aus dem ganzen Land, aus Bayern, Österreich, der Schweiz. Und wir haben ’ne Menge Wiederholungstäter. Wenn ich Autogramme schreibe. dann sagen manche im schönstem sächsisch: ,Oh. Lippi machschste näxtes Jahr och wieder mit. Wir haben die Karten schon gekooft.’ Bei uns sitzen demoskopisch vom Opa bis zum Sechsjährigen alle.

Fehlt Ihnen „Wetten dass..?“Ja klar. Es ist schade, dass es die Show wegen der Quote nicht mehr gibt. Ich denke, die meisten Leute schimpfen über das Fernsehen, über die Zeitung und über das Wetter. Und genau so ernst muss man das nehmen. Fernsehen ist einfach wunderbar, vielleicht nicht immer zur Primetime.

Hatte sich das Format ausgelaufen?Weiß ich nicht. Die Grundidee ist zeitlos. Dieses Prinzip hat jeder in sich, weil jeder in seinem Leben mal etwas beweisen wollte und andere sagten: ,Schaffste nie!’ Und dann reagiert man mit einer Wut und antwortet: ,Wetten!’ Wenn eine Show in wenigen Sätzen zu erklären ist, ist sie gut. Und das war „Wetten dass..?“ Ich denke, dass die Idee noch lange nicht tot ist.

Sind Sie auch schon an anderen Orten in MV aufgetreten?Ja, ich moderiere einmal im Jahr in Binz einen Benefizabend und hatte kürzlich einen Auftritt mit dem Landespolizeiorchester in Schwerin. Das war der Hammer. Ich sang von „Erna kommt“ verschiedene Varianten: eine Big-Band-Variante, Jazz-Variante, eine Blaskapellenvariante, eine Celtic-Fassung, eine Rock-Fassung. Herrlich! Das hat einen Riesenspass gemacht.

Haben Sie ein Fernsehformat, das Sie gern mal umsetzen möchten?Ideen habe ich natürlich. Aber ich weiß gar nicht, ob die Zeit gerade so ist, dass man sich so große Formate traut. Das ZDF hat ja damit argumentiert, dass der Aufwand für eine Show wie „Wetten dass..?“ bei der Quote zu hoch sei. Ich fand, die Quoten waren auch zum Schluss mit rund sieben Millionen noch gut. Ich hatte meine letzte Sendung damals in Rostock mit 16,5 Millionen Zuschauern – unvorstellbar heute.

Damals war ja „Wetten dass..?“ auch noch Pflicht . . .Stimmt. In der Form kann man es heute nicht mehr aktivieren. Im Moment stellen aber eine Menge Menschen fest, dass dieses telegene Überangebot etwas mit Lebensqualität zu tun hat. Ich mache beim MDR die Retroshow „Ein Kessel Buntes“. Mit alten Ausschnitten, über die wir etwas erzählen und die Protagonisten von damals zum Plaudern einladen. Damit erreichen wir 15 Prozent. Das ist utopisch. Wir haben bei den 19- bis 27-Jährigen sieben Prozent. Warum gucken die das?

Das lebt ja von Kindheitserinnerungen. Werden unsere Kinder das auch haben?Weiß nicht. Unsere Kinder beobachten uns ja. Und die haben uns doch nur arbeiten sehen. Vielleicht suchen die mal nach einer anderen Lösung. Wir definieren uns immer noch über Arbeit. Vielleicht ändert sich das. Bei mir ging der Job immer vor.

Wollen Sie das mal ändern?Weeß ick nich. Mir macht’s einfach noch zu viel Spaß. Rosen beschneiden, Golf spielen, Hund ausführen und abends im Club von damals erzählen – nee, das ist nicht meins. Ich habe mit meinem lieben alten Freund Herbert Köfer noch Theater gespielt, da war der 90! Aber man darf sich nicht von der Gunst des Publikums abhängig machen. Dann ist man verloren. Du brauchst deine Familie, deine Auszeiten, deine Steckdose zum Aufladen.

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