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Rügen Irrtum beseitigt: Brahms wohnte in Ringstraße
Vorpommern Rügen Irrtum beseitigt: Brahms wohnte in Ringstraße
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00:00 23.05.2013
Die Epochen haben das Haus in der Sassnitzer Ringstra�e, in der Johannes Brahms einst logierte, sehr ver�ndert. Fotos (2): Uwe Driest
Sassnitz

Der Sassnitzer Stadtarchivar Frank Biederstaedt hat einen historischen Irrtum aufgeklärt. Die bisherige Annahme, der Komponist Johannes Brahms (1833 - 1897) habe im Sommer 1876 bei seinem Rügen-Aufenthalt im Sassnitzer „Hotel zum Fahrnberg“ logiert, sei falsch. Zeitgenössische Dokumente, die Biederstaedt bei seiner Recherche entdeckte, sagten etwas anderes aus. So hieß es in einer Ausgabe des „Badecourier“ zu jener Zeit: „Direktor Brahms aus Wien wohnt bei Zimmermeister Wagner.“ Der Archivar fand Pläne, „aus denen hervorgeht, dass nur ein Zimmermeister Wagner in Sassnitz wohnte. Es ist das heutige Haus Rosemarie in der Ringstraße, das nachweislich 1874 schon stand.“

Laut Erika Rinow vom Touristservice Sassnitz ging man dort all die Jahre von der Hotel-Legende aus. Es sei auch überliefert, dass dort immer eine Tafel an den berühmten Gast erinnerte. Das „Hotel zum Fahrnberg“ existiert allerdings lange nicht mehr, seit es in den 30er Jahren durch die Landesführerschule ersetzt wurde, die später als Hospital diente. „Brahms hat in dem Hotel abends lediglich mal ein oder zwei Bierchen getrunken“, sagt Frank Biederstaedt, „gewohnt hat er dort aber mitnichten.“

Der Eigentümer der nun historisch bedeutenden Stätte in der Ringstraße, Max Bachmann, sieht die Aufmerksamkeit um sein Haus mit gemischten Gefühlen. Zum einen sei er nicht mehr der Jüngste und vermiete seit dem Tod seiner Frau nicht mehr an Urlauber, zum anderen fürchte er, „dass ich, wenn das Haus unter Denkmalschutz gestellt werden würde, nicht mehr machen kann, was ich will.“

Markus Sommer-Scheffler, Denkmalschützer des Landkreises, attestiert dem einstigen Zimmermeister-Haus allerdings „auf den ersten Blick wenig Aussicht auf eine Unterschutzstellung“. Seit der Novellierung des Denkmalschutzgesetzes seien Eigentümer nur dann zum Erhalt verpflichtet, wenn dies zumutbar sei. „Aus diesem Grund haben wir beispielsweise schon dem Abriss eines großen Hauses in der Bergener Calandstraße zustimmen müssen, in dem die mit Brahms befreundete Clara Schumann spielte“, bedauert Sommer-Scheffler. „Wenn aber ein Antrag auf Unterschutzstellung bei uns einginge, würden wir das genauer prüfen.“

Der Hamburger Klaviervirtuose Johannes Brahms, einer der bedeutendsten europäischen Komponisten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, hatte den Sommer 1876 in Sassnitz verbracht. Nach langer Schaffenspause ließen Spaziergänge in Rügens Natur seine Kreativität zurückkehren und so seine bereits 1862 begonnene Sinfonie Nr. 1 in c-moll entstehen. Begeistert schrieb Brahms an seinen Freund und Verleger Fritz Simrock: „An den Wissower Klinken ist eine schöne Sinfonie hängen geblieben.“ Daran können die Wissower Klinken nach ihrem Abbruch im Februar 2005 bekanntlich nicht mehr erinnern.

„Aber wir werden gemeinsam mit der Stadt einmal darüber nachdenken, wie wir dem prominenten Besucher gerecht werden können“, stellt Erika Rinow in Aussicht. So könnte sich die Stadt überlegen, ob sie eine Tafel oder eine Büste an dem Haus in der Ringstraße platzieren oder — zusätzlich zur Johannes- Brahms-Straße — einen Pfad einrichten möchte. Weil die Geschichte der Romantik auf Rügen in Musik, Malerei und Literatur eine besondere Rolle spielt, möchte Sommer-Scheffler das Thema mit der oberen Denkmalschutzbehörde in Schwerin erörtern: „Am schönsten wäre es, wenn am Ende sogar Caspar David Friedrichs ‚Kreidefelsen‘ nach Rügen käme“.

„Auf Rügen schämt man sich ein wenig, dass nichts auf der Insel an Brahms erinnert“, glaubt Matthias von Hülsen. Der Intendant der MV-Festspiele hatte anlässlich des zurückliegenden Konzertfrühlings, der unter dem Motto „Brahms“ stand, auf die ungenutzte Möglichkeit für eine kulturtouristische Vermarktung hingewiesen. Das neue Brahms-Haus könnte dafür ein Baustein sein.

Johannes Brahms
Johannes Brahms war ein deutscher Komponist, Pianist und Dirigent. Er wurde 1833 in Hamburg geboren und verstarb 1897 in Wien. Seine Kompositionen werden vorwiegend der Romantik zugeordnet. Am 4. November 1876 erfolgte die Uraufführung der ersten Sinfonie in c-Moll op. 68 in Karlsruhe. Diese Sinfonie hatte er im Sommer während eines Aufenthalts auf Rügen vollendet.

Uwe Driest

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