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Rügen Ist Juliane 1977 wirklich gestorben?
Vorpommern Rügen Ist Juliane 1977 wirklich gestorben?
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00:00 13.10.2018
Auf einer Demonstration von Opfern der Zwangsadoption zeigte Christa Steenvoorden das Foto ihrer Tochter. Quelle: Foto: Uwe Driest
Sassnitz

Gibt es jetzt die Gewissheit im Fall Juliane Kube? Ist das Mädchen aus Sassnitz, das vor knapp 41 Jahren für tot erklärt wurde, noch am Leben? Eine DNA-Probe soll die Fragen in den nächsten Tagen beantworten und das Ergebnis liefern. Ihre Mutter Christa, heute Steenvoorden, erhofft sich nähere Erkenntnisse durch eine Öffnung der früheren Grabstätte auf dem städtischen Friedhof. Seit sie ihre Zweifel am Tod ihrer Tochter in verschiedenen Medien öffentlich geäußert hatte, beschäftigt das Schicksal des Mädchens viele Menschen auch über die Grenzen der Insel hinaus.

Ihr Grab auf dem Sassnitzer Friedhof wurde geöffnet / DNA-Probe soll Gewissheit bringen

Von der Sassnitzer Verwaltung war gestern Nachmittag niemand zu diesem Thema zu erreichen. Aber wie Jan Zilinski, der Rechtsbeistand von Christa Steenvoorden, mitteilte, sei die Exhumierung unter Ausschluss der Öffentlichkeit gemacht worden. „Die Stadt hatte während der Graböffnung den gesamten Friedhof abgesperrt“, sagt Jan Zilinski. Mehrere DNA-Proben wurden von den Überresten entnommen und zur Überprüfung ins Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf gebracht. Hier untersuchen Rechtsmediziner nun, ob es sich tatsächlich um die sterblichen Überreste von Juliane handelt.

„In zwei bis drei Wochen wissen wir Näheres“, sagt Zilinski. Bisher wisse man nur, dass es sich tatsächlich um menschliche Knochen handelt, die zum Vorschein kamen. Wenn Jan Zilinski das Ergebnis kennt, wird er es sofort an Christa Steenvoorden weitergeben. „Sie wartet schon auf mein Anruf.“

Zum Hintergrund: Die kleine Juliane soll offiziellen Angaben zufolge am 13. Dezember 1977 gestorben sein. Die Großeltern haben auf sie aufgepasst, während die Mutter des Kindes unter einem Vorwand kurzfristig zu einer Schulung in der Sassnitzer Oberschule einbestellt wurde, schilderte Christa Steenvoorden damals der OZ ihr Erlebtes.

Obwohl sie eigentlich kein gutes Verhältnis zu ihren Eltern gehabt hätte, habe sie ihnen die damals dreieinhalbjährige Juliane mangels Alternative anvertraut. Die Eltern hätten Juliane vom Kindergarten abholen und sie gegen 17.30 Uhr nach Hause bringen sollen. Als sie überfällig waren, sei jedoch eine Vorahnung in ihr aufgestiegen. Erst gegen 19.30 Uhr seien ihre Eltern ohne ihre Tochter Juliane gekommen und hätten ihr erzählt, dass Juliane in der Badewanne ertrunken sein soll. Auch, weil ihr kategorisch verwehrt worden sei, ihre Tochter noch einmal zu sehen, habe sie ihr Leben lang neben der Trauer ein ungutes Gefühl zu den Umständen zurückbehalten.

Sie begann zu recherchieren und sei auf allerhand Ungereimtheiten gestoßen. So seien aus dem Archiv in Sassnitz gefälschte Unterschriften nachgewiesen worden, die zudem ein falsches Geburtsdatum enthalten hätten. Auch wären alle behördlichen Vorgänge einschließlich der Beerdigung an nur einem Tag erledigt gewesen.

Vor zwei Jahren habe sie dann einen anonymen Anruf einer Frau erhalten. „Juliane lebt. Wann fangen Sie endlich an, nach Ihrer Tochter zu suchen?“, habe die sie aufgefordert. Um sich Gewissheit zu verschaffen, wollte Christa Steenvoorden das Grab ihrer Tochter öffnen lassen. Von einem Greifswalder Institut ließ sie sogar eine Georadar-Untersuchung vornehmen. Die Experten fanden aber keine Spuren einer verstorbenen Person.

Christa Steenvoorden berichtete, dass die Exhumierung trotz aller Indizien viermal von der Stadt Sassnitz abgelehnt wurde. Sie klagte und bekam Recht. Gegen das Urteil legte die Stadt anschließend Berufung ein. Sie sah darin eine Störung der Totenruhe.

Beide Seiten haben sich schließlich im Mai diesen Jahres vor dem Greifswalder Landgericht auf eine Graböffnung verständigt.

Mathias Otto und Uwe Driest

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