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Rügen Jagd auf Schwäne im Vogelschutzgebiet legal?
Vorpommern Rügen Jagd auf Schwäne im Vogelschutzgebiet legal?
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17:13 16.02.2018
Francis Sieler fand mehrere Kadaver, die zum Teil ausgenommen worden, ansonsten aber komplett gewesen wären. Quelle: Foto: Uwe Driest
Rothenkirchen

„Das war ein Schreck in der Morgenstunde“, beschreiben Robert Greiner-Pohl und Francis Sieler ihr morgendliches Erlebnis. Die jungen Stralsunder Eltern hatten wie jeden Tag ihr Töchterchen in den Kindergarten von Dreschvitz gebracht und machten auf dem Rückweg an der Straße zwischen Dreschvitz und Rothenkirchen Halt, um ihren Hunden Auslauf zu verschaffen. „Als einige Schwäne von der Wasserfläche des Nationalparks über uns hinwegflogen, bremste plötzlich ein Lieferwagen, dem zwei Männer entstiegen, die zwei Gewehre von der Ladefläche holten und in die Luft ballerten“, erinnert sich Robert Greiner-Pohl. „Irgendwie unwaidmännisch“ habe das gewirkt und der Lieferwagen sei mit der Aufschrift „Eilige Arzneimittel“ versehen gewesen.

Zwei Schwäne hätten die Schützen getroffen, die sie – ein Jungtier verletzt, aber noch lebend – in blauen Säcken verstaut hätten.

Auf ihr Verhalten angesprochen hätten die Schützen nicht reagiert, ihre Namen nicht nennen wollen und ihn unsanft aufgefordert, sich zu entfernen, so Greiner-Pohl. Später habe sich das Paar umgesehen und die Kadaver mehrerer Schwäne im Schilf der Priebowschen Wedde gefunden, die zum Teil ausgenommen worden, ansonsten aber komplett gewesen wären. Das Paar informierte eine Tierrechtsorganisation, die Anzeige erstattete. Wer in dem Gebiet Jagdpächter ist, ließ sich zunächst nicht ermitteln. Lediglich, dass die örtliche Agrargesellschaft um den Abschuss gebeten hatte. „Wir haben eine Gänsejagd beauftragt, weil wir dort Winter-Weizen angepflanzt haben. Dass dabei auch ein Schwan zu Schaden kommt, lässt sich nicht vermeiden, weil die Tiere ja nebeneinander sitzen“, sagt Manfred Möller von der APV Samtens.

„Der Schwan ist ein ehemaliges Parkwild, das gar nicht hierher gehört“, meint Chris-Ole Ott, Vorsitzender des Kreisjagdverbandes. Schwäne würden im Winter auf dem Eis festfrieren und dann von Seeadlern gefressen. Gegen die Bejagung spräche nichts, „wenn der Jäger das vernünftig macht und das Wildbret nutzt“. Der Abschuss könne sogar der Prävention gegen Vogelgrippe dienen, meint Ott.

Tatsächlich sei die Jagd legal, obwohl sie in einem Europäischem Vogelschutzgebiet stattfand, bestätigt Harald Stegemann vom Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie. Zwar sei der Höckerschwan in dem Gebiet als schützenswert eingestuft, aber eine Gefährdung der Schutzziele bislang nicht definiert.

Den Grund dafür glaubt Marlies Preller vom Nabu Rügen zu kennen. Das Schutzgebiet sei auf Grundlage einer 30 Jahre alten Richtlinie erst umgesetzt worden, als es zur Voraussetzung für den Bau der B96 n wurde. „Das Bauprojekt musste für zwei Jahre gestoppt werden, weil Deutschland EU- Recht nicht umgesetzt hatte. So ging auf einmal pro forma alles ganz schnell. Das inhaltliche Ziel aber, die Nahrungsflächen für Gänse, Schwäne und Kraniche zu sichern, wurde nicht umgesetzt. „Wenn heute ein vom Landwirt beauftragter Jäger auf Schwäne schießt, die vom Nationalpark zum Äsungsacker fliegen, gibt es aus der Umweltbehörde nur hilfloses Achselzucken“, so Preller.

Jagd auf Höckerschwäne auch im Vogelschutzgebiet erlaubt

600 bis 800 Schwäne schießen Jäger landesweit pro Jahr.

Als 2013 ein Rügener Gastronom Schwäne auf seine Speisekarte gesetzt hatte, hagelte es Proteste.

Im Dezember 2015 töteten Jäger in Klausdorf bei Stralsund 50 Höckerschwäne. Den Protesten schloss sich auch der Bürgermeister an.

Im Mai 2016 schoss ein Jäger 35 Höckerschwäne bei Groß Schoritz ab. Strafanzeigen verliefen in beiden Fällen ergebnislos.

Einer damaligen Umfrage der OSTSEE-ZEITUNG zufolge sprachen sich Dreiviertel der 1356 befragten Leser für ein Verbot der Jagd auf Schwäne aus.

Uwe Driest

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