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Rügen Jasmunder Moore: Entwässerungsgräben werden zugeschüttet
Vorpommern Rügen Jasmunder Moore: Entwässerungsgräben werden zugeschüttet
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08:30 26.07.2018
Studenten und andere freiwillige Helfer verfüllen die Entwässerungsgräben der Moore im Nationalpark Jasmund Quelle: Jenni Ottilie Kepler
Sassnitz

Um diesen Ferienjob sind die jungen Leute wirklich nicht zu beneiden: 15 Studenten ackern in der gegenwärtigen Hitze mit Schaufel und Spaten im Nationalpark Jasmund. Hier buddeln sie gemeinsam mit weiteren Freiwilligen des gemeinnützigen Vereins Bergwaldprojekt an den Gräben, über die die Moore jahrzehntelang entwässert wurden. Damit soll künftig Schluss sein. Die Gräben werden zugeschüttet. Der einstige, natürliche Zustand soll wiederhergestellt werden.„Landschaftsnutzung und Naturschutz“ heißt der Studiengang, in dem sie an der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung in Eberswalde unterrichtet werden. Der Titel trifft der Kern der Problematik im Bereich des Nationalparks: Über viele Jahre wurde ein nicht geringer Teil des Schutzgebiets und der angrenzenden Flächen land- oder forstwirtschaftlich genutzt. Heute hat hier die Natur Vorrang.„Von Natur aus sind die Moore der Gegend alle miteinander verknüpft“, sagt Rico Markmann. Er ist der zuständige Revierförster im Bereich des Nationalparks und begleitet das Projekt des Vereins, an dem sich insgesamt 80 Freiwillige beteiligen. Seit Anfang der Woche „verstopfen“ sie die künstlich geschaffenen Abflüsse der Moore. Dabei bedienen sich sich unter anderem kleinerer Sperrwerke aus Holz. Dazu wird ein Teil der Gräben mit einer Mischung aus Sägespänen und Torf verfüllt. Das hat für die Moorlandschaft einen praktischen, für die Studierenden auch einen theoretischen Nutzen. Sie überprüfen an diesem Beispiel, welche Folgen die Verwendung von so genanntem Fremdmaterial bei der Verfüllung der Gräben hat. Durch das verwendete Sägemehl könnten beispielsweise Nährstoffe in den natürlichen Kreislauf eingebracht werden. Das alles werden die Lutz Rohland und Henning Rothe vom Bergwaldprojekt-Verein ebenso überwachen wie die Arbeiten an der Moorentwässerung. Fachlich stehen ihnen dabei Dr. Uta Steinhardt, Professorin für Landschaftsökologie und Landnutzungsplanung in Eberswalde, sowie der Leiter der Nationalparkverwaltung auf Jasmund, Dr. Ingolf Stodian, zur Seite.„Moore sind nicht nur wichtige Rückzugsräume für seltene Tier- und Pflanzenarten“, sagt Stodian, „sondern auch bedeutende Wasser- und Kohlenstoffspeicher.“ Das gelte aber nur für den naturnahen Zustand. Senkt man den Wasserpegel ab, werden sie zu Quellen für Treibhausgase wie Kohlendioxyd, Methan und Lachgas.

Feuchter Torf speichert mehr Wasser als trockener

Durch das Zuschütten der Abflüsse soll eine Wiedervernässung der Flächen erreicht und die Renaturierung eingeleitet werden. Mancher Jasmunder hatte schon in der Vergangenheit die schlechte Melioration der Flächen auf der Halbinsel für eine vermeintliche Zunahme der Anzahl von Küstenabbrüchen verantwortlich gemacht. Könnte dieses Phänomen dadurch verstärkt werden? Rico Markmann schüttelt den Kopf. „Das hat nichts damit zu tun.“ Die Moore hätten schon immer eine natürliche Entwässerung gehabt, noch bevor der Mensch eingriff. Aufgrund der Topografie der Halbinsel geschehe das fast ausschließlich nach Osten ins Meer oder über den Sagarder Bach nach Westen in den Großen Jasmunder Bodden. Daran ändere sich durch die Wiedervernässung nichts. Mehr Wasser werde auch nicht transportiert, ganz im Gegenteil. Das Wasser solle ja im Bereich der Moore gehalten werden. Dadurch, dass diese untereinander verbunden seien, zirkuliere das Wasser praktisch erst zwischen den verschiedenen Mooren, bis sich ein ziemlich einheitlicher Pegel eingestellt habe. Der soll nicht zu hoch sein, sondern gerade so bis auf Höhe der Vegetation reichen. „Die Torfschicht soll feucht bleiben und nicht durch das Trockenfallen abgebaut werden.“ Dann könnten die Moore das anfallende Wasser auch wieder besser zurückhalten. „Ein feuchter Torfkörper speichert viel mehr Wasser als ein trockener“, sagt der Revierförster.Diesen Wert der Moore und des Torfbodens sollen auch die Teilnehmer des vierwöchigen Projekts erkennen, wünschen sich dessen Initiatoren, um den persönlichen Alltag ressourcenschonender zu gestalten – und beispielsweise auf den Kauf von mit Torf gemischter Blumenerde zu verzichten.

Maik Trettin

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