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Jede Briefmarke erzählt eine Geschichte

Baabe Jede Briefmarke erzählt eine Geschichte

Valentin Jerke sammelt seit seiner Kindheit Postwertzeichen und besitzt mittlerweile über drei Millionen / Marken mit dem Brandenburger Tor stellt er nächste Woche in Baabe aus

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Valentin Jerke hat schon mehrfach im Baaber Haus des Gastes seine Marken ausgestellt.

Quelle: Steffi Besch

Baabe. Blumen und Tiere, Leuchttürme und Schiffe, berühmte Persönlichkeiten oder olympische Spiele: Die meisten Absender, die ihre Post für das Finanzamt oder die Weihnachtskarte für die Großtante eintüten und frankieren, werfen nur einen flüchtigen Blick auf die Briefmarke, mit der diese ihre Reise antreten kann. Und auch diese Gruppe dürfte im Zeitalter von Email, Twitter und Whatsapp schrumpfen. „Leider“, seufzt Valentin Jerke. Der 69-Jährige liebt Briefmarken. Seit frühester Kindheit sammelt er Postwertzeichen im großen Stil. Über drei Millionen Exemplare sind so durch Tausch, Kauf und Geschenke seit 1959 zusammengekommen. Und diese besetzen in seiner Wohnung ein eigenes Zimmer. „Über 20 Quadratmeter ist das groß. Hier steht mein

Rechner, die große Leuchtlupe, die Pinzette und mein kleiner Fernseher, den ich beim Ablösen, Trocknen und Pressen sowie Sortieren und Sichten immer anhabe“, erzählt der Philatelist aus Leidenschaft.

Einer der letzten auf Rügen. „Früher sammelten alle, in fast jedem Dorf gab es Briefmarkenfreunde. Auf der Insel fast 70 Vereine.“ Heute gibt es nur noch einen in Sassnitz und wenige Verrückte wie ihn. „Wir sterben aus. Die Jugend interessiert sich nicht mehr für Briefmarken“, meint Jerke. „Und Briefmarken bringen eben auch kein Geld mehr. Es gibt zu viele Marken für wenig Sammler. Auch bei mir in der Familie kann ich niemanden für dieses Hobby begeistern. Ehefrau, die beiden Töchter und auch die Enkel winken dankend ab. Und irgendwie ist es traurig zu ahnen, dass das alles eines Tages im Schredder landet.“

Doch daran mag „Vali“, wie er von seinen Freunden und Feuerwehrkameraden genannt wird, noch nicht denken. Muss er auch nicht. Dafür fehlt ihm die Zeit. Die gesamte letzte Woche zum Beispiel saß der Mönchguter Briefmarkenfreund im Kreativraum im Baaber Haus des Gastes und bereite seine mittlerweile fünfte Ausstellung in der Kurverwaltung des Ostseebades vor. „Am 16. August 1791 wurde das Brandenburger Tor in Berlin fertiggestellt und das erste Mal durchfahren. Es wird also 225 Jahre alt. Ein Jubiläum, dass ich nicht ohne eine Ausstellung verstreichen lassen wollte.“ Und so beklebte Valentin Jerke in den vergangenen Tagen insgesamt 16 große Schaufenster mit sogenannten Schmuckblättern samt der 80 Marken, die vor 25 Jahren zu Ehren des 26 Meter hohen, frühklassizistischen Sandsteinbaus aufgelegt wurden.

Die Ausstellung wird am 16. August um 15 Uhr im Haus des Gastes, Am Kurpark 9, eröffnet

Briefmarkensammeln: Ein aussterbendes Hobby

Ein Philatelist beschäftigt sich mit Briefmarken oder postalischen Belegen. Das kann sich auf das reine Sammeln beschränken, geht hin bis zur quasi wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der Philatelie oder der ehrenamtlichen Mitarbeit in Vereinen. Philatelisten betreiben dies in den allermeisten Fällen als Hobby. Schätzungen zufolge gibt es in Deutschland etwa zwei Millionen Briefmarkensammler, mit abnehmender Tendenz. Dies gilt insbesondere für jüngere Menschen, die meisten Philatelisten sind Senioren.

Steffi Besch

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