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Jeder Schüler einmal im Jahr ins Theater

Stralsund Jeder Schüler einmal im Jahr ins Theater

Intendant Dirk Löschner geht in die Offensive und wirbt für Kooperationsverträge.

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Intendant Dirk Löschner auf dem Weg zum Hansa-Gymnasium. Das Theater bietet den Schulen eine neue Form der Zusammenarbeit an. Dafür sollen verbindliche Kooperationsverträge abgeschlossen werden.

Quelle: Marlies Walther

Stralsund. Der Anspruch ist groß. Es steckt ein Stück Idealismus drin. „Aber das Ziel ist realistisch“, zeigt sich Dirk Löschner überzeugt. Und dafür rührt der Theaterintendant jetzt die Werbetrommel: Er möchte es schaffen, dass jeder Schüler im Kreis Vorpommern-Rügen und den Städten Stralsund und Greifswald mindestens einmal im Jahr ein Theaterstück besucht — abgesehen vom Weihnachtsmärchen. Das laufe praktisch außer Konkurrenz.

Für seinen ehrgeizigen Plan, der sich nur in einem längeren Prozess verwirklichen lasse, geht der Theaterchef jetzt in die Offensive. Dazu will er Gespräche mit Vertretern von insgesamt 270 Schulen führen. Unter dem Motto wenn schon, denn schon. Denn Löschner möchte, dass die ganze Sache über bloße Absichtserklärungen hinausgeht. Vielmehr sollen ganz konkrete Kooperationsverträge abgeschlossen werden. Mit klaren Verbindlichkeiten. „Sonst können wir in die Wüste rufen“, meint Löschner.

So soll sich in der Vereinbarung das Theater verpflichten, in jeder Spielzeit für jede Altersgruppe ein passendes Stück zur Verfügung zu stellen. Das sind dann zwischen fünf und sechs Aufführungen.

Im Gegenzug soll die Schule mit jeder Klasse einmal im Jahr eines dieser Angebote nutzen. Natürlich gebe es keine Sanktionen. Aber es werde schon Wert auf diese Selbstverpflichtung gelegt. Geboren wurde die Idee für eine neue Form der Zusammenarbeit aus der bisherigen Situation, die den Intendanten so gar nicht zufriedenstellt. In der Spielzeit 2011/2012 wurden rund 7000 Karten an Schüler verkauft. Bei einer Gesamtzahl von 20 185 Schülern in der Region. „Damit haben wir, abgesehen vom Weihnachtsmärchen, nur ein Drittel von ihnen ins Theater geholt“, so Löschner. Gehe man davon aus, dass einige mehrfach kamen, bedeute dies: „Drei Viertel der Schüler der höheren Klassenstufen haben wir überhaupt nicht erreicht.“

Das will der Intendant ändern. Denn die bisherige „einseitige Kommunikation“ bringe nicht den gewünschten Effekt. Löschner nennt als Beispiel die jüngste Inszenierung von „Romeo und Julia“: Trotz breiter Information von der Spielzeitheft-Ankündigung über zusätzliche Briefe, Einladungen zu öffentlichen Proben, Fortbildungen, Lehrervorschauen... seien für zwei Vorstellungen mit einer Kapazität von 870 Plätzen lediglich 68 Karten reserviert worden. Unter zehn Prozent also.

Selbstverständlich liege der Schwerpunkt des Theaters darin, Kunst zu produzieren. „Aber wir haben auch einen Bildungsauftrag, und der wird immer wichtiger“, begründet Löschner sein Engagement. Das Theater sei ein wesentlicher Baustein, um die Schüler dazu zu befähigen, sich kritisch mit der Umwelt auseinander zu setzen.

Die Schwellenangst sei allerdings offenbar noch recht hoch bei den Kindern und Jugendlichen, die noch nie ein Theater besucht haben. Nach wie vor gebe es Vorbehalte: Wie benehme ich mich, was ziehe ich an... Außerdem gebe es in MV auch für die Lehrer nur geringe Anreize, sich mit der Klasse für einen Theaterbesuch zu entscheiden. Zwar sei Theater als Unterricht mit anderen Mitteln anerkannt und keinem Pädagogen würden Steine in den Weg gelegt. Aber es gebe eben auch kein spezielles Stundenkontingent, wie in anderen Bundesländern, bedauert Löschner.

Die Reaktionen nach den ersten Gesprächen seien recht unterschiedlich. „Wir versuchen, den Schulleitungen die Angst zu nehmen, fangen an und hoffen, dass gute Beispiele im besten Sinne Schule machen“, sagt Löschner. Er möchte jedenfalls in den nächsten Wochen die ersten Verträge fest machen.

„Das Ziel ist klar, wir werden beharrlich daran arbeiten“, wünscht sich Löschner, dass so viele Schulen wie möglich mitmachen. Der Spielplan werde rechtzeitig vorgestellt, um Anknüpfungspunkte an den Lehrplan zu vermitteln. Auch bei den Terminen sei es möglich, Wünsche zu berücksichtigen. Zum Schuljahresende ist dann jeweils ein Treffen zur Auswertung geplant. Und natürlich würden auch alle weiteren Angebote — wie Führungen hinter den Kulissen, die Unterstützung schuleigener Theater-Arbeitsgemeinschaften oder Klassenzimmer-Stücke — weitergeführt.

Neue Form der Zusammenarbeit soll im August starten

5,50 Euro bezahlen Schüler im Gruppenpreis für

einen Theaterbesuch.

Im Mai wird der neue Spielplan 2013/14 für die Lehrer der

Kooperationsschulen in den

drei Theaterhäusern vorgestellt.


Der Beginn der ersten Kooperationen ist für August geplant.

Nach Wunsch des Theaters sollten die Aufführungen rechtzeitg möglichst

am Anfang eines jeden Schuljahres

verbindlich gebucht werden. Zusätzlich zum Weihnachtsmärchen und

den Klassenzimmerstücken, Gastspielen und Sonderveranstaltungen.

Ein Problem tut sich mit zusätzlichen Fahrtkosten für die Kinder aus Landschulen auf. Hier will Löschner Partner aus dem öffentlichen Bereich mit ins Boot holen, die finanzielle Unterstützung geben.

Marlies Walther

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