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Rügen Junger Rüganer taucht in die Geschichte der Insel ein
Vorpommern Rügen Junger Rüganer taucht in die Geschichte der Insel ein
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00:00 24.03.2014
Ralf Lindemann (46) ist in Sassnitz aufgewachsen und taucht gern in die Historie ein. Quelle: Iris Bleeck

An einem verregneten Sommertag entschließe ich mich spontan, eine Führung zu den morbiden Resten des ehemaligen Schlosses von Dwasieden mitzumachen. Schon einmal war ich an diesem Ort, und stolperte Orientierung suchend, über die zugewucherten Reste einer untergegangenen architektonischen Pracht. War so hin und hergeworfen zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Nun erwarte ich an unserem Treffpunkt einen älteren Herrn. Einen, der sich noch erinnern kann, nicht aus der Zeit gefallen ist.

Ralf Lindemann und seine beiden kleinen Töchter begrüßen uns, ein junger Familienvater also. Nun dämmerte es. Ich habe vor Jahren ein besonderes Buch gelesen, Autor Ralf Lindemann, „Das weiße Schloss am Meer“. Mich berührte die Poesie seiner Texte, die Bilder aus einer nahen, aber auch fernen Zeit. Im Prolog schreibt er. „Nur ein Windzug streift durch die Wipfel. Vielleicht ist es ein Hauch aus vergangener Zeit, ein letzter Bote, aufgehoben nur für diesen Moment. Vielleicht ein letzter Aufschrei oder ein Frohlocken von Erinnerungen, welches sich so eben aus den Steinen befreit hat. Wer sich hierher begibt, wird ein Teil jener vergangenen Tage und Ereignisse, die sich hier zugetragen haben.“

Was treibt einen jungen Mann Jahrgang 1967, so tief einzutauchen in diese Geschichte, damit der Vorhang der Vergangenheit sich für die Zeit der Führung auch für uns Besucher heben wird? Lindemann sagt: „Vergangenheit bewegt mich an jedem Ort, ob Wüstungen oder zerfallene Häuser. Hier wurde gelebt und gelitten. Heute liegt nur noch ein Geheimnis über diesen Orten.“ Und es klingt so, als ob er es zu seiner Aufgabe gemacht hat, diesen verschütteten Geheimnissen auf die Spur zu kommen, sie zu überlisten. Fast trotzig steigt er über die beeindruckenden Reste eines der einstmals wertvollsten Schlösser Norddeutschlands.

Das einzige, das aus Sandstein, Granit und echtem Marmor zwischen 1873 bis 1877 erbaut wurde. Wann hat das angefangen, dieses Sich-Hineinversetzen in eine andere Zeit? Lindemann: „Während meiner Wehrdienstzeit bei der NVA in Sassnitz entdeckte ich die Schlossruinen in Dwasieden. Seit diesem Zeitpunkt wurde das ein geradezu mystischer Ort für mich, zu dem es mich immer wieder hinzieht. Der Erbauer des Schlosses, Adolph von Hansemann, empfing hochrangige Persönlichkeiten, Geschäftsfreunde, Staatsmänner und Dichter. Da waren zum Beispiel das deutsche Kaiserpaar, Fürst Eulenburg, Georg von Siemens, der russische Finanzminister von Ruge und der Dichter Gerhart Hauptmann, der die Hochzeit seines Sohnes hier ausrichten ließ. Dieses Schloss mit den gepflegten Parkanlagen und dem großzügigen Blick auf das Meer, wurde zu einem Treffpunkt politischer und kultureller Persönlichkeiten. Es ist ein Stück unsere Geschichte, dass hier am Steilufer in Dwasieden ruht.“ Noch während der Führung empfinde ich so etwas wie Trauer in mir. Nichts ist geblieben von dem 100 Hektar großen Park. Hier und da verlassene Reste der früher militärisch genutzten Anlagen und dem dahinsterbenden Marstall. Nur die etwa zweiundzwanzig Hügelgräber aus der Bronzezeit und das unerschütterliche Großsteingrab mit seinen Wächtersteinen aus der Jungsteinzeit, das bereits Caspar David Friedrich gemalt hat, scheinen unverwüstlich. Lindemann gelingt es in dieser Kulisse, unsere Fantasie zu wecken, er nimmt uns mit zu dem Tag, dem 31. Juli 1928, an dem Gerhart Hauptmanns Sohn Benvenuto die Prinzessin Elisabeth Hermine Auguste zu Schaumburg-Lippe im weißen Schloss heiratete, um sich nach drei Monaten wieder zu trennen. Nichts ist eben für die Ewigkeit. Auch die Wächtersteine haben nicht den Niedergang des Schlosses verhindern können.

Als am 4. Mai 1945 Rügen kampflos übergeben wurde, begannen die sowjetischen Truppen mit der Demontage von Teilen des Schlosses. Auch die Bevölkerung verschaffte sich Zugang und so verschwanden nach und nach wertvolle Gegenstände. Es folgte die Einquartierung von Flüchtlingen, dann die Nutzung als Quarantänelager und 1948 die Sprengung des Schlosses. Nieder mit den feudalistischen Denkmälern! So hieß es damals. Es wurde gewütet und gesprengt. Etliche Schlösser, die den Krieg überstanden hatte, fielen dieser zerstörerischen Nachkriegspolitik zum Opfer. So auch das Putbusser Schloss.

Hier im Dwasiedener Wald gibt es nur noch einen verlassener Ort, an dem die unzähligen Jungbuchen im Laufe der Jahre die einst grandiose Aussicht auf die Ostsee versperren. Es wird klar, es gibt kein Zurück mehr, keine Wiederbelebung. Ralf Lindemann sagt zum Abschied: „Hier sehen sie ein totes Meer von Zeitzeugen, welche Geschichte geschrieben und erlebt haben. Ein Investor könnte einen Teil lebendige Erinnerung zurückzubringen. Der Marstall wäre es wert, gerettet zu werden.“

Serie

Männer der Insel
Heute: Ralf Lindemann, Mediengestalter, Autor und Exkursionsleiter für historische Führungen.
In Sassnitz aufgewachsen
1967 wurde Ralf Lindemann in Bergen auf Rügen geboren. Er wuchs in Sassnitz auf, besuchte dort die Allgemeinbildende Polytechnische Oberschule (POS) IV an der Hiddenseer Straße, die er mit der 10. Klasse abschloss. Es folgte eine Lehre als Zootechniker in Anklam. Im Jahre 1992 begann er eine Umschulung zum Werbekaufmann, bevor er ein Jahr später als Mitarbeiter beim Stralsunder Schiffsausrüster Hygrapha einstieg. Ein Jahr später fand er eine Stelle, die seiner Qualifikation entsprach, in einer Bergener Werbeagentur.
Ende 1994 fing Ralf Lindemann als Mediengestalter beim damaligen Wochenblatt „Rüganer“ an, aus dem später der „Ostsee-Anzeiger“ wurde. Bei dieser Wochenzeitung ist er bis heute als Mediengestalter tätig. Ralf Lindemann ist Vater von zwei Töchtern im Alter von sechs beziehungsweise acht Jahren.



Iris Bleeck

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