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Rügen Kahlschlag zwischen Prora und Binz empört Anwohner
Vorpommern Rügen Kahlschlag zwischen Prora und Binz empört Anwohner
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08:24 08.02.2019
So sah es am Donnerstag gegenüber der Alten Schule in Prora aus. Quelle: Gerit Herold
Binz

Derzeit laufen umfangreiche Holzfällarbeiten entlang des Bahngleises vom Binzer Ortsausgang in Richtung Prora, die noch bis Mitte Februar andauern sollen. Für Dr. Marion Vogel mutet es an wie ein Schildbürgerstreich: Ende letzten Jahres wurde die Poststraße in Prora in die Proraer Allee umbenannt. Doch wenn sie jetzt aus dem Fenster schaut, dann blickt sie in eine Mondlandschaft. Wo sonst ein Wäldchen stand, liegt nun ein Berg abgeholzter Bäume am Bahngleis. Sie hat jetzt einen freien Blick auf die stark befahrene Straße. „Abgase und Geräuschkulisse erreichen die Anwohner ungehindert. Einheimische und Touristen, die bisher den schönen, von Bäumen eingefassten Radweg zwischen Poststraße, Bahnschienen und Landstraße benutzten, werden geschockt sein angesichts der kompletten Abholzung jeglichen Baumes und Busches entlang der zwei Kilometer langen Strecke“, ist Marion Vogel entrüstet. Zudem sei nun die natürliche Barriere weg, die am Betreten der Bahngleise hinderte. „Wie sei nun angesichts freier Sicht und freien Zugangs garantiert, dass die in unmittelbarer Nähe wohnenden Kinder nicht auf die Schienen gelangen?“

„Ich bin fassungslos, was hier passiert“, klagt auch Karl-Heinz Olschewski. Er wohnt seit 39 Jahren in Prora, in all der Zeit habe er so eine Fällaktion noch nicht erlebt. Den Gemeindevertreter, der für die Partei Die Linke im Binzer Parlament sitzt, ärgert vor allem auch die fehlende Kommunikation. „Weder die Gemeindevertretung noch die Gemeinde wurden informiert oder beteiligt.“

Dies unterstreicht die Verwaltung auf ihrer Internetseite: „Die Gemeinde ist nicht involviert und hat auch keine Berechtigung in irgend einer Weise einzugreifen.“ Die Arbeiten seien zur Sicherung der Bahnanlagen zwingend notwendig. Der Kahlschlag gegenüber der „Alten Schule“ sei Auflage der Deutschen Bahn, da die fußläufige Überquerung der Bahngleise an dieser Stelle weit einsehbar sein muss. Auch gab es Auflagen durch den regionalen Gasversorger, da eine Gasleitung zu einem Mediengebäude auf dem Grundstück frei zugänglich sein müsse.

Der Waldbesitzer führe die Arbeiten im Rahmen der erforderlichen Verkehrssicherungspflicht durch, hierzu wurde er seitens der DB Netz AG, Regionalnetze, aufgefordert, bestätigt Gisbert Gahler vom Regionalbüro Kommunikation Berlin, und ergänzt: „Einen Auftrag gab es seitens der DB Netz nicht.“

Waldbesitzer Marko Steinbrecher hatte in einem Pressebericht darüber informiert, dass die Holzentnahmen in Absprache mit Bahn und der zuständigen Forstbehörde erfolgen und alle Genehmigungen dafür vorliegen. Es handele sich um einen sogenannten hiebreifen Bestand, in dem Überalterung, Totholz und Schwammbefall zu finden sei.

„Dieser Kahlschlag steht doch wohl in keinem Verhältnis zum Gegenstand“, meint dagegen Karl-Heinz Olschewski. Das sieht auch Marion Vogel so: „Ich will gern glauben, dass es Auflagen der Bahn gegeben hat, Bäume, die zu dicht an den Gleisen stehen, zu entfernen, um zu verhindern, dass sie bei Sturm auf die Gleise fallen.“ Das sei bei allem Bedauern logisch nachvollziehbar und akzeptabel. Aber: „Hätte es nicht gereicht, nur die toten, von Schwamm befallen Bäume zu fällen und einen schmaleren Streifen neben den Gleisen abzuholzen?“, fragt die Proraerin.

Alles rechtens, heißt es auf Nachfrage bei der Landesforstanstalt MV. „Die betriebliche Entscheidung liegt im Ermessen des Waldbesitzers. Dieser muss forstrechtliche Mindestanforderungen erfüllen, zum Beispiel die Einhaltung der genehmigungsfreien maximalen Kahlhiebsfläche von zwei Hektar. Die Forstbehörde konnte keinen Verstoß gegen das Landeswaldgesetz feststellen“, sagt Bernd Fischer, Sachgebietsleiter Fortshoheit. Es sei ein flächenhafter Einschlag von ca. 1,80 Hektar entstanden. Alle auf der Fläche stockenden Bäume wurden entnommen. Nach Kenntnis der Forstbehörde handelt es sich dabei um Kiefern, Buchen und Roteichen. Forstsanitäre Probleme seien nicht bekannt, so Fischer. Nach dem Landeswaldgesetz sei der Waldbesitzer zur Wiederbestockung verpflichtet.

Vor fünf Jahren hatte es im Bereich Binz-Prora schon einmal einen Aufschrei gegeben, als hunderte Bäume zur Fällung markiert wurden – entlang der Landesstraße am Naturerbe Zentrum Rügen (NEZ) sowie zwischen Prora und Binz und auf der Strecke zu den Feuersteinfeldern. Die gemeinnützige Tochter der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), die DBU Naturerbe GmbH, sollte ihrer Verkehrssicherungspflicht für den angrenzenden Wald nachkommen. Am Ende fielen 20 Prozent der markierten Gehölze der Säge zum Opfer.

Massive Proteste gab es in Richtung DBU auch im Zusammenhang mit dem Kahlschlag am Alten Forsthaus in Prora im Zuge der Bauarbeiten für das NEZ mit Baumwipfelpfad. Als Kompensation dafür wurden in der Mustitzer Weide 10000 Bäume und Sträucher aufgeforstet. Auf einer sechs Hektar großen Fläche entsteht jetzt ein Laubmischwald.

Gerit Herold

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