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Kahlschlag bei Schmacht: Einwohner erschüttert

Schmacht Kahlschlag bei Schmacht: Einwohner erschüttert

Eichen und Buchen fielen auf einer Fläche von mehr als zwei Hektar der Säge zum Opfer / Eigentümer spricht von Wald-Bewirtschaftung

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Nadia Wolf zog von Berlin nach Schmacht und trauert um den Mischwald aus Eichen und Buchen, der ihr neues Heim schützte.

Quelle: Foto: Uwe Driest

Schmacht. Unter der Überschrift „Waldschändung bei Schmacht auf Rügen“ werden dieser Tage in den sozialen Netzwerken Baumfällarbeiten diskutiert. „Ging man erst davon aus, dass der Wald ausgedünnt wird, um einen vernünftigen Aufwuchs des restlichen Bestandes zu gewährleisten, krachen nun Buchen und Eichen in Rekordtempo um. Gestapelte Baumstämme türmen sich in die Höhe und man fragt sich, was das mit Forstpflege zu tun hat“, heißt es in dem Beitrag.

OZ-Bild

Eichen und Buchen fielen auf einer Fläche von mehr als zwei Hektar der Säge zum Opfer / Eigentümer spricht von Wald-Bewirtschaftung

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Schmachter Wald

1500 Festmeter Eichen und Buchen wurden überwiegend im Kahlschlag gefällt.

145 Jahre wurden die Rotbuchen und etwas mehr als 160 Jahre die Stieleichen alt.

Mit Eichen und Fichten sollen die Flächen in den kommenden Monaten wieder aufgeforstet werden.

„Aus dem einst sandigen Weg zum Dorf war ein von riesigen Baumaschinen malträtierter, aufgewühlter ’Übungsplatz’ geworden und der ringsum stehende Wald existiert praktisch nicht mehr“, beschreibt der Fotograf Klaus Ender seine Eindrücke eines kürzlichen Besuchs.

Auch Anwohnerin Nadia Wolf (33) wandte sich an die OSTSEE-ZEITUNG. „Wir sind erschüttert davon, was mit unserem schönen Buchenmischwald passiert“, sagt die junge Mutter. Mit ihrem Mann Crispin Beirau (40) war die gebürtige Berlinerin nach Schmacht gezogen, wo sie vor vier Monaten Töchterchen Marla zur Welt brachte.

Der Wald gehört Bernd Voss, der aus Dortmund stammt, heute in Lancken-Granitz wohnt und den Forstbetrieb Zargelitz gründete. „Ordnungsgemäße Forstwirtschaft setzt eben auch voraus, dass man den Wald bewirtschaftet“, sagt Voss. Er sei einer der wenigen Waldbesitzer der Insel, die mehr aufforsten als abholzen würden. So 60 bis 70000 Pflanzen setze er jedes Jahr auf seinen Flächen. Auch die jetzt von etwa 1500 Festmetern Eichen und Buchen im Kahlschlag befreiten Flächen würden wieder aufgeforstet.

Dabei habe es sich um Rotbuchen im Alter von 145 Jahren sowie Stieleichen im Alter von 160 Jahren gehandelt, weiß Forstamtsleiterin Ricarda Pries. Den Kahlschlag erlaube das Waldgesetz auf einer zusammenhängenden Fläche von nicht mehr als zwei Hektar. Zwar sei die Gesamtfläche des Schmachter Kahlschlags größer, aber eben nicht zusammenhängend, sondern durch die vom Gesetzgeber vorgeschriebene Distanz von mindestens zwei Baumlängen voneinander getrennt. Um diese Trennung nicht zu gefährden, habe das Forstamt mit dem Eigentümer vereinbart, bereits markierte Bäume nun doch stehen zu lassen. Das gilt Anwohnern hingegen als trickreiche Umgehung der Vorschriften.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) würde Kahlschläge am liebsten ganz verbieten, meint Geschäftsführerin Corinna Cwielag. Die Umweltschützer werben für den sogenannten Plenterbetrieb. Dabei würden nur einzelne Bäume in schonenden Verfahren entnommen. „Der Wald ist die nachhaltigste Bodenbedeckungsform in Europa und aus guten Gründen streng geschützt. Wirtschaftlichkeit darf daher keine Priorität haben“, so Cwielag. Der Kahlschlag sei nun weitgehend beendet und in spätestens drei Wochen will Voss auch seiner Verkehrssicherungspflicht nachgekommen sein und die letzten Bäume entlang der B196 gefällt haben.

Anwohner Sascha Klären fühlt sich auch von den Arbeiten selber sowie den Einfriedungen gestört, mit denen die neugepflanzten, jungen Eichen künftig vor hungrigen Rehen geschützt werden sollen. Quasi als Sichtschutz will Voss Fichten pflanzen, die nicht auf dem Speiseplan der Tiere stehen. „Mein Haus ist komplett von Zäunen umgeben“, klagt er. Zudem seien die nach Schmacht führenden Wege kaum befahrbar. „Ich habe deswegen Urlaubern absagen müssen“, so Klären. „Als wir vom Zustand der Wege erfuhren, haben wir gemeinsam mit Ordnungsamt und Feuerwehr den Alarmierungsplan geändert und Binzer Rettungskräfte einbezogen, die über geländegängige Fahrzeuge verfügen“, sagt der Zirkower Bürgermeister Jens Hoyer dazu. „Mit Herrn Voss vereinbarten wir, dass er nach Abschluss der Arbeiten die Wege wieder herrichtet.“

Uwe Driest

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