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Rügen Kahlschlag im Kiebitzmoor: Kranke Bäume müssen weichen
Vorpommern Rügen Kahlschlag im Kiebitzmoor: Kranke Bäume müssen weichen
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01:21 08.11.2016
Anlieger Günter Miersch (2.v.l.) lässt sich von Förster Cornell Kuithan (2.v.r.), Bärbel Krakow (li.) und Sophia Wirbel vom Forstamt Rügen die Gefährdungen erläutern, die seinem Grundstück durch fallende Bäume drohen könnten. Quelle: Uwe Driest

Das zwischen Kiebitzmoor und Birkenweg gelegene Kiefern-Wäldchen wird abgeholzt (die OZ berichtete). Die Gründe dafür stellten Vertreter von städtischem Umweltamt und Forstamt Rügen den rund 60 zum Ortstermin am Sonntagmorgen erschienenen Anwohnern dar. Unter den Zuhörern war auch Anja Ratzke. „Wir wollten die Angelegenheit transparent gestalten, indem wir frühzeitig informieren und so Verständnis und Akzeptanz für die Maßnahme schaffen“, betont die Bürgermeisterin. Der gut 60 Jahre alte, überwiegend aus Kiefern bestehende Wald ist von Wurzelschwammn befallen und hierdurch an Rotfäule erkrankt. Ursache dafür ist auch der Boden, auf dem er steht. Die ehemalige Hausmüll-Deponie war seinerzeit mit Sand aufgefüllt worden, weswegen der Boden einen sehr hohen Ph-Wert aufweise. „Der wiederum führt dazu, dass die Feinde des Pilzes sich nicht entwickeln konnten und er sich großflächig verbreitet“, erklärt Cornell Kuithan vom durch die Stadt mit der Pflege beauftragten Forstamt. Die Folge: Der Pilz griff auf den gesamten gut drei Hektar um sich und führte zum sogenannten „Ackersterben“. Der Wurzelbefall führt dazu, dass die Kiefern keinen Halt haben. „Nach jedem Sturm liegen hier zehn Bäume flach“, bestätigt Ilona Vollbrecht, die schon seit 57 Jahren in der Siedlung wohnt.

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Forstamt klärt bei Ortstermin 60 Anwohner auf / Kiefernwald steht auf Hausmüll-Deponie / Fällung von drei Hektar Wald beginnt Ende des Monats

„Der Bestand im oberen Bereich wird komplett entnommen, im unteren möchten wir möglichst viele der gesunden Exemplare von Bergahorn und Roteiche erhalten“, so Kuithan. Ob sich der Ph-Wert nicht vielleicht erhöhen ließe, indem Kalk zugesetzt würde, wollte Anwohnerin Ingrid Müller wissen. „Man fängt doch beim Hausbau auch nicht am Dach, sondern dem Fundament an.“

Das mache bei bereits stark geschädigten Bäumen keinen Sinn, hält Matthias Bräse, Sachbearbeiter Umwelt der Stadt, entgegen. „Wir wollen einen erkennbar geschädigten Bestand dahin bringen, dass wir später wieder einen gesunden Wald haben.“ Dafür sei die „Umwandlung“ des Waldes unausweichlich und zudem müsse die Lösung „auch wirtschaftlich vertretbar sein“, so Bräse. 750 Festmeter je 35 Euro ergeben Einnahmen von rund 27000 Euro durch die Fällungen. Auf der anderen Seite koste die Wiederaufforstung 7000 Euro je Hektar zuzüglich 1500 Euro je Hektar für die Pflege, „so dass wir bei einem Nullsummen-Spiel landen“, rechnet Matthias Bräse vor.

„Bei der Aufforstung pflanzen wir mehrere Arten von Laubbäumen – darunter Winterlinde und Eiche – damit sich jene durchsetzt, die mit den Verhältnissen am besten zurechtkommt“, erläutert Förster Kuithan. „Und wir werden einen intakten Waldrand herstellen, indem wir Büsche und Wildobstbäume pflanzen.“

Die Abholzung mit dem Harvester beginnt in 14 Tagen und dauert ebenso lange. „Wegen der fehlenden Standsicherheit können wir nicht mit der Handsäge arbeiten“, meint Matthias Bräse. „Die jungen Bäume müssen wir dann drei bis fünf Jahre lang mit einem Zaun vor Wildverbiss schützen.“

Wurzelschwammn und Rotfäule

Der Wurzelschwamm ist eine Pilzart, die bei Bäumen Rotfäule verursacht. Bei Kiefern breitet sich der Pilz nicht im Stamm, sondern an den Wurzeln aus, wodurch der Baum abstirbt. Da er vor allem auf vormals landwirtschaftlich genutzten Flächen auftritt, wird dieser Prozess auch als „Ackersterben“ bezeichnet.

Pilze bestehen neben sichtbaren Fruchtkörpern auch aus einem Myzel (Gefelcht) unter der Erde, das bis zu einem Quadratkilometer groß werden kann.

Uwe Driest

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