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Kameradenzoff: Tischtuch zerschnitten

Garz Kameradenzoff: Tischtuch zerschnitten

Ein Stadtvertreter kündigt Niederlegung von Mandat an. Der Konflikt in der Freiwilligen Feuerwehr Garz setzt sich in Bürgerfragestunde fort.

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Kreiswehrführer Gerd Scharmberg moderierte den Konflikt, der sich in der Stadtvertretung fortsetzte. FOTOS (2): UWE DRIEST

Garz. Dieser Brandherd dürfte noch längere Zeit schwelen. Mit den Ankündigungen eines weiteren Austritts aus der Garzer Wehr sowie der Niederlegung seines Mandats in der Stadtvertretung durch Frank Schultz (Freie Wähler) endete der Versuch einer Aussprache vor der Stadtvertretung. „Ich bin sehr enttäuscht darüber, dass man nicht mehr miteinander reden kann“, begründet Schultz seine Haltung. Dabei hätten er und seine Mitstreiter „immer versucht, besonnen vorzugehen“.

OZ-Bild

Ein Stadtvertreter kündigt Niederlegung von Mandat an. Der Konflikt in der Freiwilligen Feuerwehr Garz setzt sich in Bürgerfragestunde fort.

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Frei nach dem Motto Dienst und Schnaps gehören zusammen, war der Konflikt um das Verhalten von und das Verhältnis zwischen Wehrführer und Jugendwartin eskaliert und hatte zunächst zu gegenseitigen Ausschlussforderungen und letztlich zum Austritt von sieben Kameraden geführt. Drei weitere ließen sich beurlauben (die OZ berichtete). „Entscheidend für die Stadtvertretung sollte nur sein, ob die Wehr weiterhin einsatzfähig ist oder nicht“, meinte am Dienstag Gerd Scharmberg dazu. Der „dienstälteste Kreiswehrführer im Land“ war von Bürgermeisterin Gitta Gohla hinzugebeten worden, um den angekündigten Disput in der Bürgerfragestunde des Gremiums zu moderieren. „Wenn der Wehrführer sagt, die Feuerwehr ist einsatzfähig, kann die Stadtvertretung nichts tun“, so Scharmberg. Alle weiteren Fragen unterlägen der Satzungshoheit der Feuerwehr selber. „Allerdings regeln weder Gesetz noch Satzung die Frage der Sozialkompetenz.“

Er wolle diejenigen, die den Dienst quittiert haben, „nicht außen vor lassen, wenn es zu neuen Gesprächen käme“, allerdings hätten die sich „außerhalb jeder Regelungsmacht begeben“. Meint: Sie können künftig nicht mehr mitstimmen. Der Kreiswehrführer war nicht erfreut darüber, dass schmutzige Wäsche öffentlich gewaschen wurde. Von „Straftat, Befehlsverweigerung, Lüge oder Machtmissbrauch“ war im Vorfeld die Rede gewesen. Streitpunkt war zudem die fehlende Qualifizierung des neuen stellvertretenden Wehrführers. „Das ist schon mehr als böses Blut, das ist schon Hass“, kommentierte das ein Abgeordneter.

Scharmberg würde gern „zu gepflegtem Miteinander und Kameradschaft zurückkehren“. Das wollen die Abtrünnigen zwar auch, fühlen sich aber von dem eloquenten Feuerwehr-Funktionär noch nicht verstanden.

„Die Kuh ist nicht vom Eis. Wir sind ja in der Sache kaum zu Wort gekommen“, meint Jens Göhrike. Der ehemalige Zugführer sollte von der Wehrführung ausgeschlossen werden, nachdem er sich in die Opposition begeben hatte. Dieser Ausschluss wurde allerdings mit 19 zu vier Stimmen abgelehnt, nachdem sich auch Bürgermeisterin Gitta Gohla dagegen ausgesprochen hatte. Das Ausschlussverfahren gegen Göhrike anzustrengen, hält auch Scharmberg nicht für klug. „Aber mit dem Ergebnis wäre ich an Deiner Stelle gestärkt daraus hervorgegangen, statt den Dienst zu quittieren“, so Scharmberg an Göhrike.

Die Kündigungen wären eigentlich unter Vorbehalt erfolgt, meint dazu Ehrenmitglied Herbert Schwenz. Anstatt jedoch das Warnsignal zum Anlass zu nehmen, den Dialog zu organisieren, hätte die Wehrführung die Kündigungen kurzerhand bestätigt. „Wir hätten stattdessen eine Mitgliederversammlung gebraucht, in der alles auf den Tisch kommt“, so Schwenz. Während sich die gekündigten Feuerwehrmänner die Wiederaufnahme eines offenen Dialogs auf einer Mitgliederversammlung wünschen, können sich Wehrführung und Teile der Stadtvertretung offenbar eine Einigung nur noch schwer vorstellen.

Bürgermeisterin Gitta Gohla wähnt sich in einem „Drama-Dreieck“. Gemeint ist ein Konflikt-Muster aus der Psychologie, in dem jemand wechselweise die Rolle von Täter, Opfer oder Retter einnimmt. „Ich würde mich in Zukunft am liebsten aus dem Konflikt heraushalten“, so Gohla. Ob dies das Mittel der Wahl sein kann, steht dahin. Laut Satzung muss eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen werden, wenn mindestens ein Drittel der aktiven Mitglieder die Einberufung schriftlich unter Angabe des Grundes beantragt. Aber auch auf Verlangen der Bürgermeisterin, der laut Gesetz obersten Dienstherrin der Wehr, ist eine Versammlung einzuberufen.

Feuerwehr Garz

28 Kameraden zählte die freiwillige Feuerwehr vor dem Konflikt.

7 Kameraden waren im Verlauf des Konflikts ausgetreten. Drei weitere ließen sich beurlauben.

31 Jahre lang war Stadtvertreter Frank Schultz Mitglied der Feuerwehr, bis er seinen Austritt erklärte. Nun kündigte der Stadtvertreter auch die Niederlegung seines Mandats an.

Mit 19 zu 4 Stimmen wurde der von der Wehrführung beantragte Ausschluss eines Kameraden abgelehnt.

Uwe Driest

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