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„Kampf gegen Vernichtung einer alten Kulturlandschaft“

Bergen/Putbus/Poseritz „Kampf gegen Vernichtung einer alten Kulturlandschaft“

Landwirte sind gegen Ausgleichsmaßnahmen für Gas-Pipeline Nord Stream

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Durch die Vernässung der Mellnitz-Üselitzer Wiek seien bereits Ackerflächen verlorengegangen, klagen Bauern.

Quelle: Foto: Peter Sandbiller

Bergen/Putbus/Poseritz. Zu einem Aufschrei unter Rügener Landwirten führte die Anfrage der Nord Stream 2 AG nach möglichen Ausgleichsflächen auf der Insel Rügen. Für den Bau ihrer neuen Gas-Pipeline durch die Ostsee bis nach Lubmin ist das Unternehmen gesetzlich zum Ausgleich von „nicht vermeidbaren Auswirkungen auf die Umwelt durch Bau und Betrieb“ verpflichtet.

OZ-Bild

Landwirte sind gegen Ausgleichsmaßnahmen für Gas-Pipeline Nord Stream

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Nord Stream 2

Für den Bau der Gaspipeline von der russischen Narva-Bucht durch die Ostsee bis nach Lubmin verlegt Nord Stream zwei Leitungen mit einem Durchmesser von 1,20 Meter und einer Gesamtlänge von 1225 Kilometern.

Die Planungsunterlagen sind nach Ostern in den den Ämtern Bergen, Putbus und Mönchgut oder im Internet unter www.bergamt-mv.de einsehbar.

Solche Kompensationsmaßnahmen müssen „einen langfristigen Mehrwert für Umwelt, Region und Bevölkerung haben“. So versandte die landeseigene Landgesellschaft MV Briefe an die Eigentümer von zusammen fast 3000 Hektar Flächen auf der Insel. Darin fragte sie nach der Bereitschaft, etwa ein Drittel davon zur Verfügung zu stellen. Betroffen sind Bereiche um den Wreecher See bei Putbus, den Ossen nordöstlich von Bergen, die Lobber-See- Niederung sowie die Mellnitz-Üselitzer Wiek bei Poseritz. Dort waren Landwirte schon unzufrieden gewesen, als sie rund 215 Hektar Ausgleichsfläche für den Bau der Rügenbrücke abgeben sollten.

„Mit Entsetzen mussten wir zur Kenntnis nehmen, dass im Zusammenhang mit dem Bau der Pipeline rund 1100 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche in naturnahe Wiesen und Weiden umgewandelt werden sollen“, hieß es in einem Brandbrief, den der Poseritzer Bürgermeister Hans Lange an Ministerpräsident Erwin Sellering sandte. Das seien etwa 40 Prozent der vom örtlichen Landwirt Maik Zilian bewirtschafteten Ackerflächen. „Auf diesen Flächen wird maßgeblich die Gewerbesteuer unserer Gemeinde erwirtschaftet“, so Lange. „Sollte dieses Vorhaben umgesetzt werden, ist der Fortbestand der Agrarprodukt Poseritz GmbH in Gefahr und eine junge Unternehmerfamilie wird in den finanziellen Ruin getrieben.“ Die Poseritzer würden Bürgerbegehren ins Leben rufen, die IHK mobilisieren, die drei Rügener Landtagsabgeordneten und Bundeskanzlerin Angela Merkel „in unseren Kampf gegen die Vernichtung einer in Jahrhunderten gewachsenen Kulturlandschaft einbinden“.

Einer der sowohl Landtagsabgeordneter und Landwirt als auch Bürgermeister einer Gemeinde ist, sieht die Situation nicht ganz so drastisch. Zwar möchte auch Holger Kliewe (CDU) verhindern, „dass künftig wertvolle Ackerflächen als Wald oder Grünland genutzt werden, nur, weil die Ökopunkte-Verordnung dafür die meisten Punkte ausspuckt“. Die Verordnung gehöre überarbeitet, „damit auch andere Möglichkeiten, Naturausgleich umzusetzen, in Betracht kommen“. Dafür will er sich nun in Gesprächen mit Nord Stream stark machen. „Wir sollten ein Konzept aushandeln, das auch Modelle wie die Umsetzung des Rügener Alleen-Konzepts oder die Förderung biologischer Landwirtschaft umfasst“, so Kliewe.

Die zehn Ordner mit den Planungsunterlagen liegen nach Ostern in den betroffenen Ämtern Bergen, Mönchgut und Putbus zur Einsicht aus. Etwaige Einwendungen gegen das Vorhaben müssen bis Ende Mai beim Bergamt Stralsund eingehen. Möglich sind dabei auch Sammeleinwendungen unter einem gleichlautenden Text.

Beatrix Wilke, Bürgermeisterin von Putbus, wendet sich in einem Brief an Umweltminister Till Backhaus ebenfalls gegen die Umwidmung landwirtschaftlicher Flächen. „Rügen ist durch den Bau der Rügenbrücke und der B96n bisher schon sehr stark von Bau- und Kompensationsmaßnahmen betroffen“, schreibt Wilke. Dabei gebe es auf der Insel „eine Vielzahl an Altlasten mit umfangreichen Versiegelungen, deren Beseitigung und die darauf folgende Renaturierung dringend erforderlich wären“. Sie sei auch überrascht, „dass das Thema Renaturierung Wreecher See und Umfeld sowie die damit verbundenen Erschließungsprobleme der Orte Wreechen, Neukamp und Altkamp in keinster Weise berücksichtigt wurden“, so Wilke weiter. Im Rahmen der Maßnahme könnte zudem sowohl der Zufluss aus dem Schwanenteich der Stadt als auch der Abfluss in den Rügenschen Bodden neu geregelt werden.

Malte Preuhs würde es sogar „ausdrücklich begrüßen, wenn Nord Stream sich in unserem Bereich engagiert“. Der Vorsitzende des Landschaftspflegeverbands Rügen (LPV) wunderte sich zwar ebenfalls über den Tonfall im Schreiben der Landgesellschaft und auch die Frist von einer Woche sei unrealistisch kurz gewesen, aber von „Enteignungen kann keine Rede sein und die Landwirte haben keine finanziellen Einbußen“, so Preuhs. Am Ossen könne ein Programm extensiver Beweidung und Aufforstungen auf 400 Hektar einen touristischen Höhepunkt schaffen . Auch in der Lobber-See-Niederung verfüge sein Verband über viele Flächen. „Deren naturnahe Aufwertung hätten wir allein niemals finanziert bekommen“, so Preuhs.

Uwe Driest

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