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Kampf gegen die Knast-Schmuggler

Stralsund Kampf gegen die Knast-Schmuggler

Gieselheid Gruel überwacht mit ihren Leuten die Mauern der JVA Stralsund.

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Sicherheitschefin Gieselheid Gruel durchleuchtet mit einem Röntgengerät wie an einem Flughafen ein Paket, bevor es ins Innere der JVA Stralsund gelangt.

Quelle: Fotos: Elisabeth Woldt

Stralsund. Eine meterhohe Mauer, Stacheldraht, überall Kameras: Die JVA Stralsund ist so abgeriegelt wie kaum ein anderer Ort in der Hansestadt. In der Sicherheitszentrale im oberen Stockwerk flimmern die Überwachungsbilder von Gängen, Gittern und Höfen über etliche Bildschirme. Die Fenster sind zugezogen — kein Gefangener soll sehen können, was im geheimsten Raum des Gefängnisses vor sich geht. Auch die OSTSEE-ZEITUNG darf keine Fotos machen — Sicherheitschefin Gieselheid Gruel ist da rigoros. „Das wäre sonst eine direkte Anleitung zur Flucht. Zum Glück hat es bis heute noch keinen Fluchtversuch aus dem geschlossenen Vollzug gegeben“, sagt sie.

Die 56-Jährige ist die Königin in dieser Sicherheits-Burg. Sie und ihre Gefolgschaft überwachen beide Seiten der Gefängnismauer. Die innere Seite, damit kein Häftling fliehen kann. Und die äußere, damit keine Waffen und Drogen in das Gefängnis gelangen. „Wir müssen die Allgemeinheit vor den Häftlingen schützen, aber auch die Gefangenen vor sich selbst.“ Den Fehler, die kleine, drahtige Frau bei dieser Aufgabe zu unterschätzen, macht jeder Insasse nur einmal — Gieselheid Gruel ist seit über zwei Jahrzehnten dabei und kennt die Methoden der Schmuggler.

Alle Pakete für die Gefangenen müssen zunächst ein Röntgengerät durchlaufen, ähnlich wie an einem Flughafen. Die Sicherheitschefin zeigt eine Kaffeepackung, die den Beamten bei dieser Prozedur aufgefallen war. Obwohl sie sich von außen wie gewöhnliche Ware aus dem Supermarkt anfühlt, stellt sich bei näherer Untersuchung heraus, dass sie mit einer passgenau gefertigten Holzbox gefüllt ist — worin wiederum ein Handy versteckt ist. „Mobiltelefone sind bei uns strengstens verboten. Damit lassen sich ganze Gerichtsprozesse beeinflussen — zum Beispiel, indem Zeugen eingeschüchtert werden“, sagt Gieselheid Gruel. Als die Sicherheitschefin im Jahr 1992 ihre Aufgabe antrat, war sie eine der ersten Frauen in diesem Beruf. Das hat sich mittlerweile geändert. Zwar sind in der JVA Stralsund nur Männer inhaftiert, sie müssen sich aber von immer mehr Frauen einsperren lassen. Gieselheid Gruel glaubt sogar, dass ihre Kolleginnen im Vorteil sind. „Frauen werden weniger beleidigt, da ist die Hemmschwelle größer“, erklärt sie.

Trotz der strengen Vorkehrungen findet Schmuggelware immer wieder ihren Weg in die Anstalt. Besonders die sogenannten Mauerwürfe stellen die JVA-Beamten vor Probleme. Fast rund um die Uhr fliegen von draußen Päckchen, gefüllt mit Drogen, Anabolika und Handys, über den Wall. Gieselheid Gruel zeigt Bilder von Spritzen, Fläschchen und Mobiltelefonen, einige eingewickelt in grüne Blätter, die auf dem Rasen neben der Gefängnismauer kaum zu erkennen sind. Selbst Hefe wird heiß gehandelt, weil damit in den Zellen illegal Schnaps gebrannt werden kann. „Wir haben Drogensüchtige bei uns, die ohne nicht können. Es beschäftigt mich sehr, dass trotz unserer Bemühungen noch Pakete durchkommen.“

Das Gefängnis setzt deshalb darauf, die Insassen nicht einfach einzusperren, sondern auch zu erziehen. Wer sich drinnen an die Regeln hält, bekommt gelegentlich das eine oder andere Privileg — und macht womöglich auch nach der Entlassung keinen Ärger mehr. „Wem nützt es, wenn wir Straftäter wegsperren, und danach geht alles wieder von vorne los?“

 



Alexander Müller

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