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Rügen Karsten Schneider will Bürgermeister bleiben
Vorpommern Rügen Karsten Schneider will Bürgermeister bleiben
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16:10 16.02.2018
Karsten Schneider (Pro-Binz) ist seit sieben Jahren Bürgermeister von Binz und stellt sich wieder der Wahl. Quelle: Herold Gerit
Binz

Interview mit Karsten Schneider, Bürgermeister von Binz

Warum treten Sie wieder an?

Schneider: Weil noch nicht alles erfüllt wurde, was ich mir in den sieben Jahren vorgenommen hatte. Das war auch nicht zu schaffen. Aber die Saat ist ausgesät und ich möchte bei der Ernte der Früchte dabei sein. Das Amt macht vorwiegend noch Spaß, aber es ist auch eine große Herausforderung, zum Beispiel die Entwicklung von Prora und des MZO-Geländes und ganz besonders die des EWE-Geländes.

Wenn Sie zurückblicken, worauf sind Sie am meisten stolz?

Schneider: Dass im letzten und vorletzten Jahr unsere drei kommunalen Haushalte in der Gemeinde, Kurverwaltung und Wohnungsverwaltungs GmbH äußerst positiv waren. Wir haben noch nie so viele Fördermittel aquiriert wie momentan und noch nie für soziale Dinge wie Schule, Kindergarten und Vereine in den Größenordnungen investiert wie seit zwei Jahren. In diesem Jahr werden wir weit über zehn Millionen Euro ausgeben für Rettungstürme in Prora, den Bau der Turnhalle und des Vereinsgebäudes und den Ausbau der Zinglingstraße. Nimmt man noch die privaten Investitionen, ist das europaweit einmalig. Allerdings ist das Wachstum der Ferienbetten nicht unproblematisch. Da ist eine berechtigte Angst da.

Was war für Sie in den letzten Jahren am prägendsten?

Schneider: Der erste wichtige Punkt war in der Anfangsphase die Auseinandersetzung mit der BImA (Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, Anm. d. Red.) hinsichtlich des MZO-Geländes. Die Gemeinde hatte das Grundstück verbilligt gekauft und sollte es verwerten, was nicht der Fall war. Deshalb drohte eine Vertragsstrafe von 20 Millionen Euro. Es konnte ein Kompromiss gefunden werden, was ich mir persönlich auf die Fahnen schreibe, denn es hatte keine Gespräche mehr mit der Bima gegeben. Wo ich beim zweiten Punkt bin: das erste Treffen mit der Bundeskanzlerin in Binz 2011 zum  Kennenlernen. Dabei habe ich das Thema angesprochen. Schließlich gab es  eine Einigung mit der BImA.

Binz hat zwei Millionen gezahlt und kann das Grundstück nun frei verwerten.

Schneider: Jetzt bauen wir die Turnhalle und beginnen mit der Vermarktung. Ich  hätte nie gedacht, dass es 26 Jahre dauern wird, aber  es hat am Beschluss gefehlt.

Was steht bei einer Wiederwahl noch auf ihrem Zettel zum abarbeiten?

Schneider:  Zum Beispiel die Verbesserung des Verkehrskonzeptes, wo wir jetzt final dabei sind. Die Schaffung von bezahlbarem kommunalen Wohnraum ist noch offen. Wir sind auf dem guten Weg mit Grundstücken für Ein- und Zweifamilienhäusern am Alten Sportplatz. Doch  die Gemeinde hat wenig  Grundstücke und kann sich nicht ausdehnen. Auch die Granitzhalle ist noch nicht realisiert. Bisher fehlen noch  Beschlüsse und es braucht natürlich auch Fördermittel. Auch ist der Standort vom MZO- zum EWE-Gelände gewechselt.

Hat die Amtszeit Sie verändert?

Schneider: Ja, ich habe zugenommen (lacht).  Ansonsten bis ich misstrauisch geworden, was manchmal nicht gerechtfertigt ist. Ich erschrecke selbst oft, weil ich das früher von mir nicht kannte. Ich bin  ein positiv denkender Mensch, der auf andere zugeht. Ich bin ernster geworden,  arbeite aber dran, meine Leichtigkeit und Fröhlichkeit wiederzubekommen. Man hat aber auch viel Verantwortung und viele schlaflose Nächte – nicht wegen politischer Angriffe, sondern ob die Entscheidung die richtige war und welche Folgen sie hat. Manche Entscheidung ist auch falsch.

Sind Sie ein Alleinentscheider?

Schneider: Ich bin kein Bauchentscheider, weil das nur zufällig gut ist. Ich bespreche mich mit einem bestimmten Kreis, mit Mitarbeitern im Haus. Und bestimmten Freunden, die mir mit Rat und Tat zur Seite stehen. Aber am Ende bin ich es, der Verantwortung übernimmt.

Sie sind als parteiloser Einzelkandidat ins Amt gestartet und seit ihrer Gründung 2013 in der Wählergemeinschaft Pro-Binz, die seit 2014 im Gemeinderat die meisten Sitze hat. Der „Wechsel“ hat einigen nicht gefallen. Sie werden immer wieder scharf kritisiert – auch öffentlich. Ist das politische Klima ist rauer geworden?

Schneider: Ist das nicht überall zu verzeichnen? Wir müssen wieder zu mehr Sachlichkeit kommen. Das eigene Wohl darf nicht vor dem Gemeindewohl stehen, sondern umgekehrt. Aber das Klima war schon rauer in Binz.

2015 als sie fast hinschmeißen wollten...Die Einführung der Binzer Einwohnerkurkarte im letzten Jahr wurde von einigen als vorfristiges Wahlgeschenk bezeichnet. Ärgert Sie das?

Schneider: Nein. In sechseinhalb Jahren ist mein Fell dicker geworden, das anfangs dünn war. Es gab Zeiten, da hatte ich Angst, die Zeitung aufzuschlagen. Aber ich habe ein Sportlerherz und wurde auch von anderen ermutigt. Ich bin ja auch wie die Jungsfrau zum Kind gekommen und wusste nicht, wie Kommunalpolitik funktioniert. Ich wollte meine Wahlziele durchsetzen und hatte mir das einfacher vorgestellt. Mir war nicht klar, dass einem hauptamtlichen Bürgermeister so die Hände gebunden sind, er hat ja nicht einmal eine Stimme in der Gemeindevertretung. Auf der Straße fragen mich die Bürger, warum Bestimmtes nicht gemacht wird und sagen: Dafür haben wir Dich gewählt.

Ein Bürgermeister ist nicht allein verantwortlich für die Entwicklung des Ortes, aber er kann Impulse geben. Die Pläne für die Marian in Prora sollen Sie maßgeblich vorantreiben, heißt es...

Schneider: Was heißt vorantreiben, ich finde sie gut. Das heißt nicht, dass wir die Marina bauen. Aber wir müssen uns damit beschäftigen und alles prüfen, sonst kommt das immer wieder auf uns zu, wenn wir es jetzt nicht abarbeiten. Wir wollen keine Entscheidung, die für den Ort schlecht ist. Man muss untersuchen, wie sich die Marina auf die Binzer Bucht auswirkt und was mit den Strömungsverhältnissen ist. Wenn dies negativ ausfällt, muss man das Vorhaben fallen lassen.  Der zweite Gedanke ist ein nachhaltiger Betrieb, damit es keine Investruine wird. Die Marina könnte eine prägende Funktion haben, die Prora braucht.

Die Debatte um die Tourismuszentrale Rügen dauert an. Mehr Zusammenarbeit, mehr „Wir sind Insel“ wird gefordert. Was ist dabei Binz’ Rolle?

Schneider: Ich war vom ersten Tag an als Bürgermeister dafür, dass Binz sich öffnet und Verantwortung für die Insel übernimmt, weil wir das größte Ostseebad sind. Aber es dies hat auch  Grenzen.  Ich sehe das wie mit Deutschland und Europa, das eine führende Rolle hat, aber nur in der Gemeinschaft in der Weltpolitik und -wirtschaft bestehen kann. Die Zukunft der Insel liegt in der gemeinsamen Stärke. Und zwar immer und nicht  nur, wenn die Not  in schlechten Jahren verbindet. Für die Not müssen wir  gewappnet sein und jetzt die Weichen stellen. Allen ist das klar. Andere werben auch mit der Region. Ein Meilenstein ist die Partnerschaft von Binz mit Kühlungsborn, Heringsdorf und Zingst. Wenn wir vier Ostseebäder mit einem Drittel der Urlauber von MV einen Brief an die Ministerpräsidentin schreiben, hat das schon eine Wirkung.

Können Sie sich noch an das Gefühl erinnern, als Sie zum ersten Mal die Amtskette umhatten?

Schneider: Ja, das war ein sehr emotionaler Moment, das hängt aber auch auch mit der Verantwortung zusammen. Es ist schon ein tolles Gefühl, Bürgermeister von Binz zu sein. Die Reputation außerhalb von Rügen ist schon gewaltig, unabhängig von meiner Person. Ich bin immer ein sehr gefragter Gesprächspartner, alle kennen Binz. Das ist schon was!

Wenn es mit der Wiederwahl nicht klappt, gehen Sie dann in den Schuldienst zurück?

Schneider: Der Plan ist, die Wahl zu gewinnen.

Hintergrundinformationen: Bisher noch keine weiteren Bewerber, Frist endet im März

Der Termin für die Wahl des hauptamtlichen Bürgermeisters ins Binz steht: Sie findet gemeinsam mit der Landratswahl am 27. Mai statt. Darüber hatten sich die Gemeindevertreter auf ihrer Sitzung im Dezember verständigt. Christian Mehlhorn von der Wählerinitiative Bürger für Binz (BfB) hatte den Antrag gestellt, die Stelle des Bürgermeisters „überregional öffentlich“ auszuschreiben. Dies wurde mehrheitlich abgelehnt. Dennoch erfolgt eine Ausschreibung, weil es laut Kommunalverfassung keiner Abstimmung durch die Gemeindevertretung bedarf, sobald eine Fraktion oder ein Viertel der Gemeinderatsmitglieder einen Antrag zur Ausschreibung stellt. Bei mehreren Bewerbern ist eine eventuelle Stichwahl für den 10. Juni angesetzt. Doch bisher hat sich bis auf Karsten Schneider noch keiner weiter öffentlich bekannt. In Binz geht die Runde, dass es weitere mögliche Kandidaten geben soll. Am 13. März endet die Bewerbungsfrist.

CDU und SPD bisher ohne Kandidaten

Die CDU-Fraktion schickt bisher keinen eigenen Kandidaten im Rennen. „Ich wurde von der CDU-Ortsgruppe und mehreren Leuten gefragt, aber ich habe abgelehnt“, sagt deren Chef Ulf Dohrmann. „Ich habe zu viele andere Aufgaben“, begründet der Unternehmer. Von der Ausschreibung und weiteren Gesprächen werde es abhängen, ob die SPD einen Kandidaten stellt oder unterstützt, erklärt Fraktionsvorsitzender Ralf Reinbold. Er selbst stehe trotz mehrerer Anfragen nicht zur Verfügung. „Die zeitintensiven Verpflichtungen im Beruf und in den Ehrenämtern stehen dem entgegen“, so der Rechtsanwalt. Der zweifache Familienvater ist Vorstandsvorsitzender des 1. FC Binz und Vorsitzender des Binzer Feuerwehrfördervereins.

Linke wollen vorraussichtlich Schneider stützen

„Mir ist bisher nicht bekannt, ob jemand kandidiert“, sagt Roland Rambow von der BfB. Er werde es nicht tun. „Mir fehlt die Zeit dazu“, begründet der Reisebüroinhaber, der vor sieben Jahren kandidiert hatte. Die beiden fraktionslosen Gemeindevertreter Manuela und Dietrich Tomschin ziehen keine Bewerbung in Erwägung. „Aus Altersgründen“, so Dietrich Tomschin. Die Linke wird ebenfalls keinen Kandidaten stellen. „Wir haben uns noch nicht endgültig entschieden, aber es mehren sich die Stimmen, den jetzigen Bürgermeister zu unterstützen“, so Fraktionsvorsitzender Karl-Heinz Olschewski.

Klares Wahlergebnis im Jahr 2011

Am 5. Juni 2011 war Karsten Schneider mit 74,07 Prozent der abgegebenen Stimmen zum Bürgermeister von Binz gewählt worden. Der parteilose Rechtsanwalt Andreas Bachmann (für die FDP) erreichte 16,68 Prozent, der Reiseverkehrskaufmann Ronald Rambow (für die Wählerinitiative für Binz) 9,25 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag seinerzeit bei 52,4 Prozent.

Herold Gerit

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