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„Kaufhaus Jasmund“: Die Türen schließen für immer

Sagard „Kaufhaus Jasmund“: Die Türen schließen für immer

Christine Petzsch hat 1993 das ehemalige Landwarenhaus übernommen / Doch der Konkurrenzdruck ist zu hoch / Jetzt läuft der Ausverkauf

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Sagard. „Du spinnst wohl“, hatte Christine Petzsch noch am Abend zu ihrem Mann gesagt, als er ihr vorschlug, das zum Verkauf stehende Landwarenhaus von Sagard zu übernehmen. Doch als sie am nächsten Morgen ihre Augen aufschlug, stand ihr Entschluss fest: Sie würde Herrin im eigenen Laden werden. 23 Jahre lang führte die agile Sagarderin das „Kaufhaus Jasmund“, wie das Geschäft seit 2008 heißt. Doch nun ist Schluss, der finale Ausverkauf läuft: „Irgendwann kommt der Punkt, da lohnt es sich nicht mehr“, stellt die 56-Jährige sachlich fest. Die gebürtige Magdeburgerin sieht dennoch optimistisch in die Zukunft: „Es hat viel Spaß gemacht“, sagt sie. „Wenn der Räumungsverkauf, die Umbauten des Geschäftes und die Vermietung der Räume abgeschlossen sind, werde ich mir etwas Schönes suchen“.

Christine Petzsch kann so leicht nichts erschüttern, hat sie doch im Laufe ihres Lebens gelernt, immer wieder neu anzufangen. Der Arbeit wegen war die gelernte Verkäuferin und studierte Ökonomin 1983 mit ihrem Mann Wolfgang nach Rügen gezogen: Während er als Bauingenieur beim Pionier-Bau-Bataillon Mukran beschäftigt war, arbeitete Christine neben dem Fernstudium dort als Zivilbeschäftigte.

Tochter Anke war bereits 1980 auf die Welt gekommen, das zweite Kind, Dörte, wurde 1985 geboren. 1987 wechselte die junge Mutter zur Konsumgenossenschaft Kreis Rügen in Bergen und arbeitete dort anfangs als Handelsbereichsleiterin. Ein knappes Jahr später wurde sie in den Vorstand der Konsumgenossenschaft Rügen berufen. Die Wendezeit hat sie als völligen Umbruch erlebt. Alles war neu. „Wir mussten uns plötzlich fragen, wo die Ware herkommt, und wie das mit den Banken läuft“, erläutert die Geschäftsfrau.

Nach dem Zusammenschluss der Genossenschaften zur KG-Nord e.G. war Christine Petzsch gerade einmal vier Wochen arbeitslos, da fiel ihr auch schon etwas Neues ein: Als selbstständige Großhändlerin für Kunstgewerbe und Haushaltswaren belieferte sie bald an die 150 Geschäfte mit Thüringer Glas, Gegenständen aus indischem Messing und neben vielen anderen Dingen auch mit Kristall.

„Damals hat man alles verkaufen können“, erinnert sie sich. Währenddessen arbeitete Mann Wolfgang wieder in seinem alten Beruf als Bauingenieur auf Arbeitsstellen in aller Welt. Seine derzeitige in Berlin ermöglicht es dem Paar, sich zumindest an den Wochenenden zu sehen.

Nach der Übernahme des seit 1960 bestehenden Landwarenhauses und umfangreichen Renovierungen beließ die neue Inhaberin 1993 das Sortiment erst einmal so, wie es die Kunden gewohnt waren: Im Obergeschoss gab es Schuhe zu kaufen, dort befand sich auch ihre Wohnung. Im Parterre waren die Abteilungen für Haushaltswaren, Schreibwaren, Drogerie- und Kosmetikartikel, sowie Spielzeug untergebracht. Lediglich kunstgewerbliche Artikel, Uhren und Schmuck bot Petzsch nun zusätzlich an.

Einen spürbaren Einbruch erlebte das Geschäft 2008 mit Eröffnung des Kaufhauses Stolz an der Glower Straße. „Damals mussten wir auch noch unsere Hinweisschilder von der Straße wegnehmen“, erklärt die zweifache Großmutter. „Trotzdem haben wir im Jahre 2012 nochmals investiert, das Erdgeschoss ausgebaut und alle Waren auf einer Etage untergebracht.“ Dennoch verbuchte ihr Kaufhaus immer weniger Gewinn.

Das Ausbleiben der Laufkundschaft, das Internet und die Discounter schadeten dem Geschäft zusätzlich. Da nützten weder das qualitativ hochwertige Angebot noch der Kundenservice oder Verkaufsveranstaltungen wie Ranzen-Partys etwas. „Wenn man nur noch mit Aldi, Lidl & Co. verglichen wird, macht es keinen Spaß mehr.“ Petzsch bedauert, dass viele Kunden „den Blick für Qualität“

verloren hätten. Andere seien dem Irrtum erlegen, dass ein kleines Kaufhaus wie das ihre immer teurer sei als große Märkte.

Gleichwohl ist sie sicher, mit der gewonnenen freien Zeit nach Schließung des Kaufhauses auch etwas anfangen zu können: „Ich male sehr gerne“, gesteht sie. Ein anderes Hobby hat sie allerdings aus gesundheitlichen Gründen an den Nägel hängen müssen: Zehn Jahre lang war sie wie ihr Mann begeisterte Fliegerin. Beide sind Mitglied im Aero-Club Rügen.

Susanna Gilbert

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