Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rügen Kein Schlafwürfel mehr auf der Seebrücke
Vorpommern Rügen Kein Schlafwürfel mehr auf der Seebrücke
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:00 09.10.2018
Für vier Wochen stand die Mini-Schlafbox im August und September auf der Selliner Seebrücke. Für 14 Nächte wurde es gebucht. Quelle: Herold Gerit
Sellin

Es sieht aus, als wäre ein Ufo gelandet. Zwölf Kubikmeter groß ist der wetterfeste Schlafwürfel mit Panoramafenstern. Der futuristische „Slepp Cube“ steht unter freiem Himmel oder in Einrichtungen an außergewöhnlichen Orten. Dort, wo sonst normalerweise niemand schlafen könnte, lädt er Menschen zum Übernachten ein. Am Meer, auf Dachterrassen, im Brüder Grimm Haus oder auf einer Alpaka-Farm. Auch auf der Selliner Seebrücke stand er im August und September für ein paar Wochen. 14 Übernachtungen wurden gebucht, ab 110 Euro die Nacht. Doch eine Zweitauflage wird es wohl nicht geben. Die Mitglieder des Tourismusausschusses der Gemeindevertretung haben dem Sleeperoo auf ihrer jüngsten Sitzung eine Absage erteilt. Sie haben einheitlich gegen den Vorschlag gestimmt, einen Kooperationsvertrag für das kommende Jahr auf den Weg zu bringen.

Kurdirektorin Adriana Zawisza hatte vor der Abstimmung darauf verwiesen, dass der Schläfwürfel medial einen großen Zuspruch erfährt und einen enormen Werbefaktor für das Ostseebad hätte. Der Würfel sei nominiert für verschiedene hochkarätige Preise. In der Tourismusbranche wird die mobile Schlafbox überschwänglich gepriesen in Sachen Innovation und Nachhaltigkeit. Auf der ITB in Berlin hatte sich das Unternehmen Sleeperoo GmbH auf Einladung des Landes MV präsentiert und Anfragen aus der ganzen Welt erhalten. TV- und Radiosender berichten aus dem Sleeperoo Cube von der ITB. Über diesen hatte kürzlich der australische Verlag Lonely Planet für Reiseführer informiert und auch die Schlafmöglichkeit auf dem Selliner Wahrzeichen erwähnt.

Doch in Sellin überwiegt die Skepsis. Das Bild der Seebrücke sei gestört, der Schlafwürfel könnte besser auf einer Plattform am Strand stehen, meinte Ausschussmitglied Thomas Dorissen. Dem Hotelier ist zudem der Zeitraum von Juni bis Oktober zu lange, in dem der Schlafwürfel im nächsten Jahr aufgestellt werden sollte. Das Mini-Schlafzelt hatte zuerst weiter vorne auf dem Seesteg und dann unmittelbar am DLRG-Wchturm gestanden. „Kaum sichtbar“, befand die Kurdirektorin. Wo der genaue Standort war, wussten selbst einige Ausschussmitglieder nicht.

„Was bringt uns das Zelt?“, fragte Ausschussmitglied Alexander Schulz. Die Seebrücken-Crew kümmerte sich um die Gäste, übernahm den Schläfer-Check-in und sorgte für saubere Bettwäsche und Waschmöglichkeiten. Dafür war eine Provision von 20 Prozent vereinbart worden. Zu wenig für diesen Aufwand, befand der Ausschuss. Größter Knackpunkt sei aber eine fehlende baurechtliche Genehmigung, räumte Bürgermeister Reinhard Liedtke ein. Bei der Sleeperoo-Premiere im Sommer habe man sich in einer Grauzone bewegt. Nachahmer für diesen „Schwarzbau“ werden befürchtet.

Für Sleeperoo-Geschäftsführerin Karen Löhnert ist dies nicht nachvollziehbar. An anderen Orten gebe es diesbezüglich keine Probleme. Bei den Standorten sei auch eine weitere Seebrücke dabei, die im Ostseeheilbad Großenbrode in der Lübecker Bucht. Da der Schlaf-Cupe mobil ist, sei eine baurechtliche Genehmigung nicht notwendig, so Löhnert. Die frühere Geschäftsführerin des Jugendherbergswerkes MV hatte 2016 Sleeperoo als Start-up gegründet und ein Jahr später daraus eine GmbH gemacht. Der Firmensitz wurde dann von Schwerin in ihre Heimatstadt Hamburg verlegt. Bei Sleeperoo wird auf Nachhaltigkeit gesetzt. Die Schlafbox mit ihrer Sojaölkernmatratze (1,60 mal 2 Meter) bietet Platz für zwei Personen mit Kind. Zum Ambiente gehören Schafschurwolldecken, stromsparende LED-Beleuchtung, eine kleine Auswahl an Knabbereien und Getränken. Mit besonderen Erlebnisnächten eine Auszeit vom Alltag zu nehmen, Emotionen zu wecken und die eigene Heimat neu zu entdecken, ist die Idee.

Die offensichtlich den Nerv trifft. Denn Pop-up-Projekte liegen voll im Trend. Jetzt ist auch eine große Hotelkette mit ins Boot gestiegen, nachdem Sleeperoo sich kürzlich in der Vox-Fernsehsendung „Die Höhle der Löwen“ vorgestellt hatte. Jurymitglied Dagmar Wöhrl, Dormero Hotel AG, biss an. Dormero (derzeit 21 Hotels) steigt mit 200000 Euro für 24,9 Prozent bei Sleeperoo mit ein.

Zufriedene Gäste wirken als Multiplikatoren und werden begeistert über ihren Übernachtungsort berichten, ist sich Karen Löhnert sicher. Auch Sellin soll dabei sein – vom 14. April bis 14. Oktober nächsten Jahres ab 160 Euro die Nacht. Karen Löhnert hofft, dass dieses Angebot von der Sleeperoo-Internetseite nicht wieder herunter genommen werden muss. „Sellin ist für Sleeperoo weiterhin eine wichtige Location.“ Im November werde das Unternehmen voraussichtlich in den Selliner Tourismusausschusss eingeladen, um noch einmal selbst alles zum Thema vorzutragen.

Herold Gerit

Die besten Modellflieger der Welt treffen sich im Norden der Insel. 21 Nationen sind angemeldet. Geschwindigkeiten bis 150 Kilometer pro Stunde sind möglich.

09.10.2018

Die besten Modellflieger der Welt treffen sich im Norden der Insel. 21 Nationen sind angemeldet. Geschwindigkeiten bis 150 Kilometer pro Stunde sind möglich.

09.10.2018

Die Insel setzte sich auch gegen Stralsund durch. Vitte wird zentraler Festplatz. Rügen soll eingebunden werden.

08.10.2018