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Rügen Keine Liebe für den Held und Vollbeschäftigung im „Störti“
Vorpommern Rügen Keine Liebe für den Held und Vollbeschäftigung im „Störti“
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19:36 08.02.2019
Während Klaus Störtebeker (Alex Koll, 3. v. l.) in Liebesdingen leer ausgeht, erlebt Goedeke (Alexander Hanfland, l.) diesmal eine Romanze. Quelle: Jens-Uwe Berndt
Ralswiek

Wenngleich spektakuläre Besetzungswechsel bei den Störtebeker Festspielen in diesem Jahr ausbleiben, erlebt die Saga trotzdem eine kleine Sensation: Der Titelheld, dargestellt von Alexander Koll, geht in Liebesdingen diesmal nicht nur leer aus. Vielmehr ist es sein Kamerad in Freud und Leid, Goedeke Michels (Alexander Hanfland), der sich bis über beide Ohren verknallt und eine echte Romanze erlebt. „Nach dem tragischen Tod seiner Geliebten aus dem ersten Stück ist die Abstinenz einer neuen Partnerin für Klaus Störtebeker nachvollziehbar“, sagt Anna-Theresa Hick, Mitgeschäftsführerin der Festspiele. „Das hat auch Alex Koll so akzeptiert.“ Lediglich die Besetzung ist noch nicht klar. Die Intendanz hat zwar eine Schauspielerin im Fokus, ob es allerdings zu einem Vertragsabschluss kommt, ist bisher noch ungewiss.

Stehender Applaus am Samstag für die 150 Mitwirkenden auf der Naturbühne in Ralswiek auf Rügen. „Ruf der Freiheit“ lautet der Titel des diesjährigen Stücks.

Neu ist Krista Birkner, die Königin Margarete verkörpern wird. Birkner (51) ist eine Vollblut-Theaterschauspielerin. Kino- und TV-Rollen hat die in Berlin Lebende wenige in ihrer Vita. Dafür gab sie gewichtigen Bühnenfiguren ihr Gesicht. Sie spielte in „Faust I und II“, war in Kafka- und Brecht-Stücken besetzt, spielte in Schillers „Kabale und Liebe“ oder Lessings „Nathan, der Weise“. Das Bühnenbild bei „Schwur der Gerechten“ (Start 22. Juni) wird wie vergangenes Jahr angekündigt tatsächlich nur einen Schauplatz präsentieren – nämlich das belagerte Stockholm. Auf der einen Seite werden Szenen in der Festung gespielt, die andere Seite ist das Feldlager der Belagerer.

Vollbeschäftigung im Restaurant

Neues auch hinter den Kulissen: Anna-Theresa Hick spricht von einer umgekrempelten Kostümabteilung. Darüber hinaus haben die Angestellten des Restaurants „Zum Störti“ erstmals seit 25 Jahren keine Saisonverträge mehr. „Hier sind ab diesem Jahr alle vollbeschäftigt“, sagt Restaurant Manager Michael Berger. „Es wird heute in unserer Branche soviel über Fachkräftemangel geklagt, allerdings bietet die Branche auch zu wenig. Meist sind es nur Saisonverträge, weshalb gute Leute woanders hingehen.“ Das will Berger vermeiden, steht und fällt eine funktionierende gastronomische Einrichtung doch nicht zuletzt mit den darin arbeitenden Leuten.

Die Gaststätte hatte im letzten Jahr erstmals eine neue Strategie gefahren. Tägliche Öffnungszeiten, Unterhaltungsveranstaltungen, neue Speisekarte. „Das wurde gut angenommen“, sagt Berger. „Obwohl wir weniger Publikum hier hatten als in der Saison 2017, hatten wir im Vergleich einen gleichbleibenden Umsatz.“ Für 2019 ist der Manager sehr zuversichtlich. Vor allem auch, weil all die notwendigen Investitionen getätigt wurden und jetzt weniger an Ausgaben, als vielmehr an Einnahmen gedacht werden kann. „Unsere Feiertags-Events haben sich bewährt“, sagt Michael Berger weiter. „So sind die Plätze für das Osterangebot vollständig ausgebucht. Auch unsere Frauentagsfeier erlebt einen enormen Ansturm.“ Damit habe er gar nicht gerechnet, als die Veranstaltung auf Anraten von Anna-Theresa Hick mit ins Angebot aufgenommen worden war. „Mittlerweile sind bereits 120 Bestellungen eingegangen. Und tatsächlich alles Frauen“, grinst Berger.

Spezielle Feste und Ü-30-Partys beim „Störti“

Valentinstag, Muttertag, Herrentag – im „Störti“ soll es jedes Mal spezielle Feste geben. Und an jedem ersten Wochenende im Monat eine „Ü 30“-Party. Ausgelassen, aber nicht ausufernd. Dass das gelingen wird, garantiere schon die begrenzte Platzkapazität von 150. Für Michael Berger decken diese Sachen zwei Bereiche ab: Zum einen gibt es dadurch endlich mehr Möglichkeiten für Rüganer, fernab der Ostseebäder abends mal auszugehen. Zum anderen belebt das ein klein wenig die Inselmitte. Denn Bergen und Umgebung habe derzeit für Einheimische immer noch zu wenig zu bieten.

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Jens-Uwe Berndt