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Rügen Kerth: Gratisbusse zu allen Schulen
Vorpommern Rügen Kerth: Gratisbusse zu allen Schulen
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00:50 15.06.2018

Herr Kerth, würden Sie nach Ihrer gewonnenen Landratswahl noch einmal ohne Parteilogo antreten?

Ab 10. Oktober führt der Jurist und bisherige Barther Bürgermeister Stefan Kerth (SPD) die Kreisverwaltung von Vorpommern-Rügen. Quelle: Foto: Christian Rödel

Stefan Kerth: Ja. Das war eine richtige Entscheidung, die auch von Herzen kam. Ich habe den Eindruck, dass es bei den Menschen Parteien gegenüber eine gewisse Frustration gibt. Man hat das auch an dem recht guten Ergebnis des parteilosen Mitbewerbers Steffen Ulrich im ersten Wahlgang gesehen. Parteien sind zweifelsohne wichtig für die politische Meinungsbildung. Aber ich wollte bewusst auch die Menschen ansprechen, die sich nicht mehr verstanden fühlen. Dass es davon sehr viele gibt, zeigt sich auch an der niedrigen Wahlbeteiligung. Kurzum, es war eine richtige Entscheidung.

Aber Sie werden in Ihrer bevorstehenden Amtszeit schon als SPD-Landrat wahrgenommen werden wollen?

Das wird so sein. Aber ich werde das SPD-Logo in meiner täglichen Arbeit nicht vor mir hertragen. Ich würde wieder in die SPD eintreten, bin aber persönlich überzeugt, dass die Parteifarbe im kommunalpolitischen Geschäft in der Person des Landrates oder Bürgermeisters eine untergeordnete Rolle spielt.

Dennoch stehen Sie in den nächsten sieben Jahren vor der Herausforderung, dass es im Kreistag eine bürgerlich-konservative Mehrheit gibt.

Ich werde nicht nach festen Bündnissen suchen, bei denen sich andere ausgegrenzt fühlen könnten. Wie ich es vor der Wahl betont habe, strebe ich ein Klima parteiübergreifender Zusammenarbeit an.

Viele Gespräche mit Multiplikatoren aus der Wirtschaft, dem Sozialsektor und so weiter haben mich in der Einschätzung bestärkt, dass über die vor uns liegenden Herausforderungen ziemliche Einigkeit besteht. Ich bin als Bürgermeister von Barth sehr erfahren darin, ohne Hausmacht zu agieren und setze darauf, dass uns die Herausforderungen verbinden werden.

Würde dies dem Profil der SPD nicht schaden? Im nächsten Jahr sind Kommunalwahlen.

Ich weiß nicht, wie sich das auswirken wird. Aber die Signale, die ich im Wahlkampf wahrgenommen habe, lauten, dass sich die Menschen durch das Betonen einer Überparteilichkeit besser mitnehmen lassen. Das ist mein Weg, auch wenn ich nicht ausschließen kann, dass der einzelne Nebenwirkungen haben könnte.

Sie haben im Wahlkampf einen kostenlosen Schülerverkehr versprochen. Wann soll der starten?

Im Wahlkampf war das eine Forderung, die alle Kandidaten aufgestellt haben, auch der CDU-Kandidat Andreas Kuhn. Deshalb baue ich darauf, dass die CDU bei dieser Haltung bleibt und es im Kreistag eine Mehrheit dafür geben wird. Wir müssen diese Kosten im Haushalt für das Jahr 2019 berücksichtigen, sodass der kostenlose Schülerverkehr im nächsten Jahr starten könnte.

Betrachten Sie die niedrige Wahlbeteiligung als Makel?

Nein.

Auf einem Ihrer Großplakate stand geschrieben: Insellagen erfordern Insellösungen. Dieser Slogan hat auf Rügen und Hiddensee Erwartungen geweckt. Was verbirgt sich konkret dahinter?

Besonders auf Rügen nehme ich seit Jahren eine große Unzufriedenheit mit den Folgen der Kreisgebietsreform wahr. Man muss dann auch mal sagen: Okay, wir haben die Signale verstanden. Im Hinblick auf die Folgen der Kreisgebietsreform, die ich nicht zurückdrehen will, heißt das aber, dass es mit mir keine weiteren Zentralisierungsprozesse innerhalb der Kreisverwaltung geben wird. Und atmosphärisch betrachtet bedeutet dies, die verschiedenen regionalen Identitäten in unserem Landkreis zu stärken. Auf Rügen bewegen die Menschen andere Dinge als in Stralsund und die Stralsunder wieder andere als die Menschen in Grimmen oder Ribnitz-Damgarten. Wir wollen kein total homogener Kreis sein. Stattdessen sollten wir die Unterschiede feiern und nicht nivellieren.

Was machen Sie jetzt noch, bis Sie am 10. Oktober den Chefsessel im Landratsamt übernehmen?

Gleich am Tag nach der Wahl habe ich damit begonnen, Termine zu machen – mit allen Ämtern und vielen Bürgermeistern, die wir hier im Landkreis haben. Akteure der Wirtschaft und weiterer Bereiche werden auch dazugehören. Ich möchte, ehe ich als Landrat anfange, möglichst viele Gespräche geführt haben, um die Probleme zu verstehen, und die Erwartungen dann von Anfang an möglichst gut erfüllen zu können. Zudem bin ich bis dahin weiter der Bürgermeister von Barth. Das bleibt bis Anfang Oktober meine Hauptaufgabe.

Wann beginnen die Vorbereitungen zur Wahl eines neuen Barther Bürgermeisters?

Ich habe dazu bereits mit dem Stadtpräsidenten gesprochen. In einigen Tagen soll es eine Runde mit den Fraktionsvorsitzenden geben, sodass vielleicht bereits während der nächsten Sitzung der Stadtvertretung ein Beschluss gefasst werden kann, in dem ein Wahltermin genannt wird. Ich würde mich sehr freuen, wenn dies möglichst zeitig passiert, und die Wahl im Oktober stattfinden könnte.

Gegen den Borner Bürgermeister Gerd Scharmberg läuft derzeit ein Disziplinarverfahren, das nach langem Zögern nun federführend von der Kreisverwaltung geführt wird, nachdem die Landesregierung dies verlangt hat. Sie werden dieses Verfahren als Landrat höchstwahrscheinlich erben.

Aus meinen bisherigen Positionen als Bürgermeister und Fraktionschef im Kreistag wollte ich mich in das Problem bisher nicht einmischen. Die Kommunalaufsicht ist keine Sache des Kreistages, sondern des Landrates. Und als Bürgermeister würde ich mir auch verbitten, dass sich ein Nachbarbürgermeister hier in Barth einmischt. Ab 10. Oktober habe ich aber eine ganz andere Rolle. Dann liegt das Thema auf meinem Tisch. So wie sich die Fakten in den Medienberichten darstellen, sind das schon einzigartige Vorgänge. Deshalb werde ich mich nach meinem Amtsantritt intensiv mit der Sache befassen und, wenn es nötig ist, auch die entsprechenden Konsequenzen ziehen.Interview: Benjamin Fischer

Die Wahl

Der Barther Bürgermeister Stefan Kerth ging bei der Landratswahl in Vorpommern-Rügen als Kandidat der SPD ins Rennen, vermied es aber, das Parteilogo auf seinen Plakaten abzudrucken. Er hat der CDU eine empfindliche Niederlage beigebracht. Bei der Stichwahl am Sonntag setzte sich Kerth in der früheren CDU-Hochburg durch. Er lag am Ende mit 56,6 Prozent deutlich vor Andreas Kuhn (CDU), dem Bürgermeister des Ostseeheilbads Zingst. Kerth tritt damit die Nachfolge von Ralf Drescher an. Der 62-jährige Unionspolitiker war zehn Jahre Landrat und nicht wieder zur Wahl angetreten. In der CDU wird kritisiert, dass Kuhn der falsche Kandidat gewesen sei.

OZ

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