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Rügen Kinder lernen in Sellin dat Plattsnacken
Vorpommern Rügen Kinder lernen in Sellin dat Plattsnacken
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00:00 17.11.2016
Voll bei der Sache: Die Kinder lauschen begeistert, wenn Dieter Harz (l.) ihnen neue Wörter und Redewendungen auf Platt erklärt. FOTO: GERIT HEROLD

„Een, twee, dree, veer, fief, söss. . .“, zählt Anabell langsam. Bis 20 kann die Siebenjährige schon die Zahlen auf Plattdeutsch aufsagen. Hajo schafft es sogar schon bis 50. Der Erstklässler strahlt. „Bis Wiehnachten schaffst du bis 100“, sagt Dieter Harz. Der 73-Jährige kommt jeden Mittwoch in die Selliner Grundschule, um Kindern die plattdeutsche Sprache nahe zu bringen. Lange hatte die Schule nach einem rüstigen Platt-Pauker gesucht. Im Sommer wurde sie endlich fündig.

Die Kinder sind sehr wissbegierig. Es ist schön und macht Spaß, wenn sie begeistert sind. Rentner Dieter Harz

„Meine Tochter hatte mich angesprochen, ob ich mir das vorstellen könnte. Da ich Rentner bin und inzwischen meinen Garten aufgegeben habe und ich gerne mit Kindern zusammen bin, habe ich zugesagt“, erzählt der Selliner, dessen Enkel die erste Klasse in Sellin besucht. „Ich spreche Platt von zu Hause aus. Leider verschwindet die Sprache immer mehr. Sie wurde nicht weitergegeben, es fehlt eine Generation“, meint Dieter Harz.

Schon in seiner ersten Unterrichtsstunde mit seinen jungen Schülern hat der Selliner, der aus Gützkow stammt, schnell gemerkt: „Der Wortschatz ist wichtig, ohne den geht gar nichts.“ So hat er den Kindern Zettel mit nach Hause gegeben, um „Vokabeln“ zu lernen. Bei jedem Treffen können die Kinder dann sagen, was sie schon wissen. „Wir gehen jetzt einkaufen, was kann man so kaufen?“, fragt Dieter Harz in die Runde. „Äppel, Tüften, Solt“, zählen seine vier Schützlinge auf.

„Bei den beiden Schülern aus der ersten Klasse ist das noch sehr schwer, weil sie ja noch nicht lesen und schreiben können“, so Harz. Jule und Lara-Joy aus der vierten Klasse haben dagegen schon plattdeutsche Gedichte gelernt und bei dem Schul-Programm anlässlich der Festwoche „150 Jahre Badeleben“ in Sellin im Sommer aufgesagt. Jetzt lernen sie emsig Weihnachtsgedichte.

„Mein Opa spricht auch Plattdeutsch. Ich wollte es auch lernen. Es hat Ähnlichkeit mit Englisch, ist aber ganz schön schwer“, meint Jule, der es aber großen Spaß macht. Auch Hajo ist eifrig bei der Sache. Platt hört er oft von seinem Opa und seinem Vater, erzählt der kleine Neu Reddevitzer, der aus einer Fischerfamilie stammt.

Die Plattdeutschstunde ist einer von mehreren Kursen, die die Grundschule Sellin im Rahmen der „Vollen Halbtagsschule“(VHS) anbietet. Seit sieben Jahren ist die Bildungseinrichtung VHS und ermöglicht damit, den Schülern weitere Lernangebote über das geforderte Unterrichtsmaß hinaus anbieten zu können. Die Kinder können kochen und backen, Sport treiben, Holz bearbeiten, Filzen, sich in der Kunst des Papierfaltens üben, im Computerraum oder für die Schülerzeitung arbeiten, Theater spielen oder Italienisch lernen. Neben den Lehrern, dem Hausmeister und der Schulsekretärin ermöglichen auch Partner und ehrenamtliche Helfer Angebote wie DRK, Junior Ranger oder Fanfarenzug. Jede neue Idee und Unterstützung ist immer willkommen.

„Ich wurde hier sehr gut aufgenommen und gehöre mittlerweile schon zum Lehrerkollektiv“, schmunzelt Dieter Harz.

Gerit Herold

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