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Klaus Amtsberg war bei Mauerbau und Mauerfall hautnah dabei

Sehlen Klaus Amtsberg war bei Mauerbau und Mauerfall hautnah dabei

Klaus Amtsberg war gerade zur Kur, als die Mauer fiel. „Auf einmal haben sie die Grenzzäune aufgeschnitten“, erinnert sich der 74-Jährige.

Sehlen. Klaus Amtsberg war gerade zur Kur, als die Mauer fiel. „Auf einmal haben sie die Grenzzäune aufgeschnitten“, erinnert sich der 74-Jährige. „Da bin ich mit dem Fahrrad in Bayern spazieren gefahren.“ Vom Begrüßungsgeld kaufte der Sehlener eine Dose Ananas, Schokolade und eine hellblaue Thermohose für die Tochter. Damals, 1989, war Amtsberg seit 15 Jahren bei der Transportpolizei, zuletzt mit dem Aufbau eines neuen Dienstgebäudes in Mukran beschäftigt. Der dortige Bau eines neuen Eisenbahnfährhafens war ein Prestigeobjekt der DDR-Führung und die letzte „Großbaustelle der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft“. „Erst haben wir Mukran auf- und nach der Wende wieder abgerüstet“, berichtet er.

Dass der gelernte Eisenbahner bei der Polizei gelandet war, hatte zwei Gründe: einmal verdiente er dort gutes Geld, und zweitens wollte er mehr Zeit für seine Familie haben. Seine Renate hatte Klaus bei einem Tanzabend am Internationalen Frauentag 1961 kennen gelernt. Wenige Monate später, am 13. August 1961, wurde der in Pasewalk bei der Transportpolizei stationierte Rüganer nach Berlin beordert. „Wir mussten über Nacht los“, erinnert er sich, „ohne uns zu verabschieden.“ Der junge Mann half in der Nacht des Mauerbaus die S-Bahnhöfe abzusichern und lief in den Zügen Streife.

Ansonsten sei er als Polizist nie draußen gewesen, betont er. „Ich war Versorger“: bis 1984 als Innendienstleiter bei der Sassnitzer Polizei, dann bis 1989 in Mukran und schließlich bis 1995 in Stralsund als Verantwortlicher für die Bekleidung von rund 700 Polizisten in der Region. „Ich hatte Glück, dass ich nach der Wiedervereinigung bleiben durfte“, meint er. „Man hat mich sogar noch zum Beamten gemacht.“

Renate und Klaus, die vor 54 Jahren „sozialistisch“ geheiratet haben, genießen ihren Ruhestand im eigenen Heim neben der Kirche, auch wenn sie viele ihrer Hobbys aufgegeben haben: die Imkerei, ihre 50 Kaninchen, die Ausflüge mit dem eigenen Boot. Klaus hat sich eine kleine Werkstatt eingerichtet, in der er aus markanten Holzstücken Schuhlöffel, Schlangen oder Fische schnitzt. Die Nachbarn sind „große Klasse“, das ehemals „arme" Dorf habe sich bestens entwickelt. „In Sehlen lebt sich das gut“, bekräftigt er. Früher habe es nur ein paar Bauern und Eigenheime gegeben. „Sehlen, Mölln und Tilzow - da lopen die Lüt op Filzscho“ habe man gespottet. „Heute aber wohnt hier die Prominenz“. Susanna Gilbert

OZ

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