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Rügen Fridays for Future: Das war der Klimastreik auf Rügen
Vorpommern Rügen Fridays for Future: Das war der Klimastreik auf Rügen
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09:51 16.03.2019
Eine aus Schülern des Bergener Gymnasiums bestehende „Initiative zur Umwelterziehung“ organisierte eine Umweltdemonstration am Freitag. Quelle: Uwe Driest
Bergen

„Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut!“, hallte es am Freitag-Vormittag unaufhörlich durch die Bergener Innenstadt. Die Welle der Demonstrationen, die unter dem Motto „Fridays for Future“ durch das Land schwappt, hatte die Insel Rügen erreicht. „An diesem Freitag werden in über 100 Ländern auf allen Kontinenten außer der Antarktis Menschen auf die Straße gehen und sagen: Bis hierhin und nicht weiter!“, rief Malte Paschirbe zum Auftakt vor dem Rathaus der Stadt. „Gemeinsam fordern wir von den Regierungen unserer Länder und der internationalen Staatengemeinschaft, unsere Zukunft nicht weiter kurzfristigen Interessen zu opfern.“ Lange seien in Deutschland die Treibhausgasemissionen gesunken, seit Kurzem würden sie wieder ansteigen. Das sei vor allem dem Bereich Verkehr zu schulden, in dem die Emissionen seit Jahren kontinuierlich ansteigen würden. „Das ist untragbar! Wir fordern, dass die Bundesregierung unverzüglich weitgreifende Maßnahmen unternimmt, um die Verkehrswende einzuleiten“, forderte der Siebtklässer des Gymnasiums unter dem Applaus seiner Mitschüler.

„Ich unterstütze die Aktion voll und ganz, weil ich glaube, dass die Zukunft den Kindern gehört und sie selber etwas dafür tun müssen. Wir Erwachsenen kriegen das nicht hin“, glaubt Taissir Tillo. Der Vater eines Teilnehmers stellte sich als Ordner zur Verfügung. „Ich finde es grundsätzlich gut, dass die Schüler sich einbringen. Wir beklagen ja, dass im ganzen Land die Wahlbeteiligung sinkt“, meint Bürgermeisterin Anja Ratzke, die sich die Kundgebung vor dem Rathaus anhörte. „Allerdings wird es mit einer Demo nicht getan sein. Wir müssen auch das eigene Verhalten umstellen.“ Die Auffassung, die Kinder sollten lieber lernen gehen, wollte Maltes Mutter nicht gelten lassen. „Hier lernen die Kinder eine ganze Menge über Demokratie“, meint Claudia Paschirbe.

Die Kampagne „Fridays for Future“ erreichte die Insel Rügen

„Wenn wir nach der Schule demonstrieren würden, würden wahrscheinlich mehr Schüler kommen, aber wir würden nicht so viel Aufmerksamkeit erregen, wie wir möchten, weil uns das Thema so wichtig ist“, sagt Tarek Tillo. Er habe gehört, dass in diesem Schuljahr bereits 76 Stunden ausgefallen seien, ergänzt Malte Paschirbe. „Da sind die drei Stunden von heute auch nicht so schlimm.“ Allerdings habe die Schulleitung wohl nur dies eine Mal ein Auge zugedrückt und das auch nur, wenn eine Freistellung der Eltern vorlag. Philipp Tomschin (13) aus Binz geht in Sellin zur Schule und nahm gemeinsam mit zehn Schulkameraden an der Demo teil. „Bei uns wurde extra eine Klassenarbeit verschoben“, sagt er.

Ein Zug von etwa 90 Schülerinnen und Schüler zog mit Transparenten, Trillerpfeifen und Megafon bewehrt durch die Straßen und forderte mehr Aktivität zum Klimaschutz. „Vernunft statt Lobbyismus“, „Fehlstunden verkraften wir, Klimawandel nicht“, „Rettet die Erde, es ist die einzige, die wir haben“ oder „Verheizt nicht unsere Zukunft“, hieß es auf mitgeführten Plakaten.

Den Rügener „Schulstreik fürs Klima“ hatte eine „Initiative für Umweltbildung“ um die drei Gymnasiasten Tarek Tillo, Julian Heinbach und Malte Paschirbe ins Leben gerufen. Weil die aber statt einer Demonstration lediglich eine Kundgebung angemeldet hatten, musste die gesamte Demo auf dem Bürgersteig ablaufen. Lediglich für die Querung der Ringstraße sicherte die Polizei die Kreuzung. Über die Bahnhofstraße vorbei an Bahnhof und Busbahnhof und über die Breitscheidstraße zurück ins Zentrum zog sich die Schlange.

Hausmeister Detlef Hantsche beobachtete das Geschehen vom Zaun der Altstadt-Grundschule aus. „Ich finde es gerade gut, dass die Demo am Vormittag läuft, sonst würde sie kaum wahrgenommen. Schließlich streiken Lehrer auch während der Schulzeit und dabei geht es nur um Geld, nicht um die Zukunft, die die Kinder noch vor sich haben.“

„Wir wollen versuchen, solche Demos künftig öfter zu organisieren“, sagt Thekla Groh aus Lancken-Granitz, die die 7. Klasse des Gymnasiums besucht. Bis dahin möchte sie gemeinsam mit Malte und Tarek die neue Initiative für Umwelterziehung weiterführen. Ob sie nach der Demonstration wieder zum Unterricht gehen? „Der dritte Block fällt heute aus“, sagt Malte Paschirbe.

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Uwe Driest

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