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Rügen Ernährung ist immer auch Gesundheitsvorsorge
Vorpommern Rügen Ernährung ist immer auch Gesundheitsvorsorge
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07:39 22.03.2019
„Wenn alle Schulkinder etwas über Ernährungslehre wüssten, würden die Krankenkassen viel Geld sparen“, meint Carsten Loll. Quelle: Uwe Driest
Bergen

Mit einer eindringlichen These versicherte sich Norbert Bosse der Aufmerksamkeit der etwa 70 überwiegend weiblichen Besucher: „Es gibt keine Familie in Deutschland, die nicht entweder ein an Krebs oder Demenz erkranktes Mitglied hätte. Das hat immer auch etwas mit Ernährung zu tun“, so der Moderator der Kochshow am Mittwoch im Sana-Krankenhaus. Die Einrichtung hatte gemeinsam mit der OSTSEE-ZEITUNG im Rahmen der redaktionellen Serie „Fit & Gesund“ zum Vortrag des Rostocker Sternekochs Carsten Loll eingeladen. „Kochen ohne Zucker und Weizen“, lautete das Motto des Abends.

Bevor Loll und sein Assistent ihre Kochkünste vorführten, informierte Sana-Küchenchefin Kathrin Schmidt zunächst darüber, „wie viel Zucker selbst in unseren Gerichten noch enthalten ist“. Dafür hatte sie sieben Tabletts mit jenen Gerichten befüllen lassen, die den Patienten ihres Hauses am selben Tag gereicht worden waren. Auf jedem davon stand ein Schälchen mit der darin enthaltenen Menge Zucker. „Zucker ist fast überall drin“, erklärte Carsten Loll.

Loll, der ein eigenes Restaurant am Rostocker Hafen betreibt, hatte seine mobile Profiküche mitgebracht, auf der er am Mittwoch Bio-Dinkel und Cranberries mit norwegischem Dorsch kochte, der „Skrei“ heißt, wenn er von den Lofoten kommt. Als Sättigungsbeilage verzichtete Loll auf Weizen und verwendete stattdessen Dinkel. Dazu bereitete er bunte Bete aus roter Rübe und Mangold sowie Pesto aus Spinat und Petersilie und eine Pastinaken-Soße.

Ungesunde Ernährung sei ein Problem der Wohlstandsgesellschaft, meint Loll. „Während man früher nur den Sonntag mit Schnaps und Festtagsbraten beging, isst man heute jeden Tag wie Sonntag.“ Nur eben möglichst günstig. Billige Produkte aber seien nicht gesund und führten zu den bekannten Volkskrankheiten. Vor allem Fleisch werde zu viel verzehrt. Das sei voller Hormone und anderer Stoffe, weswegen man es ruhig weglassen könne. „Wem der Geschmack von Fleisch fehlt, der kann sich ja auf die Zunge beißen.“ Mit Aroma- und Zusatzstoffen angereicherte Molke, aus der heute Joghurt hergestellt werde, habe einst allenfalls als Schweinefutter getaugt. „Die Gesundheit wird dem Profit geopfert“, reklamierte Loll. „Mein Rezept können sie auch als vegetarische oder vegane Version verändern“, sagte der Profi-Koch, während sein Assistent gelbe Bete in den Mixer drückte. „Ob Bolognese aus geschredderten Sonnenblumenkernen oder 'Käse' aus Cashew-Kernen, vegane Küche ist keine Hexerei und Kartoffelpuffer mit Apfelmus waren schon immer vegan“, weiß der Koch. Dessen Faustregel lautet: „Essen Sie nichts, was nicht schlecht werden kann, achten Sie auf die Zutaten und essen Sie nicht mehr, als Ihr Körper an Energie verbraucht.“ Wären die Zutaten hochwertig, sättige bereits eine kleine Menge, so wie das Gemüse-Ragout, das er gerade zubereitet. „Wenn man den ganzen Tag am Computer sitzt, braucht man ohnehin nur ganz wenig zu essen.“

Gesunde Ernährung müsse auch nicht teurer sein. „Wenn Sie bei Fischstäbchen nur den Kilopreis des Fischgehalts ansetzen, ist ein Edelfisch durchaus konkurrenzfähig.“ Das Schälen und Schnippeln bedeute indes einen Mehraufwand, räumt er ein. „Aber viele Menschen, die behaupten, sie hätten keine Zeit zum Kochen, haben jede Menge Zeit für Facebook, Google und Co.“ Stellen Sie Ihre Ernährung um, aber nicht nur die Chips von links nach rechts“, witzelte Loll. Faustregel sei ein ausgewogenes Verhältnis von guten und schlechten Lebensmitteln. „Wenn Sie schon Nudeln essen, nehmen Sie dazu nicht noch eine Sahnesoße, sondern Gemüse.“

Diese Zutaten braucht der Skrei

Rezept für gekochten Bio-Dinkel und Cranberries mit norwegischem Dorsch (Skrei)

Zutatenliste für vier Personen

800 Gramm Skrei

300 Gramm Bio-Dinkel

100 Gramm Sonnenblumenkerne

400 Gramm bunte Rügen oder Bete

200 Gramm Petersilienwurzel

250 ml Gemüsebrühe

250 ml Kokosmilch

80 Gramm Spinatsalat

80 Gramm Petersilie

50 Gramm Cranberries frisch oder getrocknet

3 Eigelb

100 ml Rügener Rapsöl

3 Limetten

Salz und Pfeffer

Nach der anschließenden Verkostung gab sich das Publikum beeindruckt. „Das Essen schmeckte toll und hatte Biss. Wir werden im Alter noch genug Brei essen“, fand Karin Kreutz aus Rambin. „Ich hätte nicht gedacht, dass zu viel Obst ungesund sein kann und dass Rügener Rapsöl hochwertiger ist, als Olivenöl“, hatte Claudia Pretzel aus Bergen gelernt und andere nahmen sich vor, künftig mehr regional und nachhaltig einzukaufen und auf Fertigprodukte zu verzichten.

Rund 70 Rügener interessierten sich für gesunde Ernährung

Uwe Driest

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