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Rügen Kostenexplosion bei Plänen für Kreisverkehr auf Probe
Vorpommern Rügen Kostenexplosion bei Plänen für Kreisverkehr auf Probe
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00:00 24.09.2016

Dieses Provisorium dürfte für den Steuerzahler kein Schnäppchen werden: Der auf der Kreuzung zwischen dem Carl-Heydemann-Ring und dem Tribseer Damm geplante Probe-Kreisverkehr soll doppelt so teuer werden wie ursprünglich geplant.

Statt den bisher veranschlagten 40000 Euro hat das Ergebnis einer im Sommer durchgeführten öffentlichen Ausschreibung einen Preis von 110 000 Euro ergeben. Dies soll Oberbürgermeister Alexander Badrow (CDU) den Vorsitzenden der einzelnen Bürgerschaftsfraktionen bereits Anfang September mitgeteilt haben. In der geheimen Runde habe Badrow dann verkünden können, dass sich der Preis des günstigsten Anbieters in weiteren Verhandlungen zumindest noch von 110000 Euro auf 80000 Euro habe senken lassen, heißt es aus Fraktionskreisen.

Thomas Haack, der Vorsitzende der Wählergemeinschaft Bürger für Stralsund (BfS), hatte am Donnerstag im Bauausschuss der Bürgerschaft die gleichen Zahlen genannt. Damit liegt der Preis für das Probeprojekt, das die CDU-Fraktion Anfang Juni dieses Jahres in der Bürgerschaft durchgeboxt hat, mindestens 100 Prozent über der ursprünglichen Kalkulation, auf deren Grundlage sich in der Bürgerschaft eine Mehrheit dafür gefunden hatte.

SPD-Fraktionschef Peter van Slooten sagt, dass es angesichts der angespannten Haushaltssituation der Stadt „nicht gerade angezeigt ist, so einen hohen Betrag in einen Kreisverkehr zu investieren, der nach einer Testphase wieder abgebaut wird“. Aus Sicht der SPD müssten nun andere Möglichkeiten geprüft werden, um herauszufinden, ob die Kreuzung dazu geeignet ist, die dort seit Jahrzehnten installierten Ampeln durch einen Kreisverkehr zu ersetzen.

BfS-Stadtvertreter Haack plädiert wegen der hohen Kosten für einen Probebetrieb dafür, „dann lieber gleich einen richtigen Kreisverkehr zu bauen“. Nach Ansicht von Experten sei dies in einer etwas abgespeckten Variante, also ohne einen sogenannten Bypass mit einer zusätzlichen Rechtsabbiegerspur auf dem Carl-Heydemann-Ring, möglich, betont Haack.

Die Baumaßnahme ist Bestandteil der geplanten Erneuerung des Tribseer Damms, der auf dem Abschnitt vom Bahnhof bis zur Kreuzung am Carl-Heydemann-Ring saniert werden soll. Verkehrsminister Christian Pegel (SPD) hat dafür bereits Fördermittel in Höhe von 2,2 Millionen Euro zugesagt. Den Plänen zufolge sollen die Bagger schon im nächsten Jahr anrollen.

Neun Kreisverkehre gibt es bislang im Stralsunder Stadtgebiet. Nicht alle davon sind auf Wunsch der Stadtverwaltung entstanden, sondern zum Teil von der Bürgerschaft durchgesetzt worden. Auch im Fall des Tribseer Damms wirbt Stephan Bogusch, der Straßen- und Tiefbauchef im Rathaus, dafür, die Kreuzung nach der Sanierung mit einer Ampel weiterzubetreiben, weil das an dieser Stelle aus Platz- und Sicherheitsgründen die bessere Lösung sei (die OZ berichtete). Daraufhin war der Stadtverwaltung von Teilen der Bürgerschaft vorgeworfen worden, bereits fertige Pläne für eine Ampelanlage in der Schublade zu haben.

Der CDU-Vorschlag, einen Probekreisel einzurichten, sollte ein Kompromiss sein – ein sehr teurer, wie sich nun herausstellt. Die Christdemokraten gingen gestern auf Tauchstation. Kein Kommentar dazu.

Bei rot darfst du steh’n

Wenn’s in Stralsund so weitergeht, haben wir bald keine Ampel mehr in der Stadt. Das könnte selbst für Autofahrer einen Verlust an Lebensqualität bedeuten. Wo sonst soll man am Steuer seine Sonnenbrille putzen, am Radio herumdrehen oder aufs Handy gucken. Rotphasen lassen sich durchaus nutzen. Das ist in einem Kreisverkehr zur Hauptverkehrszeit anders. Dort geht es beim Warten meistens stückweise voran. Kupplung, Gas, Bremse und wieder von vorn. Nicht jeder Kreisverkehr ist automatisch ein Fortschritt, auch weil sich moderne Motoren nicht von selbst abschalten, wenn man ständig auf der Kupplung steht. So steigt die Abgasbelastung. Zudem sind Ampeln für Radler und Fußgänger sicherer. Ideologisch aufgeladene Debatten pro Kreisverkehr bringen gar nichts.

Benjamin Fischer

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