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Rügen Kritik an Umgestaltung des Platzes vor Müthers Kurmuschel
Vorpommern Rügen Kritik an Umgestaltung des Platzes vor Müthers Kurmuschel
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08:06 12.05.2018
Die Kurmuschel in Sassnitz kurz vor dem Abschluss der Sanierung. Die ab Herbst geplante Umgestaltung des Platzes sorgt für Kritik. Er soll dann oval und nicht mehr rechteckig sein. Quelle: Maik Trettin
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Sassnitz

Sie strahlt schon seit Wochen, auch wenn sie eingesperrt ist: Die vom Schalenbaumeister Ulrich Müther entworfene und errichtete Sassnitzer Kurmuschel ist nach allen Vorgaben des Denkmalschutzes saniert und frisch gestrichen worden. Richtig nahe kommen die Einwohner und Gäste der schwungvollen Bühnenüberdachung aber nicht. Ein Bauzaun versperrt nach wie vor den Zutritt.„Wir sind leider noch nicht ganz fertig“, sagt Philip Kurz. Er ist Geschäftsführer der Wüstenrot-Stiftung, die das denkmalgeschützte Bauwerk des „Rügener Landbaumeisters“ saniert. Während die Arbeiten an der eigentlichen Muschel abgeschlossen sind, wird an den Nebengebäuden links und rechts noch gewerkelt. Wegen des Kälteeinbruchs um die Osterfeiertage herum habe man dort die letzte Farbschicht nicht wie geplant aufbringen können. Das wird jetzt nachgeholt. Auch die Bullaugen-Rahmen in den Garderoben-Häuschen bekommen noch einen frischen Anstrich.Bevor der Zaun abgebaut werden kann, muss auch noch der Boden der Bühne unter der Muschel gerichtet werden. „Das sind noch ein paar Restarbeiten. Damit sollten wir aber Ende des Monats durch sein“, kündigt Kurz an. Anfang Juni könnte die Muschel dann wieder als Veranstaltungsort genutzt werden.

Denkmalbehörde hatte Veto eingelegt

Beziehungsweise wenn der Kurplatz fertig ist. Mit dessen Umgestaltung hatte die Stadt gewartet, bis die Wüstenrot-Stiftung die Sanierung der Kurmuschel abgeschlossen hat. „Wir wollen mit den Arbeiten voraussichtlich im Herbst beginnen“, kündigt Bürgermeister Frank Kracht an. Am Ende werden die Sassnitzer den Kurplatz womöglich nicht wiedererkennen. Die Stadt will das Areal in Form von zwei Ellipsen umbauen. Einem entsprechenden Vorschlag der Rahmenplanerin Erika Streubel hatte die Mehrheit der Stadtvertreter vor geraumer Zeit zugestimmt.Seitdem wurde darüber gestritten. Die Denkmalbehörde legte ihr Veto ein und forderte, dass der Platz auch weiterhin rechteckig sein solle. Dagegen wiederum protestierte die Stadt, woraufhin das zuständige Landesamt ein „Fachbüro“ mit einer eingehenden Untersuchung beauftragte. Im Endeffekt stimmten sie dem Sassnitzer Vorschlag unter Auflagen zu.

Wüstenrot-Stiftung: Muschel mit Platz und Pergola sind „einmaliges Ensemble“

Philip Kurz und seine Kollegen von der Wüstenrot-Stiftung mögen sich das Ergebnis des Umbaus gar nicht vorstellen. Es sei sicher nicht zufällig, dass der Platz nicht so rund und geschwungen sei. Er stelle damit einen Gegenpol zur Muschel dar und unterstreiche ihre Einmaligkeit. „Zum Denkmal gehört nicht nur das Bauwerk an sich, sondern auch seine Umgebung“, sagt Kurz. Und die werde durch die Umgestaltung zerstört. Die Muschel mit dem jetzigen Platz und der Pergola gehörten zusammen und stellten ein einmaliges Ensemble dar, das es so kein zweites Mal gebe. „Das hat einen Wert, eine Tradition. Ich weiß nicht, warum das komplett getilgt werden soll, warum man das platt machen muss“, sagt er kopfschüttelnd. Für ihn ist es unverständlich, warum man in Sassnitz jetzt einen in den 80er Jahren verworfenen Entwurf umsetze, statt das Vorhandene zu erhalten und herzurichten. „Aber das Problem haben wir leider vielerorts bei Denkmalen aus jüngerer Zeit.“ Deren kulturhistorischer Wert werde oft unterschätzt.

Stadt will Feier zum Ende der Denkmal-Sanierung

Welche Bedeutung Müther und seine Arbeit heute besitzen, macht Philip Kurz an einem Beispiel aus der Nachbarschaft fest. Als in Binz vor wenigen Tagen der von dem „Landbaumeister“ entworfene und errichtete Ufo-Rettungsturm nach der Sanierung wiedereröffnet wurde, nahm die ARD das zum Anlass, ausführlich über den Rügener Ingenieur zu berichten. Der Beitrag in den Tagesthemen sei sogar in der wichtigsten deutschsprachigen Nachrichtensendung, der Tagesschau, angekündigt worden. Mit einem so großen Interesse der Öffentlichkeit an der Kurmuschel rechnet man in Sassnitz nicht. „Aber wir sollten das Ende der Sanierung würdig begehen“, findet Bürgermeister Frank Kracht. Mit dem feierlichen Akt wolle er nicht warten, bis der Kurplatz umgestaltet sei. Sobald man im Rathaus einen genauen Fertigstellungstermin von der Wüstenrot-Stiftung erfahre, werde man gemeinsam eine kleinere Veranstaltung zu diesem Anlass planen.

Erst seit 2015 unter Denkmalschutz

1988 wurden die Kurmuschel und der Kurplatz in Sassnitz eingeweiht. Ulrich Müther setzte hier gemeinsam mit seinen Kollegen die Entwürfe um, die aus seiner Feder stammen.

Der Platz wurde schon Jahrzehnte zuvor für Veranstaltungen genutzt. Zuvor hatte dort die Musikhalle gestanden, die 1983 abgerissen wurde.

Rund 300000 Euro kostet die Sanierung der Kurmuschel, die erst 2015 unter Denkmalschutz gestellt wurde.

Maik Trettin

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