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5 Stunden Arbeit für 80 Sekunden Spaß

Ralswiek 5 Stunden Arbeit für 80 Sekunden Spaß

Fred Bräutigam sorgt jeden Abend für die Knalleffekte und das Feuerwerk bei Störtebeker

Ralswiek. Der Ponton auf dem Jasmunder Bodden wackelt, wenn die „150-er Bomben“ unter einer lauten Detonation in den Himmel rasen und dort gigantische Bilder entstehen lassen. Schmetterling, Smiley, Herzen. Fred Bräutigam, Christian Kaiser und Stephan Sievert stehen unmittelbar hinter der transparenten Schutzwand, sind mit Hörschutz und Helmen ausgestattet. Sie beobachten aufmerksam die Abschüsse der Feuerwerkskörper. Wie zum Beispiel die Leuchtbatterie, die eigens für die Störtebeker Festspiele in China hergestellt wird. Und während jeden Abend nach der Aufführung der Störtebeker-Saga in Ralswiek die rund 8000 Fans das Gefühl bekommen, ein beinahe zehnminütiges Lichtspektakel zu erleben, ist auf dem Ponton das „Gewitter“ nach nur 80 Sekunden vorüber.

Bräutigam, wegen seines Jobs auch Fred Feuerstein genannt, sorgt seit 1993 bei Störtebeker für den richtigen Knalleffekt. Ob auf oder über der Naturbühne – wenn es kracht, brennt oder Funken sprühen, ist Bräutigam „Schuld“. „Für das Abschlussfeuerwerk sind wir von Anfang an mit einem Ponton rausgefahren“, sagt der 57-Jährige. „Damals hatten wir noch einen aus NVA-Beständen, der mühsam mit einem 35-PS-Außenborder auf den Bodden geschleppt wurde.“ Besonders bei Wellengang ging das in die Zeit.

Der „neue“ Ponton, der vor der diesjährigen Saison eine Generalüberholung erfuhr und aus Sicherheitsgründen komplett von Holzteilen befreit wurde, ist Mitte der 90er in Sassnitz als sogenannter Trimaran gebaut und sofort mit einer 92- PS-Maschine ausgestattet worden.

Wenn der Feuerzauber, der jeden Abend um die 1200 Euro kostet, vorbei ist, beginnen Bräutigam, Kaiser und Sievert mit den ersten schnellen Nachbereitungen. Der Pyro-Chef checkt die Abschussvorrichtungen, ob alles abgefeuert wurde. („In diesem Jahr hatten wir drei Fehlzündungen.“) Sievert fischt mit einem Kescher die Reste der Raketen aus dem Bodden. Die Phase des Aufräumens ist allerdings nichts gegen die Zeit, die zur Vorbereitung benötigt wird. „Um die fünf Stunden brauchen wir im Schnitt“, sagt Fred Bräutigam. Schon gegen 18 Uhr werde dann jedes Mal der Ponton bestückt.

Aus dem eigens für die Lagerung der „Munition“ gebauten Bunker unterhalb der derzeitigen Visby-Kulisse kommen die Böller, Raketen, Bomben in die Bestückungshalle, die einen direkten Zugang zur Steganlage besitzt und sage und schreibe rund 140 Quadratmeter Grundfläche hat – inklusive zweier gepanzerter Aufsätze aus alten Armeebeständen. Die Halle wirkt wie eine Werkstatt, was sie zum Teil auch ist.

Filigraner geht es im Bereich hinter der Bühne zu, wo sich die Statisten umziehen, die Pferde gewechselt werden, wo Balladen-Sänger Wolfgang Lippert zwischen seinen Auftritten mit der Bühnen-Crew plaudert. Denn hier haben die Pyro-Leute eine Art Büro, in dem sich jene Elektronik befindet, die für das Action-Spektakel in der Inszenierung benötigt wird. „Die Kartaunen werden von denen bedient, die unmittelbar neben ihnen stehen“, sagt Bräutigam. „Alles andere knallt und brennt per Knopfdruck.“ Das Gerät zum Auslösen der Detonationen und Flammensäulen während der aktuellen Schlacht um Visby zwischen dem Ritterorden und den Piraten sieht wie das Mischpult eines Technikers bei einem Rockkonzert aus. Und Rhythmusgefühl braucht Bräutigam auch. Nicht nur für das Geballer während des Stücks. Auch beim Feuerwerk gibt es Taktzeiten. „Deshalb habe ich sogenannte In-Ear-Kopfhörer, die es mir ermöglichen, auf bestimmte Momente während der Musik zu reagieren“, erzählt der Pyro-Chef. „Die Dinger sind wie Monitore bei Sängern. Nur dass ich nicht singe. Ich schieße lieber.“

Der gebürtige Hamburger, der Festspiel-Intendant Peter Hick einst bei den Karl-May-Festspielen in Bad Segeberg kennenlernte, hat einen blendenden Humor. Das stellte er jahrelang als Schauspieler auch bei den Störtebeker-Aufführungen unter Beweis. Bis 2006 hatte er Rollen, die beim Publikum häufig zu den beliebtesten gehörten. Ob er nochmal auf die Bühne zurückkehrt, um wieder für Schenkelklopfer zu sorgen, weiß er noch nicht. Zeit hätte er jetzt wieder, denn das Pyro-Unternehmen soll jetzt sein Sohn übernehmen.

Jens-Uwe Berndt

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