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Rügen 86 000 Euro Defizit: Hafenmuseum funkt SOS
Vorpommern Rügen 86 000 Euro Defizit: Hafenmuseum funkt SOS
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00:00 26.02.2016
Die „Havel“ vor dem Fischerei- und Hafenmuseum im Stadthafen. Auf dem Kutter können Museumsbesucher hautnah ein Stück Sassnitzer Fischereitradition erleben. Quelle: Dieter Lindemann/archiv
„Rettet die Havel!“ Seit Jahren sammeln Mitglieder des Fördervereins des Fischerei- und Hafenmuseums Sassnitz schon Spenden, um den zur musealen Einrichtung gehörenden Kutter namens „Havel“ erhalten zu können, der seinen Liegeplatz unmittelbar vor dem Museum im Stadthafen hat. Jetzt braucht auch das Museum einen Rettungsring. Es funkt SOS, ist — bildlich gesprochen — finanziell in schwere See geraten. Der Haushaltsplan für den Museumsbetrieb weist für 2016 ein enormes Defizit aus. Ein „Loch“ von mehr als 86000 Euro ist zu stopfen.

Vereinsprojekt

8139Gäste haben im vergangenen Jahr das Fischerei- und Hafenmuseum besucht und sich dort über die Entwicklung der Stadt und der Fischerei in Sassnitz informiert.

1996 wurde das Museum im Trakt des ehemaligen Medizinischen Dienstes des Verkehrswesens des Fischkombinates im Stadthafen vom Museumsverein eröffnet, den engagierte Hafenstädter drei Jahre zuvor grgründet hatten.

„Allein auf der Grundlage der vorliegenden Zahlen würde ich die sofortige Schließung des Museums beantragen“, brachte Stadtvertreter Peter Kordes die dramatische Situation im Fachauasschuss für Kultur und Soziales auf den Punkt, der am Mittwochabend tagte. Wer gleicht das Defizit aus? Wie geht es weiter mit dem Museum? „Viele scheinen gar nicht zu wissen, dass es nicht Aufgabe des Museums-Fördervereins ist, dieses Loch zu stopfen. Die Stadt steht in der Pflicht. Denn sie ist Eigentümer des Museums“, betonte Vereinsvorsitzender Andreas Pfaffe und appellierte an die Kommunalpoltiker: „Finden sie nicht nur eine Lösung für ein bis zwei Jahre. Soll das Museum langfristig erhalten werden, sind neue Ideen gefragt.“

Zumindest dieses Jahr sieht Ausschussvorsitzender Norbert Benedict das Museum gerettet. „Die Stadtvertreter haben im nichtöffentlichen Teil ihrer letzten Sitzung besprochen, dass die Stadt das Museum in diesem Jahr stützen wird“, informierte er. Der entsprechende Betrag sei im Doppelhaushalt für 2016/17 eingeplant, über dessen Entwurf im Ausschuss beraten wurde.

Diese Stütze ist aber nur ein Rettungsring, der kurzfristig das Überleben des Museums sichert, gab Siegfried Adelsberger, Geschäftsführer der Hafenbetriebs- und Entwicklungsgesellschaft Sassnitz (HBEG), zu bedenken. „Unabhängig von der Förderung in diesem Jahr muss die Stadt eine Grundsatzentscheidung treffen, ob die Einrichtung als Fischerei- und Hafenmuseum erhalten bleiben soll oder nicht“, betonte er. Die HBEG, hundertprozentige Tochtergesellschaft der Kommune, sichert als Dienstleister in deren Auftrag den Museumsbetrieb ab. Dafür hatte bis 2010 der Förderverein den Hut auf, konnte es aber nicht mehr leisten. Deshalb übernahm die Stadt das Museum vom Verein und gründete einen Stiftungsrat, der das Sagen hat. In der Übernahmevereinbarung wurde damals festgeschrieben, dass „die Stadt alle Möglichkeiten prüfen wird, durch Gewährung eines Zuschusses aus dem städtischen Haushalt den Fehlbedarf auszugleichen, sollte der Betrieb des Museums nicht kostendeckend möglich sein“.

Die finanzielle Situation hat sich seit der Übernahme zugespitzt. „Personalkosten werden heute nicht mehr gefördert. Zwischenzeitlich wurde der Mindestlohn eingeführt“, begründete Siegfried Adelsberger. Die HBEG habe versucht, gegenzusteuern. Als Angestellte des Unternehmens sind die fünf Museumsmitarbeiter nur zu reduzierten Arbeitszeiten beschäftigt. Allerdings sei der Museumsbetrieb ein personalaufwändiger, so Adelsberger. „Es wird immer ein Mitarbeiter an der Kasse am Eingang und ein weiterer in den Ausstellungsräumen gebraucht.“ Außerdem müsse der Museumskutter personell abgesichert werden. Dessen Besuchszeiten seien bereits reduziert worden. „Im vergangenen Jahr haben wir erstmals auch Schließzeiten für das Museum eingeführt“, so der HBEG-Chef.

„Fakt ist, dass selbst durch gravierende Veränderung der Ausstellung auch langfristig nie mehr als rund 8000 Gäste das Museum im Jahr besuchen werden“, ist Adelsberger sicher. Seit Übernahme durch die Stadt wurde die Ausstellung teilweise bereits moderner und multimedial gestaltet. Das führte jedoch zu keinem nennenswerten Besucheranstieg. „Deshalb haben die Stadtvertreter zu entscheiden: Ist es der Stadt im Jahr 80000 Euro wert, um 8000 Museumsbesuchern die Geschichte der Kommune und der Fischerei zu vermitteln“, brachte es Adelsberger auf den Punkt.

„Wir brauchen neue Ideen für die Museumszukunft“, unterstrich Peter Kordes und war sich mit den anderen Ausschussmitgliedern einig, dass die Kommunalpolitik um eine Grundsatzentscheidung zum Museum nicht herum komme. „Wir haben ein Jahr Zeit, Ideen zu sammeln“, sagte Norbert Benedict vor dem Hintergrund der im Etatentwurf vorgesehenen Museumsförderung für 2016. Als Ideenpool sah er den Stiftungsrat. Der soll sich jetzt intensiv mit der Museumszukunft beschäftigen.



Udo Burwitz

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