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Rügen Abschiedsfest für einen „Fremdkörper“
Vorpommern Rügen Abschiedsfest für einen „Fremdkörper“
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00:00 07.12.2017
Das einstige Ferienheim an der Hagener Dorfstraße wurde abgerissen. Auf der entstandenen Freifläche stellen Thomas K. Müller und andere Bildhauer ihre Arbeiten in einer Freiluftgalerie aus. FOTOS (2): THOMAS K. MÜLLER
Hagen

Sie war ein Ausflugslokal, ein Ferienheim, Wohnhaus und Spekulationsobjekt. Jetzt ist die „Herthaburg“ ein leerer Fleck mitten in Hagen. Die neuen Eigentümer haben das Gebäude abreißen lassen – und planen an dieser Stelle auch keinen Neubau, wie Sabine Korneli und Thomas K. Müller versichern. „Die entstandene Freifläche werden wir für eine Freiluftgalerie und als Arbeitsfläche für unsere Sommerakademie nutzen“, sagen die Eigentümer.

Vor dem Abriss wurde der einzige Hagener Plattenbau mittels Lichtinstallation in Szene gesetzt.

Die leben seit 2015 in Hagen. Ihr Anwesen grenzte unmittelbar an den zweigeschossigen Plattenbau, der zuletzt leer stand. Früher war dieser Ort so etwas wie das Zentrum des Dorfes, wissen Korneli und Müller aus den Erzählungen der alteingesessenen Einwohner. Die „Herthaburg“ war eines der ortstypischen Häuser mit aufwändig verputzten Ecken und einem großen Wintergarten auf der Straßenseite. Hier trafen sich die Hagener zum Schwofen, hier wurde gefeiert und getanzt. Der Altbau verschwand vermutlich in den 70er Jahren. Damals suchte ein Erfurter Maschinenbaubetrieb für seine Mitarbeiter ein Ferienheim an der Ostsee. Anstelle der „Herthaburg“ entstand der einzige Plattenbau im Ort.

Der war offenbar deutlich größer als der Vorgängerbau. Seinetwegen musste die Rückwand eines Pferdestalles weichen, wurde Gemeindeland überbaut und der Weg am Giebel schmaler. Das Haus wirkte schon damals wie ein Fremdkörper in dem kleinen Ort und sollte dennoch weiter wachsen. „Einer der vielen wechselnden Besitzer, denen das Gebäude nach dem Ende der DDR und des Maschinenbaubetriebs gehörte, wollte sogar noch aufstocken“, sagt Sabine Korneli. Andere ließen ihre Bauwut im Innern des Hauses aus und veränderten die Räume. Zeitweise gab es bis zu 19 Ferienappartements.

Viele Episoden rund um die „Herthaburg“ haben Sabine Korneli und Thomas K. Müller in den vergangenen Wochen erreicht. Vor dem Abriss hatten sie den Bau noch einmal zum Dorfgespräch gemacht – und zum Mittelpunkt einer Lichtperformance beim Abschlussfest der 1. Rügener Sommerakademie. „Das gebietet einfach der Respekt vor dem, was hier mal war und ein Teil der Geschichte des Ortes bleibt.“

Verabschiedet hat sich an diesem Abend von dem Haus unter anderem eine der früheren Mitarbeiterinnen, für die die „Herthaburg“ lange Zeit auch ein Zuhause war. Jetzt ist das Gebäude verschwunden, das künftige Ausstellungsareal frei begehbar. Der Ort öffnet sich nicht nur den Menschen, sagt Sabine Korneli. Er gibt jetzt auch den Blick in die weite Landschaft frei.

Maik Trettin

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