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Arndt-Gesellschaft gibt erstmals „Rügener Blätter“ heraus

Groß Schoritz Arndt-Gesellschaft gibt erstmals „Rügener Blätter“ heraus

Neue Publikation soll in lockerer Folge erscheinen. Erstausgabe beinhaltet Vorträge der Reihe „Begegnungen bei Arndt“

Groß Schoritz. Eine neue Publikation zu rügenschen Themen gab nun die Ernst-Moritz-Arndt-Gesellschaft mit dem ersten Band der „Rügener Blätter“ heraus. Diese sollen künftig nicht periodisch, sondern in loser Folge erscheinen, kündigt Sven Wichert an, der für die Redaktion verantwortlich zeichnet. Der Band enthält auf 141 Seiten sieben Vorträge, die in den Jahren 2005 bis 2007 in der Reihe „Begegnungen mit Arndt“ gehalten wurden.

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Neue Publikation soll in lockerer Folge erscheinen. Erstausgabe beinhaltet Vorträge der Reihe „Begegnungen bei Arndt“

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Gottfried Loeck ist mit zwei Beiträgen über „Die Rügenrose. Ein frühes Souvenir von der Insel Rügen“ und deren Nachfolgerin, die Ansichtskarte, vertreten. Die von dem Hamburger Verleger Carl Adler gedruckte „Rügenrose“ erfreute sich „vor allem zwischen 1855 und 1875 bei seehungrigen Urlaubern besonderer Beliebtheit“. Sie bestand aus einem Papierbogen, dessen acht Segmente in Form einer Rose faltbar und beidseitig mit Abbildungen verschiedener Sehenswürdigkeiten bedruckt waren. Motive waren beispielsweise die Schlösser Putbus, Granitz und Spycker, das Friedrich-Wilhelm-Bad in der Goor, Pädagogium, Theater und Insel Vilm, aber auch Gebäude der damals mit dem Schiff gut erreichbaren Ostseebäder Swinemünde und Misdroy. Rügener Motive überwogen jedoch, weil es „nur wenige Landschaften in Deutschland gegeben haben dürfte, die so oft und frühzeitig bildende Künstler in ihren Bann zogen. Lange vor allen anderen gelangte diese Insel ins Blickfeld der Maler und Literaten“, schreibt Loek. Die Einführung Rügens als malerisches Sujet sei Jacob Philipp Hackert (1737 bis 1807) zu verdanken, der sich 1763 in Boldevitz aufhielt. Als Vorlage für die Rügenrose hätten aber wohl eher Vorlagen von Romantikern wie Caspar David Friedrich gedient, der die letzte seiner sechs Rügenreisen 1826 unternahm. Den heutigen Wert eines der wenigen erhaltenen Exemplare taxiert der Autor auf rund 800 Euro.

Sven Wichert selbst ist mit einem Beitrag zum Umgang mit dem Energielieferanten „Holz“ vertreten. Weil Holz nicht nur Energie sondern auch Baumaterial liefert, habe der um 1280 auch Rügen erreichende Bauboom zu Holzmangel geführt. Seither wurde für die Dachstühle der Kirchen beispielsweise von Rambin, Kasnevitz, Wiek, Sagard und Zirkow keine Eiche mehr verwendet. Bau- und Brennholz mussten auf dem benachbarten Darß gewonnen werden. Dabei diente Brennholz nicht nur zum Kochen und Heizen, sondern auch der Herstellung von Ziegeln. Das ungefähre Volumen einer Dorfkirche gibt Wichert mit 320000 Steinen an, für die sechs Hektar Wald abgeholzt werden mussten. Der Rügener Gelehrte Johann Jakob Grümbke habe als Ursache der somit entstehenden Holzknappheit „eine Kombination aus steigendem Verbrauch, Verschwendung und Verantwortungslosigkeit“ erkannt und schon 1819 davor gewarnt, „dass mancher Arme dieses kostbaren Artikels halber die Insel verlassen, mindestens sich scheuen müsste, Bewohner derselben zu werden“, zitiert Wichert. Sorgen bereitete Grümbke nicht allein der materielle Aspekt: Abgeholzte Wälder würden zu einer Klimaverschlechterung führen, „die wiederum das Niveau der Menschen drückt“, glaubte Grümbke und zieht den Schluss: „Wenn ich König von Teutschland wäre, würde ich für eine gute Waldordnung sorgen.“ Denn: „Mensch und Natur bedingen einander in ihrer Qualität. Simpel ausgedrückt macht eine schlechte Natur schlechte Menschen, eine gute Umwelt gute Menschen. Auch der Fall ist möglich, dass einwandernde gute Menschen eine schlechte Umwelt verbessern.“

Oder eine Kirche bauen, würde Jana Olschewski anfügen. Die Autorin schreibt unter dem Titel „Himmel & Meer“ in ihrem Beitrag über den evangelischen Kirchenbau auf Rügen: „Vor allem Berliner Persönlichkeiten engagierten sich für die kirchlichen Belange der Insulaner und ihrer Besucher“, indem sie vielfach gegen den Willen von Kirche und Einheimischen und gemäß der protestantischen Auffassung, „dass der Gottesdienst keines geweihten Raumes bedarf“, in Binz, Sellin, Baabe und Göhren kleine Waldkirchen schufen, die später durch steinerne ersetzt wurden. Auf die einzelnen Kirchen geht die Autorin ausführlich ein, der Geschichte der Rettung der Kirche von Landow widmet sich Gerd Meyerhoff in einem eigenen Beitrag. Kreisdenkmalpfleger Markus Sommer-Scheffler widmet sich der frühen Vorgeschichtsforschung auf der Insel Rügen anhand des im Museum Garz befindlichen Skizzenbuchs von Paul Grützmacher. Der Arzt Gert Liebling schließlich befasst sich mit den wissenschaftlichen Karrieren Rügener Gelehrter wie Arndt, Grümbke, Kosegarten, dem Juristen Franz Philipp Breitsprecher oder dem Chirurgen Theodor Billroth und anderen an der Universität Greifswald.

„Ein guter Inhalt verlangt nach einer ansehnlichen Form“, fanden die Herausgeber und ließen sich von Grafikern der Agentur „Knisterwerk“ ein Layout entwerfen, das „klassische und moderne Elemente vereinigt“. Der Anspruch ist durch moderne und großzügige Grafik sowohl optisch als – durch Verwendung starken Kartons und Papiers – auch haptisch gelungen.

Erhältlich ist die erste Ausgabe der „Rügener Blätter“ in einschlägigen Inselbuchhandlungen; Preis: 12,50 Euro

Uwe Driest

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