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Bluesrock mitten im Wohlfühlort

Gingst Bluesrock mitten im Wohlfühlort

Die Berliner Musiker der Gruppe Engerling gaben ihr einziges Rügen-Konzert in Gingst

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Engerling in Gingst (v.l.): Wolfram Bodag, Manne Pokrandt, Heiner Witte. Fotos (2): Uwe Driest

Gingst. Zu ihrem einzigen Rügen-Konzert 2016, wie Manager Gert Leiser betonte, gaben sich die Bluesrocker der Gruppe Engerling in Gingst die Ehre. Ein für Juli geplanter Auftritt im Putbuser Marstall war wegen zögerlichen Vorverkaufs und des am selben Tag stattfindenden Halbfinalspiels der Fußball-Europameisterschaft zuvor abgesagt worden. Umso größer die Freude bei jenen, die Engerling nur allzu gern live erleben.

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Die Berliner Musiker der Gruppe Engerling gaben ihr einziges Rügen-Konzert in Gingst

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Gegründet 1975 von Musikern der – wie es in Band-Biographien heißt – verbotenen Gruppe Pardon, feierten die „Engerlinge“ im vergangenen Jahr ihr 40-jähriges Bühnenjubiläum, und von ihrem Kultstatus büßten sie bis heute wenig ein. „Mir fehlen nur anderthalb Jahre an den 41 Jahren, die es die Truppe gibt“, sagt der Gingster Veranstalter Dietrich Raschke, der die Band 1977 zum ersten Mal live erlebte. Der Tischler, der im Hauptberuf nach eigenem Bekunden „Möbel mit Seele“ herstellt, schätzte schon damals die kritischen Texte der Gruppe, „die zu DDR-Zeiten immer sehr verklausulierte Inhalte zwischen den Zeilen transportieren mussten“.

Die Reihe der „Gingster Sommerkonzerte“ organisiert Raschke gemeinsam mit Ehefrau Gesa und Olaf Müsebeck, der den idyllischen Museumshof mitsamt Café zum „kulturellen Wohlfühlort“ machte. „Irgendwann wurde uns klar, dass – wenn wir Kleinkunst und Kultur in diesem Teil der Insel haben wollen – wir das selber organisieren müssten“, erzählt Raschke. „Wir machen das jetzt seit 15 Jahren, und erst seit drei Jahren müssen wir nicht mehr zuschießen“, ergänzt seine Frau.

An die 100 Gäste hatten am Sonntagabend auf den Bänken Platz genommen oder ihr eigenes Sitzmöbel mitgebracht, um den Südstaaten-Blues der Berliner Musiker um Keyboarder und Sänger Wolfram Bodag zu hören. Neben dem Bandgründer ist auch Gitarrist Heiner Witte von Anfang an dabei. Bassist Manne Pokrandt bringt es auf runde 30 Jahre, und jüngstes Mitglied ist Drummer Hannes Schulze, der gleichwohl seit elf Jahren die Schießbude bedient.

Gleich zu Anfang schmolz das Publikum bei den Klängen von Willie Dixons Blues-Standard „Little Red Rooster“ dahin, dem einige unbekannte, weil selten gespielte Stones-Titel wie „Sittin’ On A Fence“

folgten. Aber auch alte Engerling-Kamellen wie das Beziehungsstück „Da hilft kein Jammern“, trugen Bodag und Freunde vor. Engerling-Fans dürfen sich auf das Blue-Wave-Festival im kommenden Jahr freuen, an dem die Truppe teilnehmen wird. „Das Motto befasst sich dann mit der Begegnung alter Routiniers mit Newcomern aus der Szene“, verrät Gert Leiser schon mal. „Jede gestandene Band soll dann eine Nachwuchs-Band benennen, und wir werden die Gruppe Late Riser aus Sachsen einladen“, so der Manager der Gruppe, die ab Mitte Februar kommenden Jahres auch wieder mit dem US-Sänger Mitch Ryder auf Tour sein wird. Ryder wird von Engerling schon seit 22 Jahren begleitet. Unter anderem werden der US-Musiker und die ostdeutsche Band am 24. Februar im Hamburger Downtown Blues Club auftreten.

Das letzte reguläre Sommerkonzert in Gingst bestreitet das Scottish-Folk-Duo Alan Reid und Rob van Sante am 31. August, gefolgt nur noch vom traditionellen Club-Konzert mit Thomas Putensen am Jahresende (28. Dezember).

Blick in die Vergangenheit

1978 veröffentlichten Engerling ihre selbstbetitelte Debüt-LP. Sie enthielt einige der stärksten Bluesrock- Nummern der damaligen Blues-Szene der DDR: „Schwester Bessies Boogie“ über Bessie Smith, „Mama Wilson“ über den Canned-Heat-Sänger Alan Wilson, der sich 1970 das Leben genommen hatte oder „Moll Blues“, eine getragene Nummer, die den Trennungsschmerz beschreibt.

3 Jahre dauerte es nur, bis Engerling mit der nächsten Amiga-LP in den Regalen stand. Für eine Blues-Band eine geradezu lichtgeschwindigkeitsartiges Veröffentlichungstempo, da Bands der Blues-Szene als potenzielle Dissidenten unter Generalverdacht standen und eher selten bis gar nicht zu Vinyl-Ehren kamen. Die „Tagtraum“ betitelte Scheibe enthielt mit „Tommy Simpson“ – eine Song über das Doping bei der Tour de France – einen weiteren Kultsongs der DDR-Rockgeschichte.

3 Langspielplatten erschienen von Engerling zu DDR-Zeiten insgesamt. Die dritte und letzte, „So oder so“, kam im Wendejahr 1989 heraus und hinterließ vergleichsweise wenige Spuren. Erst mit Abstand mehrerer Jahre kristallisierten sich aus den Stücken dieser Scheibe einige Perlen heraus: „Molls Party“, „Narkose Blues“ oder der Titelsong zum Beispiel.

Uwe Driest

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