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Das zweite Leben einer Telefonzelle

Stralsund Das zweite Leben einer Telefonzelle

Die Stadtverwaltung hat zwei Exemplare bei der Telekom geordert / Sie sollen Bücherschränke werden

Stralsund. Die Welt der Medien ändert sich in einem Tempo, dass einem schwindelig werden kann. Nur 20 Jahre ist es her, da gab es an der einen oder anderen Telefonzelle lange Schlangen. Das Handy war noch die Ausnahme. Wer von Unterwegs zuhause Bescheid sagen wollte, dass das Abendbrot gefälligst um 18.30 Uhr auf dem Tisch zu stehen habe, der musste Kleingeld oder eine Telefonkarte dabei haben. Und eine öffentliche Sprechstelle in Reichweite. Damals gab es tatsächlich noch an fast jeder Straßenecke eine. Heute schafft es kaum jemand, die Standorte von nur drei Telefonzellen in Stralsund innerhalb von einer Stunde aufzusuchen. Die Dinger sind sang- und klanglos verschwunden. Hier und da gibt es noch unscheinbare Säulen. Doch auch die sind dem Tode geweiht.

Aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Die gute alte Telefonzelle hat plötzlich wieder eine Überlebenschance. Vermutlich lauern Zehntausende im Magentalook oder gar noch im alten Postgelb auf den Hinterhöfen der Telekom auf einen rettenden Anruf aus irgend einem deutschen Kaff, das plötzlich die Idee hat, seine Einwohner mit so genannten Bücherschränken zu beglücken.

Das sind Stationen im öffentlichen Raum, in denen privat nicht mehr gewollte Literatur abgelegt, und von notorischen Leseratten für die Zweitnutzung übernommen werden kann. Kostenlos, versteht sich.

Auch Stralsund verfolgt diese Idee und hat tatsächlich zwei alte Fernsprechhäuschen geordert. Freilich ohne Telefonanschluss, den braucht man im Smartphone-Zeitalter nicht mehr.

Aufgestellt werden könnten sie zum Beispiel am Heuboden-Treff und an der Grünhufer Auferstehungskirche. Praktisch deshalb, weil dort das Kreisdiakonische Werk sowieso präsent ist und sich mit jungen potenziellen Faust-zwei-Lesern um die Hege und Pflege der Bücher kümmern würde. Die Regale in den Zellen könnten vielleicht von den Mitarbeitern der Stralsunder Werkstätten gezimmert werden. So klang es jedenfalls in dieser Woche, als sich der Kulturausschuss der Bürgerschaft mit dem Thema befasst hat.

Stralsund darf gespannt sein auf die Resonanz. Und auf die Beantwortung einiger Fragen: Wie passt das Überangebot an Literatur aus Stralsunds privaten Bücherregalen in zwei Telefonzellen? Kann man Angebot und Nachfrage steuern? Was sagt die Stadtbibliothek, die gerade unter hansestädtischem Sparzwang zu leiden hat um jeden Leser bangt?

Und nicht zuletzt: Ändert sich nicht gerade auch das Leseverhalten? Immer mehr Menschen greifen zum platzsparenden E-Book. Das gedruckte Buch verkümmert zur Deko im Wohnzimmerregal. Was hässlich ist, muss weg, zum Beispiel in eine Telefonzelle, die irgendwann zur Müllhalde mutiert. Wer profitiert? Die Telekom. Die wird ihre Altlasten auf Kosten der Steuerzahler los. Zu rund 500 Euro das Stück.

Jens-Peter Woldt

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